Rogue Hostage (Filmkritik)

Ex-Marine Kyle Snowden (Tyrese Gibson) hat es nicht leicht. Nach einer Tragödie gezeichnet von seinen Kriegserlebnissen und ohne Vorwarnung verlassen von der Mutter seiner Tochter, hält er sich mit Hilfe von Alkohol mehr schlecht als recht über Wasser. Dabei sind die Erziehung seiner Tochter und seine Arbeit als Beschützer von Kindern beim Jugendamt, seine fixen Pfeiler, warum er die Kraft hat weiter zu machen.

Eines Tages landet er mit seiner Kollegin und einem gerade von seinem zu Hause befreiten Jungen in einem Einkaufszentrum, wo sein Schwiegervater und Politiker Sam Nelson (John Malkovich), gerade eine Rede hält. Plötzlich stürmen drei bewaffnete Männer das Gebäude und nehmen alle Anwesenden als Geiseln. Sie sind schwer bewaffnet und ihr Anführer trägt eine explosive Weste. Wird Kyle sein Selbstmitleid überwinden, sich an seine Fähigkeiten erinnern und den Tag retten?

Regisseur Jon Keeyes (The Harrowing) ist schon seit vielen Jahren im Geschäft. Scheinbar wollte er aktuell eine Low Budget „Stirb Langsam“ in einem Kaufhaus Variante drehen, die so wirkt, als wäre sie für das Fernsehen produziert worden. Und Produzent Tyrese Gibson wollte wohl mit seiner Action-Hauptrolle wieder mal einen Versuch starten, ob er nicht nur als Sidekick im Fast and Furious Franchise funktioniert, sondern auch das Zeug hat, einen Film alleine zu tragen.

Auf eine leicht masochistische „das hätte man doch trotz des geringen Budgets viel besser machen können“ Art, ist die Sache dann sogar etwas unterhaltsam geworden, auch wenn beide gerade genannten Männer, mit ihren Vorhaben (im Fall der Regie nur teilweise) gescheitert sind. Zuerst mal ein wenig Kritik auf der Metaebene. Ja, John Malkovich (Code Ava) ist nicht mehr der Jüngste und ja, manchmal will man ohne künstlerischen Anspruch einfach nur Geld verdienen, schon klar.

Was er hier abzieht, ist jedoch peinlich, da er eigentlich nur ständig gelangweilt wirkt, während ansatzweise leichte Spuren von Emotionen auf seinem Gesicht erkennbar sind. Ganz abgesehen davon, dass er gegen Ende so unsympathisch und arrogant wirkt, dass das so überhaupt nicht zu seiner Rolle des liebevollen Opas passt. Aber ja, daran ist wohl auch das Drehbuch schuld. Dann hätten wir da Action-Star Michael Jai White (Welcome to Sudden Death) als seinen Bodyguard.

Warum er diese Rolle angenommen hat? Wohl um einmal mit Malkovich spielen zu dürfen, denn er hat so richtig gar nichts zu tun. Damit meine ich vor allem das nicht existente Kämpfen, nicht einmal schießen darf er. Warum ist schon klar, damit der mit Martial Arts so gar keine Erfahrung besitzende Tyrese, als Held im Vergleich dann nicht um einiges schlechter aussieht. Also Malkovich will nicht und White darf nicht, so viel zu verschenktem Potential.

Ihr seht sicherlich bereits, wie sehr mich die Handlung hinein gezogen hat, denn darüber habe ich schon während des Filmes nachgedacht. Ich war dennoch aufmerksam, denn als Kyle hier einen Bösewicht beseitigt, trifft er später einen Verbündeten. Sie stellen fest, dass Kyle nur mehr eine Kugel in seiner Pistole hat. Der gerade erledigte Schurke, hatte jedoch ein Maschinengewehr dabei und nein, Kyle musste nach seinem Sieg nicht abrupt flüchten, der hatte alle Zeit der Welt, um diese mit zu nehmen.

Hat das beim Filmen keiner bemerkt oder noch schlimmer, war es allen egal? Im Prinzip ist es das auch, denn Kyle hat sich wohl an seine Gegner angepasst, die ständig Ausgangssituationen verschenken, in denen sie klar überlegen wären. In Black and Blue fand ich Tyrese Gibson zuletzt stark, doch sein Kyle wirkt passend zum Rest des Filmes, von den Emotionen her viel zu gewollt. Mein Highlight hier ist Holly Taylor (The Witch Files) als Diebin Mikki „sticky fingers“, die zunächst wie ein nerviger Teenager wirkt, dann jedoch immer wieder Sachen macht, die mich zum Schmunzeln brachten.

Bei unseren Jahresrückblicken am Blog warne ich ja auch immer vor Filmen (meist aus dem Action oder Horror Bereich), die ich besonders schlimm finde. Rogue Hostage gehört da (knapp) nicht dazu, einfach weil ich mich (im Gegensatz zu Vanquish) nicht geärgert habe, sondern mein ungläubiges Kopfschütteln mich zu einer gewissen „guilty pleasure“ Sicht der Dinge geführt hat. Dennoch, jeder der hier Beteiligten die ich schon kannte, kann es um einiges besser, als das hier Gezeigte.

„Rogue Hostage“ bekommt von mir 4/10 die Geiseln so überhaupt nicht im Griff habende Empfehlungspunkte.


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