The Reckoning (Filmkritik)

London, zu Zeiten der großen Plage in der zweiten Hälfte des 16ten Jahrhunderts. Grace (Charlotte Kirk) ist verzweifelt, denn vor kurzem hat sich ihr an der Pest erkrankter Mann Joseph (Joe Anderson) selbst das Leben genommen und seitdem sieht sie ihn immer wieder in ihren Tagträumen. Als hätte sie so nicht schon genug Sorgen, muss sie sich neben ihrem Baby, auch noch mit finanziellen Nöten herum schlagen.

Da sie jedoch eine starke Persönlichkeit ist und sich sich gegen die Avancen des Besitzers ihres Grundstückes wehrt, wird sie kurz darauf gefangen genommen. Ihr soll wegen Hexerei der Prozess gemacht werden und damit sie auch ja gesteht, dass sie eine Hexe ist, wird extra John Moorcroft (Sean Pertwee) eingeladen. Er ist ein Mann der Kirche und nach seinen „Befragungs-Methoden“, hat sich bis jetzt noch jede Frau der Hexerei schuldig bekannt.

Ich mochte Regisseur Neill Marshall schon immer sehr gerne. Im Jahr 2002 lernte ich ihn mit Dog Soldiers kennen, es folgte The Descent, Doomsday und Centurion. Zuletzt wurde die Comicverfilmung Hellboy: Call of Darkness nicht gerade positiv aufgenommen. Laut Interview hat er dafür die Einmischung des Studios verantwortlich gemacht und The Reckoning sei nun wieder ein echter Marshall.

Sollte das stimmen, dann finde ich es sehr schade, denn dies ist für mich eindeutig sein schwächster Film. Also furchtbar schlecht geht anders, aber meine Erwartungshaltung bei ihm ist einfach immer über dem Durchschnitt, aber genau dieses berühmte Mittelmaß bekommt man hier. Als Hintergrundwissen schadet es dabei nicht wenn man weiß, dass Charlotte Kirk bereits mit mehreren hohen Tieren in Hollywood Affären hatte und auch einige von ihnen damit karrieretechnisch zu Fall gebracht hat.

Nun hat sie sich eben Neill Marshall geangelt, die Hauptrolle in seinem Film bekommen, am Drehbuch mitgeschrieben und mit produziert. Das erwähne ich deshalb, weil man die Idee hinter dem Film viel klarer sieht, wenn man die Umstände der Entstehung kennt. Dies ist nämlich klar ein Vehikel, um Kirk als Leading Lady zu etablieren. Und – Überraschung – auch in Marshalls nächsten Film soll sie wieder dabei sein. Dabei will er dafür zu seinen Wurzeln zurück kehren, mal sehen ob das klappt.

So, nun aber endlich zum Film selbst. Frauen als Schuldige an der Pest darzustellen, damit die Schuldigen an der Krankheit gefunden sind und das Volk weiß, wen es dafür hassen muss. So weit so klar. Was jedoch nie aufgeklärt wird, ist ob der Dämon aka Teufel, der Grace immer wieder besucht und sie verführen will, echt ist, oder sich alles nur in ihrem Kopf abspielt. Es gibt am Ende nämlich auch eine Szene, wo man den Dämon sieht und dies klar nicht aus der Sicht von Grace.

Heißt das nun Hexen gab/gibt es wirklich, wenn sie dem Dämon nachgegeben haben? Wurden die dann zurecht verbannt? Warum sind dann alle Damen im Film offensichtlich unschuldig und Opfer der bösen Männer? Falls ihr euch nun wundert: ja, alle Männer sind hier Schweine oder Feiglinge, nur der Junge noch nicht, bei dem ist das böse Männergen wohl noch nicht ganz entwickelt. Was ist hier dann die Botschaft? Vielleicht soll der dämonische Besuch aber auch nur die paar Nacktszenen von Kirk möglich machen, immerhin muss man seine Frau ja gekonnt in Szene setzen (seht ihr, der Film sorgt selbst für Ironie, die muss man gar nicht erst suchen).

Was Kirk dann alles aushält, soll sicher ein Statement sein gegen die unterdrückenden Männer. Hat eigentlich schon Jemand erwähnt, dass Kirk wirklich stark ist und eine klare Leading Lady? Also wie normal sie gehen kann, welche Kraft sie hat und wie gepflegt sie aussieht nach den ekelhaften Foltermethoden (die man zum Glück kaum sieht), das ist schon eine eigene Kunst. Aber vielleicht ist sie ja doch eine Hexe – eine zauberhafte eben, wie bei Charmed – und hat sich selber geheilt.

Sorry, aber wenn ich so bissig dahin schreibe dann merke ich, dass der Film viel besser funktioniert, wenn man ihn nicht ernst nimmt. Das wiederum bin ich von Marshall nicht gewohnt und darum habe ich ihn nicht so angesehen. Atmosphärisch ist das Gesamtprodukt (nicht durchgehend) ganz stimmig, dafür hat vor allem Sean Pertwee (The Seasoning House), den Marshall schon mehrmals bei seinen Filmen dabei hatte, sichtlich seine Freude an der Rolle des feigen, manipulativen und selbstgerechten Mannes, der die Macht der Kirche hinter sich hat.

Insgesamt daher ein Film, der mich einfach nie richtig hinein gezogen hat und ich beim Betrachten viel zu viel Zeit hatte, über diverse Verbindungen auf der Metaebene nachzudenken. Vor allem für Fans von Pertwee zu empfehlen und auch wenn man es bisher nicht heraus lesen konnte, auch Kirk macht ihre Sache recht ordentlich. Trotz alledem wirkt dies alles etwas gebremst, also „Marshall light“ sozusagen und ist an mehreren Stellen nicht ganz stimmig. Hoffe der Regisseur ist bei seinem nächsten Werk, wieder voll bei der Sache.

„The Reckoning“ bekommt von mir 5/10 eine stimmiges Abenteuer als unmögliche Hexerei erkennende Empfehlungspunkte.


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