Normal (2025 Filmkritik)

Die kleine Stadt Normal in Minnesota hat mit Ulysses (Bob Odenkirk) gerade einen Übergangs-Sheriff erhalten. Dieser hat seine eigenen, privaten Probleme und hält sich deswegen abgesehen von seiner Arbeit, aus den Angelegenheiten der Stadt so weit es geht heraus.

Als jedoch Keith (Brendan Fletcher) und seine Partnerin die örtliche Bank überfallen und Ulysses das Gebäude betreten will um zu verhandeln, eröffnen seine Deputys plötzlich das Feuer auf ihn und die Menschen innerhalb der Bank…

Nicht nur von den ersten beiden Buchstaben des Titels, hat der neue Film von Regisseur Ben Wheatley (Meg 2) Ähnlichkeiten mit einem gewissen anderen Franchise. Für Nobody (und dessen Fortsetzung) mit Hauptdarsteller Bob Odenkirk hat Derek Kolstad das Drehbuch verfasst und für Normal haben die beiden Herren nun gemeinsam die Geschichte geschrieben.

Mit kleinen Veränderungen könnte man die Sache dann auch durchaus als dritten Nobody-Teil sehen, doch es entsteht hier neben Ähnlichkeiten, eben doch eine eigene Dynamik. Der Charme einer Kleinstadt trifft auf die Yakuza, während sich trockener, situationsbedingter Humor mit explosiv, blutiger Action abwechselt.

Odenkirk legt seine Figur des Ulysses als beobachtenden Mann an, der nach einem persönlichen Drama sich selbst wieder finden muss. Die Suche spiegelt sich beruflich in wechselnden Aushilfssheriff-Jobs wieder und seiner Art, wie er seine Arbeit macht, z.b. „Park Better“ auf einen Strafzettel einer Falschparkerin zu schreiben, statt eine echte Strafe zu verhängen.

Normal ist natürlich alles andere als normal und Ulysses steckt schon bald mittendrin, statt sich brav raushalten zu können. Wie sich wohl jeder denken kann, liegt genau darin die Ironie. Wie zuletzt etwa bei Ballerina hat er bald die gesamte Stadt zum ihn Töten wollenden Feind und das sind laut aussagen des Bürgermeisters 1890 Menschen (nicht das auch nur ansatzweise so viele Menschen zu sehen sind, aber dennoch).

Wenn dann der Briefträger, der Arzt oder die alte Lady vom Wollgeschäft anfangen ihre Waffen zu zücken, hat man die Figuren mit ihren schrulligen Eigenheiten auf beiden Seiten, schon längst lieb gewonnen, weswegen das Geschehen dann auch weit weniger kalt lässt, wie man auf Grund des lakonischen Grundtones vermuten hätte können.

Neben dem sich selbst suchenden Ulysses kämpfen auch zwei liebenswert überforderte Bankräuber plus ihr Hund um ihr leben. Dann wäre da noch der kurze Anfall einer „modern agenda“ in Form der „Tochter“ des früheren Sheriffs, doch wenn das schon einbaut, dann bitte so wie hier. Einfach Kind statt Tochter zu ihr sagen, dann wird ihre nicht binäre Einstellung nicht mehr weiter thematisiert.

Gezielter Humor, genug erschossene, erstochene und explodierende Körper um eine Turnhalle zu füllen und Figuren, die man entweder gerne verlieren sieht, oder ihnen zujubeln will. Das alles wird durch genug Story etabliert, durch die Performances verbunden und durch die knackige Action voran getrieben. Auf Grund der Beteiligten vor und hinter der Kamera, funktioniert dieser Mix hier wieder für Odenkirk typisch mal richtig gut.

„Normal“ bekommt von mir 7,5/10 die friedliche Atmosphäre einer Kleinstadt, in ewigen Frieden umwandelnde Empfehlungspunkte.


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