Madeleine (Nicky Whelan) ist Therapeutin und ihr letzter Klient offenbart ihr, dass er sie liebt, sie ihn betrogen hätte und versucht sie umzubringen. Sie überlebt jedoch, schreibt ein Buch darüber und wird Bestseller-Autorin. Wie das Leben halt so gehen kann. Für ihr zweites Buch hat sie ihre Patientin Heather (Amy Wade) ausgewählt und über die möchte sie schreiben.
Nach einem Vorfall zieht sie sich zurück in ihre Heimatstadt, wo ihre Schwester Kelly (Dominique Swain) lebt und ihr Vater (Fred Sullivan) bald seinen runden Geburtstag feiert.
Aber eines nachts erwischt Madeleine einen Einbrecher, der jedoch unerkannt entkommen kann und bald darauf stellt sie fest, dass sie verfolgt wird. Als sie das Heather erzählt macht diese sich Sorgen um „ihre“ Psychiaterin und macht sich auf den Weg zu ihr. Als sie dann unangekündigt bei der Feier ihres Vaters auftaucht, stellt sich die Frage, ob nicht vielleicht Heather der unheimliche Stalker ist, zumal sie nicht wieder fahren will und sich mehr oder weniger in Heathers Leben breitmacht …

Ich weiß offen gesprochen nicht, was der Film mit „Abgeschiedenheit“ zu tun haben soll, denn abgeschieden ist Madeleine eigentlich nie. Im Grunde ist sie immer von Menschen umgeben, außer halt, wenn sie allein in der Nacht im Haus ist. So wie alle anderen Singles auch. Aber gut. Soll sein.
Der Film selbst wäre potentiell spannend und Nicky Whelan gibt sich auch alle Mühe schauspielerisch zu überzeugen. Vergebens zwar, aber immerhin. Ihre Madeleine wirkt als wäre sie aus einer Folge „Desperate Houswives“ falsch abgebogen und dann eben hier in diesem Film gelandet, der übrigens optisch absolut ein Fernsehfilm ist. Das zieht sich durch den gesamten Film, wie gleich mal anmerken muss. Das betrifft die Belichtung, die Sets und vor allem das Schauspiel, welches niemals Kino-Niveau erreicht, sondern meistens so auf deutsches Serienformat-Niveau herumdümpelt (gilt in diesem Fall spannenderweise vor allem für den englischen Originalton).
Interessant fand ich, dass dann doch zwei eher bekanntere Gesichter im Film zu finden sind. Da wäre zum einen Fred Sullivan, den zwar niemand einem bestimmten Film zuordnen kann, aber dessen Gesicht man einfach kennt und der wirkt hier – wie eigentlich immer – absolut sympathisch und nett. Hat aber jetzt auch nicht viel zu tun außer da zu sein und seine erfolglreiche Tochter zu bevorzugen 😉
Und damit wären wir bei Dominique Swain, welche die Schwester von Madeleine spielt und die Tochter, die halt Zuhause blieb, keine Karriere gemacht hat und in der Kleinstadt versumpft ist. Wenn ich das mal so plakativ überspitzen darf. Und das hat mich fast ein wenig erschüttert, denn Dominique Swain … naja, heutzutage kennt sie vermutlich quasi niemand mehr. Aber eine zeitlang war die Dame die neue Mischung aus Drew Barrymore und Scarlett Johannson. Nachdem sie vor vielen Monden in der Neuverfilmung von „Lolita“ eben die namensgebende Lolita gespielt hat (an der Seite von Jeremy Irons) und davor bei „Face/Off“ dabei war, ist sie quasi medial durchgestartet – und den Sprung in die große Liga dann jedoch niemals so richtig hinbekommen. Auch wenn sie mit vielen bekannten Leuten vor der Kamera stand (Udo Kier, Jensen Ackles, Eric Roberts, Christina Ricci, Michael Madsen, Mickey Rourke, usw) ist sie dann doch rasch im Bereich der Trash-Filme gelandet.
Und was sie hier abzieht, dass ist schon fast eine Frechheit. Ich meine, ja, das kommt jetzt ein wenig drauf an, wie man die Sache sieht, denn wenn der Auftrag war, ihre Rolle so anzulegen, dass man Kelly von Anfang an nicht mag – Bingo. Das hat sie absolut auf den Punkt gebracht. Und Kelly macht auch richtig miese Sache, das gleich mal vorweg. Was ich aber spannend finde – und das wirkte so auf mich – ist, dass das Schauspiel in diesem Film primär darauf hinauslauft, den Kopf nach vorne zu strecken, die Stirn zu runzeln und das war es dann. Mehr ist das nicht drin. Und das mir das auffällt sagt schon viel aus.
Aber – wie gesagt, der Fairness halber – das war vielleicht so gewollt von der Regie, kann ich nicht sagen. Ich fand es schräg.
Was halt auch nicht hilft sind Anschlussfehler im Schnitt, wenn Person A zum Beispiel, die Hand am Kopf hat, dann wird geschnitten und in der nächsten Szene hängt die Hand zur Seite runter oder solche Dinge. Mag vielleicht nicht groß stören und es ist auch meistens nur eine knappe Sekunde im Bild, aber irgendwie hat mich das irritiert.
Die Story ist aus dem Lehrbuch und nimmt dann eine gaaaaaanz andere Wendung als man denken würde *hüstel* (genau …) und das Ende ist dann ein dermaßen übertriebenes Kitsch-und-Rosen-Ende, dass ich fast kotzen musste. Ich bin kein Therapeut, aber was da – sogar für Laien klar ersichtlich – an Vorschriften gebrochen wird und so weiter – irre. Also wenn Madeleine auch nur irgendwie weiter in ihrem Job arbeiten kann/darf (was im Film so ist), dann ist das absolute Sci-Fi und sonst nichts. Das ärgert mich vermutlich hauptsächlich deshalb, weil ich viele Therapeut:innen kenne und Verschwiegenheitspflicht und Therapeuten/Klient:innen-Beziehung bzw. Nähe eine Dauerthema ist – und dann kommt sowas in einen Film … naja. Vielleicht sind die rechtlichen Rahmenbedingungen in anderen Ländern ja anders. Was weiß ich.
Jedenfalls war der Film grundsätzlich okay, wenn auch wenig überraschend, ein paar Szenen waren sogar wirklich gut von der Idee, auch wenn die schauspielerische Leistung nicht so prickelnd war. Amy Wade als Heather macht übrigens eine gute Figur und die Ambivalenz für die Zuseher:innen, ob sie jetzt die Böse ist oder nicht, kommt gut rüber.
Alles in allem ist der Film ganz okay, bietet keine großen Überraschungen und auch keine schlimmen Ausfälle. Spannungsaufbau ist wenig vorhanden, sei es von der Inszenierung oder von der Story her – aber für eine Einmalsichtung mit der richtigen Erwartungshaltung ganz okay.
„Seclusion“ bekommt 5 von 10 möglichen, in Summe absolut durchschnittlich seiende, Punkte.

