Last Looks (Filmkritik)

Charlie Waldo (Charlie Hunnam) ist ein in Ungnade gefallener Ex-Polizist, der seit mittlerweile drei Jahren in seinem Campingbus mitten im Nirgendwo lebt, umgeben nur von seinen Hühnern. Die Ruhe ist jedoch schnell vorbei, als ihn die Privatdetektivin und Ex-Flamme Lorena (Morena Baccarin) besucht und ihn um Hilfe bei ihrem neuen Fall bittet. Auch wenn er zunächst ablehnt, steckt er kurz danach mitten drinnen.

Dabei handelt es sich um den Fall rund um Filmstar Alastair Pinch (Mel Gibson), der seine Frau ermordet haben soll. Neben seinem exzentrischen Auftraggeber Wilson (Rupert Friend), sind es dabei einige Gangster und frühere Kollegen von Charlie, die ihm das Leben schwer machen. Und was ist mit dem Fall selbst? Der ist ebenso weit weniger leicht zu lösen, als es vielleicht zunächst den Anschein hat…

Last Looks basiert auf dem gleichnamigen Mystery-Thriller aus dem Jahr 2018 von Autor Howard Michael Gould, der seitdem nicht nur einen weiteren Teil geschrieben hat, sondern sein Buch auch als Drehbuch für diesen Film umgewandelt hat. Regie führte Tim Kirkby (Fleabag) und Hauptdarsteller Charlie Hunnam (The Lost City of Z), ist gleichzeitig auch als Produzent aktiv. Gute Voraussetzungen also für diesen Film und das Endprodukt, weiß dann auch sehr gekonnt zu unterhalten.

In Summe ist dies eine Mischung aus Krimi und Satire und Hauptfigur Waldo ist einfach ein guter und vor allem sehr gewöhnlicher Kerl, der oft mal über sich hinaus wächst. Dabei schafft es die Regie immer wieder sich frisch anfühlende Situationen zu erzeugen. Es gibt ja diese Filme, die wollen smarter sein, als sie sind. Hier wird man an dieses Gefühl erinnert, doch gelingt es einfach durchgehend, niemals wirklich in diese Kategorie zu fallen.

Kleine Details wie dass Waldo etwa seinen Besitz auf genau 100 Dinge beschränkt hat, haben zwar einen Gimmick-Charakter, verleihen der Story dann aber dennoch eine weitere Facette und haben mich drüber nachdenken lassen, ob ich das auch schaffen könnte. Auch wenn er fast ständig in Gefahr ist, hat man dabei natürlich keine Angst um Waldo, es geht viel mehr um seine Reise und seine Interaktionen mit Menschen, die meist etwas außerhalb der Norm agieren.

Auf der Krimi-Seite kann man durchaus mitraten, denn der Täter könnte wirklich sprichwörtlich jeder sein. Dieser Part der Geschichte zieht sich zwar durch den gesamten Film, doch es sind vor allem die Figuren und die sie zum Leben erweckenden Schauspieler, die hier den größten Schauwerte liefern. Charlie Hunnam (King Arthur) ist als Hauptfigur Waldo in fast jeder Szene zu sehen und es ist eine Freude, ihm bzw. seiner Figur zuzusehen.

Egal ob es nun seine eigenständige Art ist, seine menschlichen Defizite oder wie er aufblüht, wenn er genau weiß, was er zu tun hat, das ist schon ein Kerl, den man interessant
findet, weil er eben kein eindimensionaler Charakter ist. Mel Gibson setzt seine Serie von spielfreudigen Auftritten fort (wie zuletzt bei Dangerous) und packt als alternder Filmstar, der zu viel trinkt und zu schnellen Wutausbrüchen neigt, eine gehörige Portion Selbstironie in seine Performance.

Morena Baccarin (Greenland) hat zwar nur wenig Screentime, doch aus der holt sie das Meiste heraus. Als Lorena ist sie genau die Art von verspielter, verführerischer Lady, die – wenn du dich mit ihr beschäftigst – dich sicherlich in einen Schlamassel hinein führen wird. Dennoch kann man ihr natürlich kaum widerstehen. Rupert Friend (Hitman: Agent 47) als Wilson ist perfekt als exzentrischer Firmenboss und Lucy Fry (Bright) ist stark als die Kindergärtnerin, die natürlich nicht so harmlos ist, wie sie zunächst erscheint.

Ja das ist insgesamt schon eine recht unterhaltsame (dabei im Prinzip immer harmlose) Sache und genau das will der Film auch erreichen. Ich würde mir weitere Abenteuer mit Waldo sicherlich ansehen, einfach auch weil dabei sehr unterschiedliche Szenarien und auch Genres möglich wären, weil der gute Waldo, eben nicht so leicht einzuordnen ist. Die Spielfreude aller Beteiligten erledigt den Rest. Klein und fein, genau so muss das sein.

„Last Looks“ bekommt von mir 7/10 den richtigen Typ für den richtigen Job findende Empfehlungspunkte.


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