Grimcutty (Filmkritik)

Asha (Sara Wolfkind) hat vor kurzer Zeit das professionelle Laufen aufgegeben (ein Traum ihrer Eltern, nicht ihrer) und seitdem machen sich ihre Mutter Leah (Shannyn Sossamon) und ihr Vater Amir (Usman Ally) Sorgen darüber, was ihre Teenager-Tochter mit ihrem Leben anfangen soll. Auf jeden Fall nicht zu viel Zeit im Internet verbringen, darum gibt es auch regelmäßig Handy frei Tage für die gesamte Familie.

Als ihre Eltern dann auch noch von einem Internet-Meme namens Grimcutty erfahren, bei dem sich Jugendliche als Challenge selbst schneiden und würgen, läuten bei Leah und Amir sämtliche Alarmglocken. Asha´s jüngerer Bruder Kamran (Callan Farris) ist dabei nicht der Fokus, sondern Asha selbst ist das Sorgenkind Nummer eins. Plötzlich taucht eines Tages ein Wesen auf, dass wie Grimcutty aus dem Internet aussieht und es verpasst einer geschockten Asha eine Schnittwunde…

Dieser (in Amerika Hulu-Original) Film von Drehbuchautor und Regisseur John Ross, kommt vielleicht 20 Jahre zu spät, ist nicht durchgehend realistisch und zeichnet eine einseitiges Bild, doch was soll ich sagen, manchmal packt dich eben ein Film und Grimcutty hat mich vor allem von der Aussage her, dem Spiel der Hauptdarstellerin und der spezifischen Hilflosigkeit der Protagonisten gefallen und hat einige Szenen dabei, die ich mir bereits mehrmals angesehen habe.

Ich werde ein paar (negative) Kritikpunkte, die ich auch sehen kann, doch mich hier speziell nie gestört haben, einfach zwischendurch hinein packen. Zunächst mal gibt es das Internet nicht erst seit gestern, warum warnt man dann 2022 vor der richtigen Nutzung oder den damit verbundenen Gefahren, ist das nicht altes Wissen? Nun ich finde es ist noch schlimmer geworden, denn kaum ein „normaler“ junger Mensch legt sein Handy noch für mehr als fünf Minuten aus der Hand.

Wenn man dann im echten Leben in den Nachrichten von Challenges hört, wo Kinder (ja, keine Jugendlichen) einem anderen Jungen Dinge in den After einführen und sich lachend mit einer Internet-Herausforderung herausreden wollen (ist alles nur Spaß, schon klar), dann ist das das nicht nur mehr als bedenklich, sondern zeigt auch das Versagen einiger Eltern bei der Erziehung. Das bringt mich zu den Erwachsenen im Film, denn die sind allesamt hysterisch und kein Vater und keine Mutter vertraut hier ihren Kindern.

Bäh, alle Eltern sind böse! Hab ich so nicht gespürt, für mich ist das eher irgendwo zwischen satirischer Übertreibung und für die Handlung essentielles Mittel einzuordnen. Grimcutty entsteht nämlich rein durch die Hysterie der Eltern, die natürlich nur das jeweilige Kind spürt, weswegen auch nur dieses Grimcutty sieht, was die Eltern wiederum noch mehr aufstachelt und bestätigt, sehen sie doch ihr Kind, wie es sich selbst mit einem Messer schneidet.

Dass es reicht, das Handy und den Laptop des Kindes zu versperren und es so nicht mehr ins Netz kann (schon mal etwas von einem Internet-Kaffee gehört?), ist zugegeben etwas naiv, aber das ist mir ebenso nicht störend aufgefallen, immerhin verstärkt es nur die Isoliertheit und Verlorenheit der Betroffenen. Diese Themen wiederholen sich logischerweise und ich habe das nicht als repetitiv empfunden, vielmehr habe ich mich mit Asha verbunden gefühlt, weil ihr bei jedem Angriff immer wieder von Neuem nicht geglaubt wird.

Sara Wolfkind (Love All You Have Left) als Asha schafft es großartig, dass man als Zuschauer hineingezogen wird. Frisch, ehrlich und einfach einnehmend ist ihr Spiel und das ist auch ein riesiger Pluspunkt, denn sie trägt den Film über weite Strecken ganz alleine. Ihr Gegenspieler Grimcutty ist ebenfalls ein starker Charakter, wenn auch nur vom Erscheinungsbild her, mit seiner Größe, den langen Armen, den spitzen Zähnen und den glühenden Augen.

Die eigene Internet-Sucht erkennen und eindämmen. Meinem Kind zuhören (gilt natürlich für beide Seiten) und auch vertrauen können. Mit Herz und Hirn immer wieder aufkeimende Hysterie abfangen. Man kann sich hier eindeutig was mitnehmen und vor allem erinnert man sich an etwas wieder, was eine gewisse Pandemie ganz in den Hintergrund gedrängt hat. Ja, ich spreche von Empathie und wie sich meine Aktionen, auf andere Menschen auswirken und sich anfühlen. Wie gesagt, sehr leicht angreifbar dieser Film, bei mir ist er aber sehr gut angekommen.

„Grimcutty“ bekommt von mir 8/10 übertriebenen Ängsten keine Bedeutung schenkende Empfehlungspunkte.


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