Run (Filmkritik)

Chloe (Kiera Allen) sitzt im Rollstuhl mit so ziemlich allen Krankheiten, die man haben kann und noch ein wenig mehr sogar. Jetzt ist sie kurz davor aufs College zu gehen, was ihre Mutter Diane (Sarah Paulson) sehr toll findet, denn trotz ihrer Krankheiten und Einschränkungen ist Chloe ein hochintelligentes und einfach tolles Mädchen.

Probleme tauchen jedoch auf als Chloe eines Tages durch Zufall den Einkauf ihrer Mutter durchsucht und eine Packung Tabletten findet, die wie ihre Medikation aussehen, aber auf den Namen ihrer Mutter ausgestellt wurden. Sie spricht ihre Mutter darauf an, aber die Erklärung ist seltsam: Chloe habe sich getäuscht. Da würde ganz klar Chloe draustehen.

Als Chloe später die Medikamente nochmals betrachtet stimmt das: Sie sind für Chloe. Aber etwas daran ist seltsam. Und je mehr Chloe nachdenkt, desto seltsamer findet sie das Verhalten ihrer Mutter …

Nach „Searching“ ist „Run“ der zweite Langspielfilm für den Aneesh Chaganty das Drehbuch verfasst und auch gleich die Regie übernommen hat. „Searching“ habe ich nicht gesehen, kann mich aber daran erinnern, dass ich damals den Trailer gesehen und mir gedacht habe, dass er interessant aussieht. Muss ich mal nachholen.

Und die Tatsache, dass ich mir das denke lässt durchaus schon Rückschlüsse auf die Qualität von „Run“ zu, denn wenn dieser kompletter Mist wäre, dann würde mich der Vorgängerfilm ja nicht interessieren. Es sei denn, ich würde gerne wissen wollen, wie schlimm der Vorgängerfilm ist, was man mir ja durchaus zutrauen könnte.

Aber – ich gebe hiermit offiziell Entwarnung kann sagen, dass „Run“, obwohl er von der Story her genau nichts Neues bietet und er ziemlich genau so läuft, wie man es erwartet, trotzdem unerwartet spannend geworden ist. Und das liegt an ein paar Zutaten, die wirklich gut gemischt sind.

Da haben gleich mal das Offensichtliche: Die Schauspielerinnen. Sarah Paulson als besorgte Mutter ist eine Wucht und ihre Blicke, Gestik, Körperhaltung … das hat schon was Schräges. Ziemlich in der Mitte zwischen Horror und Zuneigung. Das muss man erstmal so hinbekommen.

Das wirkliche Highlight ist allerdings Kiera Allen, die sich als Glücksgriff für den Film herausstellt. Das liegt einerseits daran, dass ihre Mimik ein Traum ist und zum anderen absolut daran, dass die Gute eine Rollstuhlfahrerin nicht nur spielt, sondern tatsächlich selbst Rollstuhlfahrerin ist. Und ich finde, das merkt man dem Film extrem positiv an. Weniger in der schauspielerischen Leistung, sondern einfach daran, wie in völlig banalen Alltagsdingen Spannung erzeugt wird oder auf welche Ideen Chloe kommt, um Informationen zu beschaffen. Da gibt es tatsächlich eine Menge Szenen, die man in solch einem Film noch nie gesehen hat.

Ich will nichts spoilern, aber so vorhersehbar die Story an sich verläuft und so viele Fragen sich auftun (… wieso passiert es erst so spät, dass Chloe überhaupt auf die Idee kommt, dass da etwas Seltsames passiert?), so toll sind einzelne Szenen allein schon aufgrund ihrer Idee. Ich kann und will jetzt nicht spoilern, aber ich finde wirklich, das Drehbuch-Duo Sev Ohaninan, der mit Aneesh gemeinsam auch „Searching“ verfasst hat, hat hier ganze Arbeit geleistet und ich denke, ich lehne mich nicht zu sehr aus dem Fenster, wenn ich behaupte, dass Kiera Allen da durchaus ein paar Punkte und Ideen eingebracht hat.

Alles in allem kann ich nur sagen: Mir hat „Run“ wirklich gut gefallen. Der Film hatte in meinen Augen nicht das riesengroße Potential, aber ich bin echt beeindruckt was da alles an Ideen rausgeholt wurde. Und ja, es gibt Logiklöcher (ist mir in diesem Fall egal), aber wenn mir jemand kommt mit „Eine Rollstuhlfahrerin schafft das nie“, dann kann ich nur lachen und sagen: „Ich denke, das weiß die Rollstuhlfahrerin besser als du.“

„Run“ bekommt von mir 8,5 von 10 mögliche, eine alte Geschichte mit neuen Ideen anreichernde, Punkte.

PS: Finde nur ich den Titel ironisch?


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