Operation: Endgame (Filmkritik)

Der erste Tag in einer geheimen Einrichtung der Regierung für gefährliche Killer aller Arten könnte wirklich angenehmer beginnen. Wenn schon alle Codenamen tragen und diese nach Tarot Karten benannt sind, dann möchte man nicht unbedingt „Der Narr“ (Joe Anderson) genannt werden. Und wenn es ein zweites Killerteam namens Alpha als Ausgleich zum eigenen Omegateam geben muss, dann sollte sich in dieser Gruppe doch nicht ausgerechnet die eigene Exfreundin Temperance (Odette Yustman) befinden.

Ok, eigentlich halb so schlimm die ganze Geschichte. Wenn dann aber auch noch der Boss der Teams „Der Teufel“ (Jeffrey Tambor) auf mysteriöse Weise ums Leben kommt und der Zerstörungscode für den gesamten unterirdischen, natürlich hermetisch abgeriegelten Bauteil ausgelöst wird, bleiben nur mehr knappe zwei Stunden um den ersten Arbeitstag auch wirklich überleben zu können. Mögen die Killerspiele beginnen, denn die Suche innerhalb des Gebäudes nach dem einzigen Typen mit dem essentiellen Wissen über einen Notausgang – „Der Eremit“ (Zach Galifianakis) – gestaltet man doch am Besten, indem man die Mitglieder der gegnerischen Truppe so schnell wie möglich eliminiert.

Operation-Endgame

Oje. Hier gab es eine echte Chance, einen wirklich unterhaltsamen, ausgflippten Actionspass zu schaffen. Ohne großartigen Anspruch, dafür mit brutaler Action und coolen Sprüchen. Was Regiedebütant Fouad Mikati aber hier abliefert, ist höchstens Mittelmaß und hat nichts mit einem guten Actionfilm zu tun. Angeblich wäre der Film für einen Kinorelease vorgesehen gewesen, hat es dann aber doch nur ins DVD-Regal geschafft. Kein Wunder, denn was hier an Potential verschenkt wird, tut wirklich weh.

Den größten und eindeutig dicksten Minuspunkt bekommt diese Actiongurke für das Verheizen der sonst tollen Darsteller. Einige hätten auch in den hier gezeigten Rollen durchaus interessante Ansätze, doch sollte man sich mit niemanden anfreunden, da fast alle nach viel zu kurzer Screentime ums Leben kommen. Ich werde jetzt mal ein paar Namen des beeindruckenden Casts aufzählen:

  1. Joe Anderson, der mir wirklich gut gefallen hat in ganz unterschiedlichen Filmen wie etwa „Across the Universe“, „High Life“ und „The Crazies„, bekommt als überforderter Neuzugang nicht mehr zu tun, als verzweifelt und leicht dämlich in der Gegend herumzuschauen. Den sogenannten Twist am Ende kaufe ich seiner Figur da überhaupt nicht ab.
  2. Maggie Q. Sie ist cool, schön und kann kämpfen, egal ob in asiatischen „Naked Weapon“ oder amerikanischen Projekten „Mission Impossible 3“ oder „Stirb Lansgam 4“. Sie ist auch der Star der neuen, im September startenden Nikita-Serie. Hier stolziert sie gefühlte fünf Minuten, wirkliche zehn Minuten durch die Räume, nur um völlig unspektakulär von einem der unsympathischten Charaktere umgebracht zu werden.
  3. Ving Rhames („Pulp Fiction“, „Mission Impossible 1-3“) Präsenz löst Respekt aus, mit ihm will sich keiner so schnell anlegen. Hier wirkt er aber lächerlich und wie eine Karikatur von sich selbst.
  4. Emilie de Ravin. Sie war nett und lieb in „Lost“, „The Hills have Eyes“ oder „Remember Me“. Nun darf sie zwar endlich mal völlig irre sein, der Spassfaktor ihrer Darstellung wird jedoch ebenso durch einen schnellen Tod zu einem abrupten, zu frühen Ende geführt.
  5. Zach Galifianakis bekannt aus „The Hangover„. Der kann echt komisch sein, hier ist er aber nur peinlich und unlustig.
  6. Rob Corddry sorgte in „Hot Tub Time Machine“ für einige Lacher, was er auch hier tut. Untermalt von seinen ständigen Schimpfereien und seinem plakativ ausgelebten Alkoholismus, geht dem Zuseher seine Figur jedoch ziemlich schnell auf die Nerven.
  7. Schauspielveteranen in Cameos- bzw. ähnlich kurz angelegten Rollen. Da sollte man doch das Beste aus der kurzen Zeit herausholen und Momente schaffen, die dem Zuseher nach Ende des Filmes noch im Gedächtnis bleiben. Nicht so hier, denn Jeffrey Tambor und Ellen Barkin sind völlig austauschbar und können ihren Rollen kein echtes Leben einhauchen.

Der Regisseur wusste hier eindeutig nicht, wie man seine Schauspieler führen sollte bzw. was ein gutes Drehbuch beinhalten muss. Das sieht man auch sehr gut darin, dass während des gesamten Filmes wirkliche Nachrichtenberichte von Präsident Obamas Angelobung im Fernsehen übertragen werden. Hier versuchte der Autor völlig vergeblich, einen ernstzunehmenden, politischen Hintergrund in die ganze, völlig unrealistische Geschichte zu bekommen.

Die Explosionseffekte sehen billig und computergeneriert aus, die blutigen Szenen sind teils echt brutal und over the top, teilweise jedoch wirken sie auch etwas unecht und lieblos ausgeführt. Überhaupt ist dies ein ziemlich seelenloses Projekt, voller pseudocooler Sprüche und ohne Liebe zu den eigenen Figuren. Das die Kampfchoreographie auch ziemlich lahm daherkommt, wundert da wirklich niemanden mehr.

Was mich nun zum einzig positiven Aspekt von dieser misslungenen Operation bringt und auch mein oben gewähltes Bild erklären dürfte: Odette Yustman. Vielleicht ist sie ja jemanden in „Cloverfield“ aufgefallen, ich hab ihre Schönheit auf jeden Fall als das Beste an „The Unborn“ in Erinnerung. Nun darf sie aber endlich zeigen, dass sich nicht nur gut aussieht. Und wie die spielen kann wenn sie will. Als Temperance ist sie tough, abgebrüht, zeigt aber auch Gefühle, die man sogar eindeutig von ihrem Gesicht ablesen kann. Somit ist sie hier die einzige Figur, der ich nach Ende des Filmes nicht den Tod gewünscht hätte. Ich hätte ihr für ihre tolle Performance jedoch einen viel besseren Film gegönnt. Mal sehen, wie es mit ihrer Karriere so weitergeht.

Insgesamt also ein Film mit einigen Möglichkeiten, von denen so gut wie keine genutzt werden und nur ansatzweise Spass aufkommt. Wer smarte Dialoge, eine ausgeklügelte Handlung oder eine spannende Geschichte erwartet, der ist leider im falschen Film gelandet. Ohne Yustman wäre dies eine reine Enttäuschung für mich gewesen, obwohl bei so vielen eigentlich guten Darstellern, meine Wertung sowieso nicht allzu streng ausgefallen ist.

Operation: Endgame bekommt von mir 5/10 Schauspieler verheizende Empfehlungspunkte.


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