Iron Fist – Staffel 1 (Serienkritik)

Danny Rand (Finn Jones), der 15 Jahre lang für tot gehalten wurde, taucht eines Tages in New York auf, weil er beschlossen hat, sein rechtmäßiges Erbe anzutreten. Da haben jedoch allerhand Leute ein Wörtchen mitzureden, oder gar etwas dagegen. Dazu gehören unter anderem seine Kindheitsfreunde Joy (Jessica Stroup) und Ward (Tom Pelphrey)…

Marvel steht ja grundsätzlich für solide, gleichbleibende Qualität. Dabei können viele meist erfolgreiche Filme überzeugen und auch die Fernsehserien können bisher durch durchdachte Stories, ein realistisch anmutendes Setting und authentisch wirkende Helden punkten. Mit „Iron Fist“ geht diese Zeit leider zu Ende, denn dieses Werk ist meiner Meinung nach die bisher schlechteste Serie aus dem Hause Marvel und Netflix.

Nachdem „Iron Fist“ mich durch einen gelungenen Trailer überzeugen konnte, ignorierte ich die kritischen Stimmen im Internet, die der Serie schlechte Qualität bezeugten. Leider hatten diese Stimmen Recht und sehr schnell war es sogar so weit, dass ich mich zum weiter Sehen überwinden musste, weil mich die Serie nicht zu fesseln vermochte.

Fangen wir einfach mal mit der titelgebenden „Iron Fist“ an. Diese mystische Waffe sieht schlecht gemacht aus und ist in der Serie (13 Folgen) insgesamt nicht einmal 5 Minuten zu sehen. Vielleicht ging ihnen einfach die Kohle aus, denn die Liste an Ausreden, die Danny von sich gibt, warum er die Waffe gerade nicht einsetzen kann, ist gefühlt ellenlang.

Von der Waffe können wir gleich zu Danny und seinem Kampfstil per se übergehen. Die Stunts sehen zu 99% schlecht gemacht aus und man fragt sich beim Sehen unweigerlich, was hier wohl schief gegangen ist. Finn Jones, der Danny Rand spielt, hatte, wie er in einem Interview sagte, oft nur 15 Minuten Zeit um komplexe Kampf-Choreografien zu lernen und das sieht man deutlich. Danny ist laut eigenen Angaben Kung Fu Meister und hat alle anderen Mitschüler besiegt um Iron Fist werden zu können.

Da muss man sich fast fragen, was für ein müder Haufen in K’un-Lun herum läuft, wenn ein Kämpfer wie Danny der Beste der Besten ist. Warum man es sich nicht leicht gemacht hat und einen Weißen gecastet hat, der Erfahrung in Martial Arts hat, kann ich hier nicht verstehen, denn seine mangelnde Übung lässt sich selbst durch „kreative“ Kameraeinstellungen und Schnitte nicht kaschieren.

Apropos Kamera. Schon lange nicht mehr habe ich einen so extensiven Einsatz von der von mir viel geliebten Wackelkamera gesehen. Selbst in Szenen, in denen nur 3 Personen ruhig in einem Raum stehen, wackelt die Kamera leicht umher. Fast hat man das Gefühl, die Drehorte wären von konstanten, leichten Erdbeben heimgesucht worden (oder der Kameramann war besoffen).

Lachhaft ist nebenbei erwähnt auch, dass Hauptdarsteller Finn Jones als Grund für die mangelnde Begeisterung die Schuld auf die Wahl von Präsident Trump geschoben hat. Auch ich habe erst mal die Stirn ob dieser Äußerung gerunzelt. Er meint allen Ernstes, dass man wegen dem aktuellen Präsidenten der USA keine Sympathie für reiche, weiße Charaktere im Marvel Universum empfinden würde. Eine wahrhaft bestechende Logik!

Finn Jones (Game of Thrones) als Danny Rand hat hier einen sehr undankbaren Job. Als Aushängeschild dieser Serie bekommt er für alle Fehler der Serie Schuld, was ich aber unfair finde. Er leidet hier unter der überhasteten Produktion der Serie. Weiters ist es kaum zu glauben, was für Worte ab und zu seinen Mund verlassen, denn die Drehbücher sind stellenweise echt unterirdisch und schon lange nicht mehr habe ich so viel, aber aus den falschen Gründen gelacht. Dafür kann allerdings ein Schauspieler meiner Meinung nach nichts, wenn ein Drehbuch-Autor sein Bestes gibt, ihn dumm dastehen zu lassen. Er wirkt in seltenen halbwegs ernst zu nehmenden Szenen durchaus charismatisch und daher ist es einfach schade, dass er hier nicht die Möglichkeit hat, sich gut zu präsentieren.

Man will den Zusehern ja glaubhaft machen Danny Rand wäre ein intelligenter Mann, dieser Eindruck wird aber sofort dadurch zerstört, dass er es ernsthaft 3 oder 4 Folgen lang nicht schafft, zu beweisen, dass er tatsächlich der 15 Jahre lang verschollene Danny Rand ist. Anstatt sich durch eine Äußerung à la „Kannst du dich noch erinnern, das haben wir … gemeinsam gemacht“, verlässt er sich darauf, dass 2 ehemalige Kinderfreunde ihn als Erwachsenen erkennen und ihn sofort in ihre Mitte aufnehmen, nachdem sie ihn jahrelang tot geglaubt haben. Ich hätte ihn wohl ebenfalls als erstes in die Klapse stecken lassen.

David Wenham (Lion) als Harold Meachum ist eines der Highlights der Serie. Es scheint, er ist sich der schlechten Qualität der Serie bewusst und versucht einfach das Beste aus der Sache zu machen und hat dabei einen Heidenspaß. Klar ist eine subtile Performance etwas anderes und es ist dank seiner einschüchternden Präsenz von Anfang an klar, was man von Harold zu erwarten hat.

Joy und Ward Meachum werden von Tom Pelphrey (Banshee) und Jessica Stroup (The Following) gespielt. Als Geschwister Duo und knallharte Geschäftsleute können die beiden absolut überzeugen. Vor allem Pelphrey hat gegen Ende der Staffel die Möglichkeit sein Talent spielen zu lassen.

Ein weiterer Lichtblick ist die Performance von Jessica Henwick (Star Wars: The Force Awakens), die Colleen Wing spielt. Ihre Kampfszenen sind mit die besten der ganzen Serie. Ihre Liebe zu Danny kommt allerdings aus dem Nichts, was es dann wieder schwer macht, diesen Charakter ernst zu nehmen.

Fazit: Im Vergleich zu Serien wie „Jessica Jones“ oder „Daredevil“ stinkt „Iron Fist“ gewaltig ab und hat Probleme auf mehreren Fronten. Ich bin mehr als gespannt, wie sich der Charakter in dem Cross-Over „The Defenders“ machen wird und wie er sich in das Team einfügen kann.

Diese Serie bekommt von mir 3,5/10 enttäuschte Punkte.


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