Fear Street: Part 1 – 1994 (Filmkritik)

Deena (Kiana Madeira) hat keine gute Zeit. Erst die Trennung von der Liebe ihres Lebens Samantha (Olivia Scott Welch) und dann auch noch Morde. Aber sie ist mehr oder weniger daran gewöhnt, denn sie lebt in Shadyside, der Nachbarstadt von Sunnyvale, und dort geht alles immer mehr oder weniger den Bach runter. Nicht umsonst ist Shadyside als „Killer Hauptstadt der USA“ bekannt.

Grund für diese Serie an Gewaltverbrechen, welche die Stadt seit Jahrhunderten immer wieder in Atem hält, ist angeblich der Fluch einer Hexe, der irgendwann im 17. Jahrhundert seinen Anfang nahm. Und dieses Mal trifft es eben Deena und ihre Freunde, denn bei einem „Unfall“ kommt die Gruppe leider in Kontakt mit dem Übernatürlichen und ab dann hat es die Hexe scheinbar auf sie abgesehen.

Da kann auch der lokale Sheriff Goode (Ashley Zukerman) nicht viel tun, denn wenn übernatürliche Killer umgehen, dann hat man halt ein riesengroßes Problem am Hals …

Es ist schon mutig, wenn man gleich mal mit einer Trilogie anfängt. Im Regelfall ist es ja so, dass zuerst der erste Teil gemacht wird und man wartet, ob dieser erfolgreich ist und dann macht man weitere Teile (also große Marken á la Star Wars jetzt mal ausgenommen). Im Fall von „Fear Street“ (welche lose auf der Buchreihe von R. L. Sine basieren) hat man gleich von Anfang an alle drei Teile gedreht und dann im Wochenrythmus über Netflix dem Publikum präsentiert. Und ich muss sagen: Das Ding ist wirklich gut geworden. Alle Achtung.

Leigh Janiak, deren Erstwerk „Honeymoon“ ich ganz okay, wenn auch mit Luft nach oben, fand, hat hier die Regie übernommen und auch gleich am Drehbuch mitgeschrieben. Und – ich habe schon alle drei Teile gesehen – ich muss gestehen, ich bin überrascht, wie gut die Sache funktioniert und als ich am Ende von Teil 3 wusste, was passiert, da hat das rückblickend sogar den ersten Teil noch ein wenig aufgewertet.

Nicht, dass das per se notwendig wäre, weil ich ihn ohnehin ziemlich gut fand, denn „Fear Street Teil 1“ ist zwar grundsätzlich ein Slasher, aber er spielt nach anderen Regeln als andere Slasher. Sicher, die Zutaten sind die gleichen, aber sie sind anders gemischt als sonst. So gibt es einige Momente, in denen ich nicht mit dem gerechnet habe, was passiert ist und auch die Personen/Charaktere, die den Film nicht überleben, nun … das waren für mich ein paar Überraschungen dabei. Und der Bodycount ist übrigens hoch. Ziemlich hoch sogar.

Der Einstieg gibt dabei das Muster vor: Netten Menschen, die man ziemlich rasch einordnen kann und auch mag, passieren schlimme Sachen. Und zwar auf ziemlich direkte und brutale Art und Weise, das muss ich auch gleich festhalten. „Fear Street“ ist nichts für schwache Nerven und teilweise schon richtig hart. Da sieht man schon mal, wie ein Kopf durch eine Brotschneidemaschine gedrückt wird. Inklusive dem Ergebnis. Also definitiv nichts für Kinder. Auch weil die Soundeffekte wirklich, wirklich gut gemacht sind und jedes Mal wenn ein Messer auf … Körper … trifft … bin ich zusammengezuckt.

Aber was viel wichtiger ist: Die Charaktere. Die sind einfach toll und die mag man einfach. Das sind keine Abziehbilder, sondern das sind Figuren mit Ideen, mit Eigenschaften und mit eigenen Lebensplänen. Die mag man ziemlich rasch ziemlich alle. Auch deshalb, weil sie keine Dummköpfe sind, sondern im Rahmen dessen, was rund um sie passiert sogar ziemlich intelligent und nachvollziehbar agieren (falls wieder jemand meckern will: Die Figuren wissen nicht, dass sie in einem Horrorfilm mitspielen, werte Leute). Auch die Liebesgeschichte zwischen Deena und Sam ist als Herz des Films absolut glaubwürdig und nachvollziehbar und wirkt weder aufs Auge gedrückt noch „Wir müssen das machen, weil wir 2021 haben“. Es ist einfach stimmig und es macht tatsächlich genau keinen Unterschied, dass die beiden Liebenden Frauen sind. Schade, dass man das überhaupt erwähnen muss, aber hey – in solch einer Welt leben wir nunmal. Jedenfalls wünscht man (oder frau, haha) ihnen (so wie jedem authentischen Pärchen) einfach, dass sie das gemeinsam hinbekommen.

Die Optik des Films (und der Soundtrack) passen super in die Zeit (auch wenn nicht alle Songs im Jahre 1994 schon veröffentlich waren, aber auch da für die Meckernden: Es gibt nen Unterschied zwischen Song am Soundtrack und Songs, welche die Kids „in ihrer Zeit“ hören). Und ganz ehrlich: was juckt es mich, wann der Song in den 90igern rauskam. Es ist einfach super so viele gute Musik auf einem Soundtrack gepackt zu hören.

Wirklich auch vorteilhaft ist der Verzicht auf jede Form von „Meta-Ebenen“-Humor. Der Humor ist da, aber selten und wenn dann auf die Situation bezogen in welcher die Figuren sind. Es wird sich niemals über ihre Situation lustig gemacht. Der Film nimmt sich in seiner Geschichte ernst und wird auch so präsentiert. Allein das ist schon erfrischend und schraubt die Spannung gekonnt nach oben, weil man eben nicht versucht cleverer als sein Publikum zu sein.

Der gesamte Cast ist ziemlich unbekannt (Ausnahme Gillian Jacobs, die hier aber primär als Stimme am Telefon vorkommt) und richtig spielfreudig. Da merkt man schon, dass die gespürt haben, dass dies hier ein Karrieresprungbrett sein kann und ich würde mich wundern, wenn man von einigen der Mitwirkenden in Zukunft nicht mehr sehen würde. So erfüllen manche Charaktere klar ein paar Klischees (Deenas Bruder Josh, gespielt von Benjamin Flores Jr., der den Nerd-Sidekick gibt, dabei aber nie nervig wird, oder Deenas Freunde Kate, gespielt von Julia Rehwald, und Simon, gespielt von Fred Hechinger, die beide Drogen verticken, und quasi die „Kiffer“ des Films sind, dabei aber nie hirnlos und dumm dargestellt werden, sondern sogar im Gegenteil. Was Kate zum Beispiel gegen Ende für Aktionen setzt – wow, sag ich nur).

Auch die Optik mit all ihren Neonfarben find ich sehr gelungen und passend. Es wird einfach in den meisten Fällen die absolut richtige Farbstimmung und Atmosphäre getroffen. Also in Summe ein wirklich stimmiger Auftakt, der mit einer ziemlichen Härte daherkommt, sich nicht entschuldigt und sich, seine Figuren und damit auch ihr Ende absolut ernst nimmt. Keine magischen Rückkehrer:innen in dieser Trilogie, werte Leute. Wer gestorben ist bleibt tot.

Alles in allem ist dieser Auftakt ein mutiger, spannender, unterhaltsamer Slasher (auch wenn es dann mehr als nur das wird) und ist als Beginn einer Trilogie erstaunlich in sich geschlossen und wirklich gut gemacht. Kleiner Spoiler: Alle drei Teile sind wirklich gut geworden.

„Fear Street: Part 1 – 1994“ bekommt von mir 8,5 von 10, sich und seine Figuren wirklich ernstnehmende, Punkte.


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