A Clockwork Orange (Filmkritik)

Alex (Malcolm McDowell) ist ein Droog. Er hängt gern in der Moloko-Bar ab und liebt Beethovens Neunte Symphonie. Außerdem ist er ein Rebell, zumindest sieht er sich so.

Was er tatsächlich ist (und mit ihm seine Droogs): Ein Vergewaltiger, Mörder und ein schlechter Mensch. Aber er kommt damit nicht durch, wird festgenommen und in eine Rehabilitatsionsprogramm gesteckt, welches ihm gegen seinen Willen dazu zwingt, böse Taten zu unterlassen.

Und damit beginnt Alex‘ Reise zur Erlösung … oder auch nicht …

Was soll man zu so einem Klassiker groß sagen? Vielleicht fange ich mit einer Anekdote an: Als ich vor vielen Jahren des nachts Ferngesehen habe, da lief „A Clockwork Orange“. Und ich bin hängengeblieben. Ich hatte das Buch gelesen, auch den Film schon gesehen, aber es war halt ein langweiliger Abend. Dann kam die Werbepause (damals hat man ja noch wirklich ferngesehen). Sie kam nach der Szene in welcher Alex und seine Jungs eine Frau vergewaltigen und einen riesengroßen Steinpenis … zweckentfremden. Und gleich danach kam der Werbeblock. Und zeigte fünf Minuten lange Werbung für Sexhotlines.

Das kann man jetzt ironisch finden oder seltsam oder passend, weil es ja angeblich Menschen gibt, die sich an solchen Filmen und Szenen erregt zeigen und vielleicht dachten die Verantwortlichen ja, dass man so „inneren Stress“ der Zuseher (ich verzichte bewusst auf das *innen) abbauen kann.

Und ich finde diese Anekdote passend für den Film, denn ich liebe das Buch. Ich finde es großartig, vor allem mit dem in meinen Augen absolut passendem und perfekten Ende. Wie endet das Buch, wollt ihr wissen? Nun, anders als der Film. Im Buch gibt es noch ein Kapitel bzw. einen Epilog, der Alex zeigt, der seiner eigenen Eskapaden müde ist. Der nachdenklicher wirkt. Der meint, es wäre Zeit das alles hinter sich zu lassen und vielleicht eine Familie zu gründen. Ein guter Mensch zu werden. Aus freien Stücken, ohne Zwang.

Und darum geht es für mich in „A Clockwork Orange“. Die Gegenüberstellung von „Zwang“ und „freien Willen“. Darum dreht sich (erneut: für mich) alles. Und das Ende hatte für mich eine großartige Wirkung, weil Burgess (der Autor) für mich ein klares Statement abliefert: Niemand kann gezwungen werden, ein guter Mensch zu werden. Das muss aus freien Stücken passieren und manchmal braucht es eben seine Zeit. Klingt pathetisch und kitschig, sicher. Kann man auch gern mal bei einem Bier diskutieren. Mir hat das Buch in vielerlei Hinsicht (auch in Bezug auf meine Arbeit im Sozialbereich) ziemlich viele Augen geöffnet und tatsächlich meinen Denkansatz verändert.

Der Film tut das nicht. Der Film lässt das Ende weg. Und ich verstehe, warum. Ich verstehe, dass der Film eine andere Message haben will und diese auch, wie ich denke, sehr gut transportiert. Der Film endet (Vorsicht: Spoiler!) so, dass Alex wieder der alte Kriminelle ist. Dieses Mal jedoch mit dem Segen des Systems und der Politik. Er wird für die Behandlung entschädigt, die ihm widerfahren ist und alles sind happy. Hier wird klar eine Politik angegriffen, der vor allem eines wichtig ist: Populismus und sich selbst schadlos halten. Die Konsequenzen sind egal.

Das ist aber nicht Grund, warum ich den Film nicht mag. Ich mag ihn nicht, weil er kalt, steril und langsam ist und mich tatsächlich nicht berührt. Allerdings geht es mir mit vielen Filmen von Kubrick so (ich weiß, ein Sakrileg!). Einer der wenigen Filme von ihm, den ich grandios finde ist „Full Metal Jacket“. Ich bin auch kein großer Fan von „2001“. Ich fand den Nachfolger „2010“ um vieles besser. Übrigens kann ich alle(!) Bücher dieser Reihe („2061: Odysee III“ und „3001: The Final Odysee“)von Arthur C. Clarke empfehlen, aber das nur am Rande.

Kurz gefasst: Ein Kultfilm, der unter anderem Malcolm McDowell zu Starruhm verholfen hat und sicher Cineasten und Art-House-Fans anspricht. Und über die Bildkomposition, die Kameraführung und alle technischen Aspekte, brauchen wir nicht zu reden: Für die damalige Zeit ist das alles 1A.

„A Clockwork Orange“ bekommt von mir höchstpersönlich subjektive 7 von 10, inszenatorisch schlecht gealterte, Punkte.


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