A Quiet Place Part II (Filmkritik)

Evelyn Abbot (Emily Blunt) verlässt mitsamt ihrer gehörlosen Tochter Regan (Millicent Simmonds), ihrem Sohn Markus (Noah Jupe) und dem Neugeborenen die Farm, die sie gemeinsam mit ihrem nun toten Mann (John Krasinski) die letzten Monate bewohnt haben. Da draußen, da wartet das Unbekannte und noch immer sind die außerirdischen, nach Geräuschen jagenden, Monster eine Bedrohung. Auch wenn Regan durch Zufall einen ihrer Schwachpunkte entdeckt hat: Rückkoppelungen bei Radiofrequenzen.

Trotzdem fliehen sie von der Farm und es dauert nicht lange, bis sie auf einen alten Bekannten aus Tagen vor der Invasion treffen: Emmet (Cillian Murphy). Der ist allerdings alles andere als begeistert auf einmal Menschen um sich zu haben, um die er sich, streng moralisch betrachtet, kümmern sollte.

Regan beschließt kurz darauf sich auf die Suche nach einer Radiostation zu begeben, die ein Lied in Dauerschleife spielt, denn ihre neu gewonnene Erkenntnis (Die Rückkoppelungs-Frequenz) könnte eine entscheidende Unterstützung im Kampf gegen die Invasoren bedeuten. Allerdings ist sie ein Kind und gehörlos, also redet Evelyn lang genug auf Emmet ein, bis der sich auf den Weg macht, um die Dame zurückzuholen. Markus kämpft währenddessen mit seinen Panikattacken, wird aber zurückgelassen, um auf das Baby aufzupassen. Evelyn hingegen geht nach draußen und sucht Medikamente, weil der Sohn (der auf das Baby aufpassen soll) verletzt ist …

Der erste „A Quiet Place“ war ein Überraschungshit und hat auch mir durchaus gefallen. Ich fand die Struktur und vor allem die kleinen Details (Aschenwege, etc.) sehr sympathisch. Technisch gemacht (Regie, Kamera, Set-Design) war er sowieso wirklih gut. Unter der Regie von Hauptdarsteller John Krasinski, der auch gemeinsam mit seiner Frau Emily Blunt, die Hauptrolle übernommen hat, war es eine spannende Erfahrung mit teilweise wirklich guten Ideen, gleichzeitig ziemlich klischeehaft und mit ein paar Logiklöchern garniert. Aber in Summe unterhaltsam.

Im Grunde kann man über Teil 2 genau das gleiche sagen, auch wenn es für mich zwei große Unterschiede gibt. Vorweg: Ich habe den ersten Teil gegen viele Angriffe verteidigt und einer dieser Kritikpunkte war, dass der Film nicht gut durchdacht ist und voll von Logiklöchern. Nun, ich stehe dazu: Der kleine Ausschnitt dieser Welt, der in Teil 1 betrachtet wurde, war für mich großteils stimmig. Auch die vielen „dummen Entscheidungen der Charaktere“ habe ich nicht so empfunden.

Und das ist der erste Unterschied für mich, denn Teil 2 ist voll von dummen Entscheidungen. Nämlich so richtig. Das hat mich in vielen Fällen einfach auch deshalb geärgert, weil es sich ein bisschen so angefühlt hat, als hätten die Macher im Nachhinein den Kritiker:innen des ersten Teils recht gegeben und mir den Mittelfinger gezeigt. Man könnte fast annehmen, die haben sich beim Drehbuch des ersten Teil echt nicht viel überlegt und hatten einfach Glück, dass es zusammengepasst hat. Der zweite Teil ist einfach … zerfranst.

Von der Tochter, die gehörlos ist und sich allein auf den Weg macht (das ist keine Frauenpower, das ist dumm) über den Sohn, den man mit dem Baby allein zurücklässt, der Mutter, die sich allein aufmacht, um Medikamente zu finden (aber Zeit hat, das Grab des anderen Sohns zu besuchen, etc) ist das alles reichlich … mager. Wirklich mager. Da ist auf der einen Seite zu viel drin und auf der anderen nichts davon so richtig ausgearbeitet. Ganz abgesehen davon, dass die Monster hier eigentlich keine große Gefahr mehr darstellen und im Dutzend erlegt werden. Außer, es passt nicht ins Drehbuch, denn dann räumt ein Monster schon mal eine halbe Kleinstadt leer. Der Film ist einfach nicht stimmig.

Dass man dann plötzlich einen Kult einfügt, eine Insel der Seligen und eine weitere Schwäche der Monster, ist dann schon nebensächlich, weil es eh schon egal ist. Bitte nicht falsch verstehen: Regisseur Krasinksi schafft es, spannende Situationen zu erzeugen, die wirklich gelungen sind. Sie passieren nur in einem Kontext, den man schwer ernst nehmen kann. Auch der Beginn des Films (man kann sagen, die besten zwei Actionszenen im Film passieren in den ersten Minuten) sind vermutlich nur deshalb drin, weil man coole Szenenfür den Trailer haben wollte, denn für die Handlung sind sie völlig, aber völlig irrelevant. Es gibt eine Gebärdensprach-Geste, die Emmett (der in den ersten Minuten mehr oder weniger „vorgestellt“ wird) von Regan beigebracht wird, die später wichtig ist, aber all das (und Emmett an sich) hätte man auch anders und vielleicht handlungsrelevanter in die Story einführen können. Wobei ich es immer toll finde, wenn ich Cillian Murphy („28 Days Later„, „Batman Begins„) in ein einem Film sehe. Der Mann hat einfach eine ziemlich starke Präsenz, wie ich finde.

Emily Blunt ist eine coole Frau und eine Präsenz, so wie in jedem ihrer Filme („Edge Of Tomorrow„, „Sicario„, „Lachsfischen in Yemen“) und auch die Kids geben sich per se keine Blöße. Wozu man John Krasinskis Charakter nochmals einbauen musste, verstehe ich auch nicht.

Und das Ende, werte Leute, das Ende ist im Prinzip genau wie in Teil 1. Sicher, es sind hier zwei andere, die abdrücken bzw. das Monster bezwingen, aber im Grunde endet der Film wie Teil 1: Die Angst konnte überwunden werden, man kann sich endlich wehren und es deutet sich etwas „Großes“ an. Aber ganz ehrlich: Das hatten wir am Ende von Teil 1 auch schon und gekommen ist … das hier. Also meine Erwartungshaltung an einen dritten Teil ist sehr, sehr niedrig.

„A Quiet Place Part II“ bekommt von mir 5,5 von 10 möglichen, aufgrund seiner Schauspieler:innen und Inszenierung funktionierende, aber trotzdem aufgrund des Drehbuchs untergehende, Punkte.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.