Primate (2025 Filmkritik)

Lucy (Johnny Sequoyah) kehrt nach einer längeren Zeitphase in ihr Zu Hause in einen abgelegenen Teil von Hawaii zurück. Dort wartet neben ihrem gehörlosen Vater (Troy Kotsur) und ihrer kleinen Schwester Erin (Gia Hunter) auch Schimpanse Ben auf sie, der seit er ein Baby war, Teil der Familie ist.

Nachdem der Vater kurz danach beruflich außer Haus ist, feiern die beiden Schwestern mit drei Freunden eine Poolparty. Was fröhlich beginnt, wird schnell zu einem Horror-Szenario, denn Ben hat sich mit Tollwut angesteckt, ist aus seinem Käfig ausgebrochen und hat sich zur Aufgabe gemacht die Menschen innerhalb seines Hauses, auf möglichst blutige Art und Weise, aus dem Leben scheiden zu lassen…

Ich musste vorher auf der imdb als Bestätigung nachsehen, aber ich habe wirklich bis jetzt noch keinen Film von Regisseur Johannes Roberts gesehen. Mein Kollege Fireagent hingegen schon und der fand seine Projekte mittelmäßig (47 Meters Down Uncaged und The Strangers: Prey at Night) oder richtig schlecht (Resident Evil: Welcome To Racoon City). Ich hatte dennoch nichts zu verlieren, denn meine letzten Creature Feature Erlebnisse, waren alles andere als berauschend (Killer Whale, Coyotes oder Rippy, um nur ein paar zu nennen).

Vielleicht ist es ja genau diese Herangehensweise gewesen aber wow, ich hatte hiermit eine Menge Spaß. Dabei gibt es gleich mehrere Dinge, die ich gefeiert habe. Ein paar Beispiele? Ein Soundtrack, der wie aus einem Slasher aus den 80er Jahren klingt. Eine Anspielung auf Shining, bei der ich echt von einem zum anderen Ohr grinsen musste. Keine CGI-Effekte, alles animatronisch oder mittels Kostümen gelöst.

Nach 85 Minuten laufen die Credits – endlich mal wieder eine nicht extra lang gedehnte Handlung – und dennoch kommt dir das Gesamterlebnis satt und nicht zu kurz vor. Hinzu kommen kleine Dinge, die eine gewisse Liebe zum Medium Film verlangen und heutzutage, viel zu selten vorkommen. Etwa wenn eine Betrunkene sich ins Bett fallen lässt und die Kamera sozusagen „mit fällt“ oder wenn auf die lautlose Sicht des gehörlosen Vaters gewechselt wird, was auch gezielt für unangenehme Spannungsmomente sorgt.

Für mich auch erfrischend, dass bis auf Kleinigkeiten auf Gefühlsdrama innerhalb der Hauptfiguren verzichtet wird. Der Tod der Mutter wird bereits im Vorspann gezeigt und wie verschieden damit umgegangen wird. Der Vater stürzt sich in die Arbeit, die ältere Tochter verlässt ihr Zuhause, die jüngere zieht sich zurück. Dass der Schimpanse als Familienmitglied gesehen wird und man ihn wegen dem bereits erlittenen Verlust zunächst nicht aufgeben will, ist bitter und nachvollziehbar.

Dass durch extreme Erlebnisse Trennungen untereinander überwunden werden können, ist ebenso bekannt. Weswegen hier auch vor allem Hauptfigur Lucy richtig gut funktioniert. Für mich auch interessant ist es, dass die zweit prominenteste Figur ihr Gegenpol ist, also die extrovertierte Dame, die auf Lucy´s Love Interest klebt und in einem anderen Film, wahrscheinlich als Erste gestorben wäre.

Dann wären da die Morde. Die sind schnell und brutal, wie Tierattacken eben sind und auch schön blutig. Dabei macht Tollwut Ben hier nicht nur zu einem Killer, sondern auch zu einem kleinen Sadisten, der scheinbar Spaß am Morden hat (die Szene mit dem Kiefer oder dem Autoschlüssel, ihr werdet wissen was ich meine). Das ist vielleicht nicht realistisch, dafür aber ist man noch mehr involviert, weil man richtig wütend wird auf den kleinen Mistkerl.

Abgerundet von starken Performances der wichtigsten Personen – Johnny Sequoyah als Lucy hat dabei alle Sympathien auf ihrer Seite – ist das in Summe ein Genrebeitrag, der alle bekannten Einzelteile so aneinanderreiht, dass ich ihn richtig gefeiert und für die kleinen Details geschätzt habe. So produziert man einen Film, der am Papier haarsträubend klingt und macht ihn innerhalb des Subgenres, zu einem der unterhaltsamsten Erlebnisse der letzten Jahre.

„Primate“ bekommt von mir 8/10 den Evolutionstheoretikern das Fürchten lehrende Empfehlungspunkte.


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