Orphan: First Kill (Filmkritik)

Leena (Isabelle Fuhrmann) lebt in einer Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher in Estland. Aber sie will raus, also kommt sie auch raus. Und sie landet in Amerika, weil dort ein Kind namens Esther Albright vermisst wird.

Ihre Eltern sind extrem überrascht, dass sie wieder da ist, aber die Freude überwiegt und Esther wird wieder in die Familie aufgenommen. Mit dabei der ältere Bruder Gunnar (Matthew Finlan), ihre Mutter Tricia (Julia Stiles) und Vater Allan (Rossif Sutherland).

Und Esther, denkt sie wird ein leichtes Spiel haben, aber sie irrt sich. Nicht nur hat es ein Polizist (Hiro Kanagawa) bereits auf sie abgesehen, nein, es gibt noch ganz andere Gründe, warum sie auf der Hut sein sollte …

Wieder einmal haben wir den Fall einer Fortsetzung (oder besser: eines Prequels), auf welche niemand gewartet hat. Ich fand den ersten Orphan ja wirklich, wirklich gut. Da hat für mich alles gepasst. Nichts davon neu, aber alles spannend und der Twist war irre und wo weit draußen, dass ich mir sicher bin, dass den niemand kommen gesehen hat. Ich auch nicht. Und – hui, hat das wieder mal gut getan. Und natürlich war der Cast auch ein Hammer, allen voran natürlich Isabelle Fuhrmann als Esther.

Und jetzt haben wir hier eine Fortsetzung (ja, ich weiß: nochmals: ein Prequel). Das Spannende, wenn man mal nur auf die Umstände der Herstellung des Films blickt, dabei ist ja, dass Isabelle Fuhrmann mittlerweile doch ein „wenig“ älter ist, als sie es damals war. Trotzdem hat man bei diesem Film hier darauf verzichtet, sie digital zu verjüngen. Hier passiert alles mit Maske, Body-Doubles und Kameraperspektiven. Und tja, es funktioniert. Es funktioniert sogar super.

Auch das Team hinter diesem Film ist quasi ein ganz Neues. Das Drehbuch hat dieses Mal David Coggeshall geschrieben, der bis jetzt eher bei Serien („Desire“, „Watch Over Me“ oder „Scream“) geschrieben hat. Und er hat wirklich gute Arbeit geleistet, denn nach einem kurzen Einstieg in den Film, der in der Klinik spielt, in welcher Leena/Esther als Patientin lebt (oder besser: gehalten wird) zeigt gleich mal, wozu die junge Dame fähig ist. Und wenn sie dann in Amerika gelandet ist, dann spielt sich vieles sehr ähnlich ab wie im ersten Teil. Bis … es nicht mehr ähnlich ist.

Ja, es gibt in der Mitte des Films einen Twist, der nicht ganz unerwartet ist, aber eine spannende neue Dynamik mit hineinbringt. Wer „Don’t Breathe 2“ gesehen hat, der oder die weiß ja, dass es durchaus funktionieren kann, wenn man dem Bösewicht aus Teil 1 in der Fortsetzung einfach jemand entgegenstellt, der/die noch irrer und böser ist und dadurch den ehemals Bösen als irgendwie „Guten“ dastehen lässt.

Nun, so extrem ist es hier nicht, aber dennoch ist klar Leena/Esther die Hauptfigur. Im Vorteil war es noch Vera Farmiga als Mutter, welche klar die Hauptrolle spielte und auch wenn die Familie rund um (ich bleib jetzt einfach bei diesem Namen) Esther hier auch eine grundlegende und wichtige Rolle spielt, so ist es klar Esthers Film.

Wie gehabt ist auch hier bei diesem Teil nichts was man sieht wirklich neu und gerade das Finale ist jetzt nicht so großartig geworden wie man vielleicht gehofft hat, aber das ändert nichts daran, dass der Film spannend ist und (was ich als coolen Bonus sehe), ein paar von Esthers Gewohnheiten und Ideen werden hier aufgegriffen und mehr oder weniger erklärt, woher diese kommen.

Der Cast ist gut gewählt, Julia Stiles als Mutter, die für ihre Familie alles tun würde, bleibt positiv hängen, Matthew Finlan macht als der … nicht freundliche gesinnte Bruder eine passende Figur und leider fällt nur Rossif Sutherlands Allan ein wenig ab, denn der ist einfach nur nett. Ein absolut sympathischer, netter Kerl. Das macht er super, aber in einem Film wie diesem halt ein bisschen wenig.

Regisseur William Brent Bell hat absolut dazugelernt (vielleicht umgibt er sich einfach auch nur mit besseren Drehbuchschreiber:innen als zuvor) und nach dem schlimmen „Stay Alive“ und den beiden „The Boy“-Teilen (noch keinen gesehen) ist das hier grundsolide Arbeit. Auch wenn ich gestehen muss, dass das Bild teilweise seltsam flach ist und die Locations auf ein Minimum reduziert wurden. Passt aber und ist stimmig.

Alles in allem: Wenn es auf diesem Niveau weitergeht, dann hätte ich persönlich auch nichts gegen einen weiteren Teil.


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