Underwater (Filmkritik)

Kepler 822 ist eine Bohreinrichtung, ein Forschungseinrichtung am Boden des Marianengraben. Norah (Kristen Stewart) ist gerade aufgestanden und putzt sich die Zähne, als sie komische Geräusche wahrnimmt. Plötzlich kollabieren die Gänge und die Wassermassen strömen herein. Norah kann sich in letzter Sekunde noch retten und stößt auf fünf weitere Überlebende.

Captain Lucien (Vincent Cassel) schlägt schließlich vor, mit speziellen Anzügen das Gebäude zu verlassen, da hier alle Rettungskapseln bereits versendet wurden. Gemeinsam macht man sich trotz Zweifeln aus Mangel an Alternativen schließlich auf, doch irgendetwas stimmt nicht. Die Katastrophe wurde durch kein Erdbeben ausgelöst und irgendwie werden die sechs Menschen das Gefühl nicht los, beobachtet zu werden.

Es gibt so Filme, die will man im Vorfeld schon gerne haben. Es gibt auch Filme, bei denen kann man nach der Sichtung nicht genau sagen, was exakt gefehlt hat, da es viel zu loben gibt. „Underwater“, der neue Film von Regisseur William Eubank (The Signal), ist für mich genau so ein Abenteuer gewesen. Er ist übrigens der letzte Film, der noch das Fox von 20th Century Fox im Titel trägt, bevor Disney die Firma kaufte und den Fuchs mit „Studios“ ersetzte und es wurde kein krönender Abschluss, da er seine Kosten von 50 Millionen Dollar nicht wieder einspielen konnte.

Ich fange dann auch sofort mit den positiven Dingen an. Gleich zu Beginn, da geht es richtig los. Wenige Minuten nach dem Vorspann, ist man gemeinsam mit den Hauptfiguren gefangen. Man fühlt sich beengt, eingesperrt, die gesamte Atmosphäre ist erdrückend, beängstigend, den Atem raubend. Das zieht sich schön durch das gesamte Abenteuer und man hat mehr als einmal keine Hoffnung mehr und erwartet, dass hier Niemand mehr lebend heraus kommt.

Zweitens die technische Ebene. Die Settings sind sehr dunkel und häufig unter Wasser, doch man sieht immer ausreichend, um sich auszukennen und sich zu verkrampfen, wenn wieder ein Schatten vorbei huscht. Auch das „Unterwasser-Gefühl“ ist glaubhaft, ich habe nie daran gezweifelt, dass man hier ohne Atemgerät sofort ertrinkt, würde einen der Druck nicht schon vorher töten. Und die Kreaturen? Wenn man das Alpha-Wesen auf H. P. Lovecraft’s Cthulhu basieren lässt, dann kann man eigentlich Nichts falsch machen (außer man will etwas Neues schaffen, dann wäre man gescheitert).

Drittens sind die Darsteller allesamt fesselnd in ihren Rollen. Für Kristen Stewart tut es mir besonders leid, denn dies ist der nächste Flop nach Charlie´s Angels und dort wie hier ist sie schauspielerisch gesehen eines der Highlights, nur kommerziell funktioniert es irgendwie nicht für sie. Als Norah ist bei ihr von Anfang an der Druck sichtbar, den die Situation auf sie auslöst, doch sie macht dennoch immer weiter. Irgendwie ist sie einerseits distanziert und dennoch ihren Kollegen näher, als man es erahnen würde.

Jessica Henwick (Iron Fist) als Emily ist eine super Ergänzung zu Stewarts Charakter, da sie ihre Gefühle viel direkter, ohne Filter heraus lässt, dabei jedoch nie nervig wirkt und man sich richtig freut, wie sie in einigen Momenten über sich hinaus wächst. T.J. Miller (Deadpool) ist der Charakter, der für die Lacher sorgt und Vincent Cassel (Jason Bourne) der immer ruhig agierende Captain und bei beiden ist man sich irgendwie sicher, dass sie die Sache nicht überleben werden.

Was fehlt dann hier genau? Nun man wird trotz der spannenden Inszenierung irgendwie ständig an ähnliche Filme erinnert. Zusätzlich fühlt man sich (wohl auch wegen dem nicht leicht greifbaren Setting) etwas distanziert, also man ist als Zuschauer immer Beobachter und emotional nie mitten drin. Die eindeutige Entscheidung hin zum Creature Feature wird dann doch erst ziemlich am Ende getroffen und das ist dann wiederum so krass, dass einige wohl geistig aussteigen werden.

Insgesamt ist dies ein gut ausgestattetes, intensiv gespieltes und atmosphärisch starkes Abenteuer, dass – abgesehen von Jump Scares – die Hoffnung auf einige Überraschungen wachsen lässt, dies jedoch dann nicht erfüllen kann. Gut und solide ist das ohne Zweifel, aber mitreissend nur in wenigen Sequenzen. Was haben wir jedoch auf jeden Fall gelernt? Manche Dinge sollte man einfach ruhen lassen und die Neugierde des Menschen zu befriedigen, sollte nicht immer das höchste Ziel sein.

„Underwater“ bekommt von mir 6/10 beim nächsten Ausflug zum Meer auf den ausgedehnten Tauchgang verzichtende Empfehlungspunkte.


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