Christopher Robin (Scott Chambers) hat die Ereignisse aus dem ersten Teil überlebt und fristet nun sein Dasein in seiner Heimatstadt. Aber nur wenige glauben ihm seine Geschichte. Er überkompensiert und will der Gemeinde Gutes tun, wird Arzt, aber viele bleiben skeptisch. Andere wiederum gehen in den 100 Morgen Wald und suchen nach Pooh und seinen Freunden, um sich für die Toten zu rächen.
Dieser hat sich mit ein paar Kumpels versteckt und nur weil Eule meint, es wäre Zeit, den Kampf zu denen zu tragen, die sie bedrohen, macht er sich mit Ferkel und ja, auch Tigger, auf den Weg, um sich seinen Wald zurückzuholen und vielleicht auch Rache zu bekommen.
Aber … Rache wofür, eigentlich?

Der erste Teil des neuen Horror-Franchise „Winne The Pooh“ hat ja nicht gerade positive Reaktionen ausgelöst. Trotzdem dürfte er äußerst erfolgreich gewesen sein, denn schon heuer kam ein Nachfolger in die Kinos (ja, in die Kinos). Und dieser hat dann doch erstaunlicherweise gute bis mittelprächtige Kritiken bekommen. Erstaunlich, wenn man bedenkt, was für einen S***storm der erste Teil ausgelöst hat.
Jetzt, wo die Wut über die Umsetzung eines bliebten Kinderbuch-Bären in Horrorfilm-Manier verfolgen ist, hatte man wohl Zeit, sich ein wenig näher mit den Ergebnissen – sprich: Filmen – zu beschäftigen und kam zu dem Schluss, dass trotz aller Unkenrufe, die Sache dann doch nicht sooo schlimm war.
Und die Pläne weitere Werke mit ausgelaufenen Lizenzen zum Leben als Horrorfilme zu verwursten … *äh* – zu verwerten, sind ja auch schon im Laufen. Ja, wir reden von Filmen wie „Bambi: The Reckoning“ oder einer bösen Peter Pan-Version. Alles schön und gut und – oh ja, Crossovers, ich höre euch kommen. Aber das ist noch fern, jetzt sind wir im Hier. Und im Hier gibt es „Blood And Honey 2“, den direkten Nachfolger des Aufregerfilms.
Und was kann dieser zweite Teil? Nun, für mich relativ wenig. Ich fand den ersten Teil tatsächlich besser als diesen hier, was natürlich daran liegen kann, dass ich keine Erwartungshaltung hatte. Die hatte ich hier allerdings auch nicht, wie ich zugeben muss. Mein Problem mit diesem Film begann mit der ersten Szene, die Wes Cravens Horror-Regel Nummer 1 ein wenig zu genau nimmt: „Schockiere die Leute in der ersten Szene, dann rechnen sie den gesamten Film lang mit allem und das steigert die Spannung.“ (siehe „Scream“ oder „Scream 2„).
Das bedeutet, dass die ersten drei Morde wirklich, wirklich brutal sind und zwar auf eine Art und Weise, die für mich die Grenze zum Torture Porn überschreitet und vor allem völlig aus dem Nichts kommt. Sicher, auch der erste Teil war jetzt nichts für feine Gemüter, aber das hier – das fand ich nicht so prickelnd. Vor allem haben die Personen, die getötet werden, sich absolut nichts zu schulden kommen lassen, und ich finde es immer unangenehm, wenn Menschen „einfach so“ richtig schlimme Dinge passieren. Und das tun sie hier. Ich muss auch nicht im Detail sehen, wie einer kreischenden Frau, ein Fuß/Hand nach dem anderen im rechten Winkel vom Körper gebrochen werden, bevor man ihren Kopf in eine Bärenfalle drückt.
Der Rest des Films ist dann im Vergleich relativ zahm. Man nimmt sich unerwarteterweise Zeit für eine Story, die auch Rückbezüge auf den ersten Teil hat und geht sogar noch weiter zurück. Was war denn damals als Christopher Robin die „Tiere“ im 100 Morgen Wald kennengelernt hat? Hm? Naja, hier hilft ihm eine Therapeutin dabei herauszufinden, was damals wirklich passiert ist. Die Idee bzw. die Auflösung ist jetzt nicht neu, passt aber in dieses Filmuniversum und funktioniert dann bis zum Ende hin für mich ganz gut. Der neue Love-Interest für Christopher war auch fein und okay.
Apropos Christopher Robin – der wurde neu gecastet. Weil … Gründe. Die Tiermasken sehen angeblich besser aus als im ersten Teil. Das würde ich so nicht sagen, ich würde nur sagen, sie sehen „anders“ aus als vorher. Das ist nicht automatisch besser.
Der Film plätschert für mich jedenfalls lange Zeit so dahin, bis es dann zu einer Rave-Party kommt, die Pooh stört und dann fließt eimerweise Blut. Das passiert manchmal kreativ (durch ein Schattenspiel) oder manchmal richtig plakativ (ich sage nur: Säge und Hals). Brutal ja, aber emotional war da wenig drin, weil ich die Figuren dort nicht kannte und die Todesfälle einfach dermaßen viele sind, dass die Tragik dahinter irgendwie gar nicht mehr auffällt.
Was umso mehr auffällt ist dafür, wie sehr sich die Tiere aus dem „100 Morgen Wald“ an berühmte Film-Killer anlehnen. Pooh ist ganz klar Jason (oder Michael Myers, da gibt es jetzt eh nicht den Riesenunterschied) und Tigger, der dann ja auftaucht ist in Summe klar von Freddy Krueger inspiriert, wenn ich das mal verharmlost so nennen darf. Dessen Auftritt fand ich übrigens richtig mies und peinlich.
In Summe ein Film, der versucht die Schwächen seines Vorgängers wegzumachen und sogar so etwas wie eine Story zu bieten. Diese ist sogar ganz gut gelungen und wird auch (bis üblichen zum „Big Reveal“) ganz gut erzählt.
Ich kann auch nicht abstreiten, dass „Blood And Honey“ filmtechnisch weit besser gemacht ist als der erste. Diese peinlich langen Szenen oder Momente in denen man nicht weiß, warum die Kamera zeigt was sie gerade zeigt sind passé. Hier stimmt soweit alles. Naja, fast zumindest. Es gibt immer noch Szenen, bei denen ich nicht weiß, warum die im Film sind. Zum Beispiel läuft Lexy (Love Interest, gespielt von Tallulah Evans) durch den Wald zu Christopher und Eule fliegt mit den Worten „I see you!“ über sie hinweg. Und dann kommt da nichts mehr. Also Lexy kommt schon wieder vor, aber … wozu man Eule und diese Aussage brauchte? Keine Ahnung. Vielleicht bin ich auch kurz eingepennt und habe einen spannenden Zweikampf übersehen, aber ich glaub es nicht. Also konkret: Es gibt immer noch Szenen, bei denen ich nicht weiß, warum die im Film sind, aber zumindest weiß ich den ganzen Film lang, was gefilmt wird und warum die Kamera wohin zeigt. Und weil es mir gerade einfällt: Am Ende beim Massaker am Rave … ich kann mich jetzt nicht daran erinnern, dass da ein Mann dabei war? Hm. Vermutlich der erste All-Girl-Rave der Welt. 2024 halt, was soll man sagen?
Unabhängig davon: „Blood And Honey 2“ ist klar besser gemacht als der erste Teil. Das heißt aber auch, dass der Film sich jetzt mit Filmen eine Liga oberhalb jener des ersten Teils messen lassen muss und da bleibt dann in meinen Augen nicht viel übrig. Brutal (zumindest am Anfang so richtig) ja, aber sonst? Die physischen als auch CGI-Effekte sind besser, es wird versucht eine eigenständige (mit vielen geklauten oder … referenzierten Ideen) Geschichte zu erzählen und am Schluss ist klar – Tür auf für Teil 3. Mehr ist da nicht.
Ich fand ihn schwächer als den ersten Teil und gerade die allererste Szene … nein, danke. Ich fand den Vorgänger schon heftig, aber das hier geht da noch eine Spur drüber. Vor allem fehlt mir für die Gewalt einfach der passende/notwendige Kontext. Es gibt nämlich später durchaus ein paar Szenen, in denen Figuren sterben – das sehe ich aber nur teilweise bzw. auch mal Off-Screen. Da ist es einfach offensichtlich, dass der Anfang des Films nur aufgrund der „Schock-Value“ so gemacht wurde, wie er gemacht ist.
Brauch ich nicht.
Was allerdings das größte Manko ist und weswegen ich den ersten Teil besser fand: Da gab es Spannung. Da kamen Szenen vor, die ich nicht erwartet hatte. Da waren Überraschungen drin, ich war investiert und ja, ich mochte sogar die Figuren. Beim zweiten Teil wird so viel „Kanonenfutter“ in den Film gepackt, da gibt es keine Verbindung für mich. Christopher Robins Trauma hat mich wenig bis nicht berührt und außerdem ist der Film so schrecklich berechenbar … schade. Wäre weit mehr drin gewesen, wenn man nur nicht so auf „Nummer sicher“ hätte gehen wollen.
„Winnie The Pooh: Blood And Honey 2“ bekommt von mir 4 von 10 möglichen, auf kopierenden Pfaden unterwegs seiende, Punkte.


