Scream (2022 Filmkritik)

Es ist wieder soweit. In Woodsboro wird eine junge Frau (Jenna Ortega) von einem Mann in ihrem Haus überfallen und niedergestochen. Das führt dazu, dass ihre Schwester Sam (Melissa Barrera) mit ihrem Freund Richie (Jack Quaid) zurück in die Stadt kommt. Da der Einbrecher eine Ghostface-Maske getragen hat ist relativ rasch klar, dass sie Hilfe brauchen und sie wenden sich an den einzigen, noch in Woodsboro verbliebenen Original-Überlebenden: Dewey Riley (David Arquette). Der sieht es als seine Verpflichtung, die anderen zu warnen wegzubleiben. Sidney (Neve Campbell) versucht sich daran zu halten. Gale (Courteney Cox) wittert allerdings wieder eine Story.

Und die Morde gehen weiter. Und wie es aussieht haben alle Toten eine Verbindung zur Vergangenheit … von Sam.

Ich fand schon den vierten Teil unnötig und nicht gut. Und jetzt gibt es einen fünften. Toll. Aber – und das ist ein großes Aber – dieser Teil ist wieder um eine ganze Ecke besser als der Vorgänger. Sicher, auch Teil 5, der als „Re-quel“ tituliert wird, ist kein Klassiker der Filmgeschichte, aber er macht eine ganze Menge an Sachen richtig.

Zum einen hat David Arquette wieder mehr zu tun und er ist klar das Highlight des Films. Mit Abstand. Dann folgt Jenna Ortega („The Babysitter: Killer Queen„), die zwar nicht besonders viel zu tun hat, aber das was sie zu tun hat macht sie richtig gut. Hauptdarstellerin Melissa Barrera („In The Heights“) fand ich allerdings nicht besonders gut. Sie hatte ein paar Momente, in denen ich ihr glaubte, was sie spielte, aber die waren eher … nun, selten.

Jack Quaid („Rampage„, „The Hunger Games: Catching Fire„) allerdings ist großartig. Und zwar in jeder Emotion, die er spielt. Er genießt es sichtlich, die Person zu sein, die in einer fremden Stadt ist, mit „Stab“ (die Film im Film-Version der Scream-Reihe) wenig anfangen kann. Der restliche Cast macht seine Sache richtig gut, bis auf die beiden „alten Damen“ aus den Vorteilen. Die spielen dermaßen auf Autopilot oder Overacting, dass es fast peinlich ist. Fand ich eher unterwältigend. Und ehrlich gesagt hätte ich sie auch nicht im Film gebraucht (ganz anders David Arquette).

Sicher, der Film hat seine Momente, hauptsächlich im Meta-Humor (zum Beispiel gibt es „Stab 8“, gedreht von Rian Johnson und die Fans hassen den Film, weil er sich so weit von dem entfernt, was „Stab“ sein sollte – fühlt sich jemand an Star Wars 8 erinnert?), aber auch so kommt immer wieder Spannung auf. Auch wenn ich nicht mag, was sie mit den Hautfiguren aus 1 bis 3 angestellt haben, so muss ich zugeben, dass ein großer Teil des neuen Casts durchaus sympathisch ist und es ein paar wirklich feine Szenen gibt.

Vor allem Jasmin Savoy Brown („The Leftovers“) als Mindy bleibt in Erinnerung (erneut: Wegen dem Meta-Humor), auch wenn es natürlich ziemlich aufs Auge gedrückt ist, dass sie mit Randy, dem alle Filmregeln kennenden Nerd aus den ersten Teilen, verwandt ist. Aber gut, ihr Wissen ist vermutlich genetisch bedingt. Und auch erwähnt gehört Mikey Madison („Once Upon A Time … In Hollywood“), die als beste Freundin von Tara (Jenna Ortega) und Stab-Fan eine schräge, aber coole Rolle hat und diese auch super spielt.

Die Morde sind weniger geworden, was ich gut finde, und man bricht mit ein paar der Regeln, die man in den ersten vier Teilen aufgestellt hat, was ich auch gut finde. Allerdings ist der Film um eine ganze Ecke brutaler als die anderen Teile und das finde ich insofern weniger gut, weil es einfach unnötig ist und es für mich auch nicht unbedingt zu den Charakteren passt. Warum muss man zeigen, wie jemand durch den Hals gestochen wird und dann an der Tür nach unten rutscht, während Ghostface ein paar Zentimeter vor seinem Gesicht der Person beim Sterben zusieht? Unnötig. Auch wenn ich gestehen muss, dass es mir den Film nicht kaputt gemacht hat, so wie das zum Beispiel bei „Saw III“ der Fall war. So brutal ist es dann doch nicht.

Ein paar der Morde treffen emotional wirklich ins Herz (sozusagen) und die anderen sind spannend inszeniert. Die Frage, wer dahinter steckt ist relativ rasch beantwortet, weil es ja immer noch Scream ist und es immer noch Regeln gibt, die befolgt werden.

Trotzdem unterhält dieser Teil wirklich gut und die Balance aus ernstem Slasher und augenzwinkernder Referenz an sich und andere Horrorfilme ist dieses Mal besser gelungen. Genial zum Beispiel die Szene als jemand in den Keller Bier holen geht und dann folgt dort unten ein Dialog. Der war genial.

Alles in allem ein Beitrag zur Serie, der sicher einer der besseren der fünf Filme ist. Zum Thema „Re-Quel“ kann ich nur sagen: Ein Film, der nach den anderen Filmen spielt, einen neuen Hauptcast hat, aber die alten Figuren zurückbringt, damit es eine logische und organische Verbindung mit den alten Teilen gibt. Wird auch im Film erklärt. Wie ohnehin sehr viel im Film erklärt wird.

Ein paar Schnitte waren nicht besonders gut, ein paar schauspielerische Leistungen (manche Betonungen von Sätzen speziell von Melissa Barrera passen meiner Meinung einfach nicht zur Situation) sind nicht besonders gut geworden, und manche Momente fand ich seltsam deplatziert, aber in Summe ist Scream 2022 eine gelungene Fortsetzung und sicher besser als Teil 3 und 4. Und das Finale ist richtig schön durchgeknallt.

Alles in allem ein würdiger Scream. Da haben die neuen Regisseure (die Wes Craven, der ja leider verstorben ist, nachgefolgt sind) Matt Bettinelli-Olpin und Tyler Gillet gemeinsam mit den Drehbuchautoren James Vanderbilt und Guy Busick wirklich gute Arbeit geleistet.

„Scream 2022“ bekommt von mir 7 von 10 möglichen, die Serie trotz neuem Team hinter der Kamera gekonnt fortführende, Punkte.


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