House of the Dead: Overkill (Game Review)

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Trash as trash can – Segas nun für die PS3 erschienene Fassung des Splatter-Spiels macht keine halben Sachen. Als ausgewiesener „Extended Cut“ hält die Neuauflage „mehr Blut, mehr Gore und mehr Stripperinnen“ bereit: Hurra. Kann man ja nie genug davon bekommen, auch von den Waffen nicht, mit denen man im Spiel blutrünstigen Untoten zu Leibe rückt. Ebendiese Anti-Zombie-Utensilien sind nun noch zahlreicher geworden; zudem haben HD Grafik und 3D-Unterstützung Einzug gehalten.

Wem „House of the Dead“ noch kein Begriff ist: Der Titel hat vor einiger Zeit auf der Wii Furore gemacht. Noch beeindruckender als die Bewegungssteuerung war aber schon damals die Zielsicherheit, mit der „House of the Dead“ dort anknüpft, wo Quentin Tarantino mit „Pulp Fiction“ und „Jackie Brown“ seine kreativen Höhepunkte hatte (ja, richtig: „Inglorious Basterds“ ist nicht nach unserem Geschmack, das dritte Reich ist für uns eine ernste Sache, aber das ist eine andere Geschichte…).

Wie also in „Pulp Fiction“ und „From Dusk till Dawn“ ist die Handlung in „House of the Dead“ eher nebensächlich, sofern überhaupt als solche vorhanden. Es geht statt dessen um das Flair, um die völlig übertriebenen „coolen“ Sprüche, die so realitätsfern sind, dass sich jeder Psychiater an den Kopf greifen würde. Passend dazu sind die Akteure ein Schwarzer und ein Weißer, wobei der Afroamerikaner deutlich hipper wirkt: Seine Aussagen sind dermaßen an den Haaren herbei gezogen, dass der gute Mann nicht ohne Grund eine Glatze hat. „Oh, man, fuck, I’m gonna tear of his balls“, heißt es da – dem Zombie wird das mit den Eiern eher schnurzpiepenwurscht sein. Aber der wird ohnehin gleich über den Haufen geschossen. Man, what a fucker. Eat this.

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Man könnte dem Spiel vorhalten, allzu berechnend zu sein. Denn mit seinem auf 70er-Jahre-Retro-Look gestylten Zwischensequenzen und den ins Gameplay integrierten Songs, die dem „Pulp Fiction“-Soundtrack perfekt nacheifern, ist sich „House of the Dead“ nur allzu bewusst, dass es eine überzeichnete Kopie ist. Aber gerade dieses so offensichtliche Kalkül macht den Reiz des Titels aus. „Schauen wir einfach mal, wie weit wir den Bogen überspannen können, bis er alles in Stücke reißt“, müssen sich die Entwickler in einer durchzechten Nacht gedacht haben. Sex, Crime, Zombies, sinnlose Handlung, komplett abgedrehte Figuren, das alles bei spezifisch für das Spiel aufgenommenen Songs – die Kombination funktioniert. Und zwar schlicht deshalb, weil der Unterhaltungswert enorm groß ist. Der Spaß an der von ihnen selbst geschaffenen, kompletten Absurdität, welche die Macher von „House of the Dead“ verspürt haben müssen, tritt an allen Ecken und Enden ihrer seltsamen Kreation hervor. Und bringt einen immer wieder zum Schmunzeln.

Dass die Vorzüge von „House of the Dead“ nicht jeden Spieler-Typ ansprechen, braucht wohl nicht gesagt zu werden. Allerdings dürfte das Spiel wohl für so manche positive Überraschung sorgen. Wer von Filmen mit Splatter- und Gore-Elementen gar nichts hält, aber Tarantinos Machwerke der Neunziger liebt, sollte Segas Experiment unbedingt trotz etwaiger Vorbehalte antesten. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass er mit Verblüffung feststellt, wie amüsant gänzliche Sinnfreiheit, gespickt von adäquaten Nonsense-Dialogen, sein kann.

Seit „Killzone 3“ (Rezension hier) ist die Qualität der Umsetzung der Move-Steuerung auf der PS3 deutlich gestiegen. Insofern profitiert die PS3-Fassung von „House of the Dead“ von der verzögerten Veröffentlichung. Ausgerüstet mit lediglich dem Haupt-Move-Kontroller (dem mit dem Ball), rückt der Spieler zielsicher den Zombies auf den Pelz – ganz ohne sich um die Kamera und die Bewegung kümmern zu müssen. Diese Beschränkung auf das Wesentliche (und das ist nun mal das Abballern der Untoten, let’s face it) ist vorteilhaft, um nicht schon früh im Spielverlauf auch noch selber verrückt zu werden. Denn es ist wahrlich auch so bereits genug los, im Haus der unbegrenzten Auferstehungen zum Zombie-Dasein.

„House of the Dead“ weiß genau, was und wohin es will. Just like Strippers, Zombies just wanna have fun. Wer in diesen Gaming-Zug einsteigt, ohne sein Hirn ganz abzuschalten, wird sich an der grenzenlosen Absurdität dieses Titels immer wieder ergötzen. Das bisschen schlechtes Gewissen dabei sollte man einfach ignorieren.

Zwischen all den Zombie-Leichen sind wir über 8,5 von 10 Punkten gestolpert, die wir „House of the Dead“ jetzt nur zu gerne vermachen.


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