Der Tag, an dem die Erde stillstand – The Day the Earth Stood Still (2008 Filmkritik)

Eines Tages passiert es: Aliens landen auf der Erde. Eine große, seltsame Kugel (und viele weitere kleine im Rest der Welt) landet in New York. Darin? Seltsame bunte Wolken. Es dürfte sich wohl um ein Raumschiff handeln. Als das Alien aus dem Raumschiff tritt reagiert die USA wie sie bei allem reagiert. Sie knallen es über den Haufen. Immerhin bringen sie das Alien gleich in den OP und wider Erwarten kann das Alien gerettet werden – primär indem es sich häutet. Darunter kommt ein Mensch zum Vorschein und dieser warnt die Erde: Er ist gekommen, um die Erde zu retten. Dummerweise besteht diese Rettung darin, das Virus Mensch von ihrem Antlitz zu tilgen.

Auftritt alleinerziehende Mutter mit Stiefsohn: Sie ist Forscherin und findet rasch Kontakt zu dem Alien, welches sich – wie die US Army schmerzhaft feststellen muss – nicht allein hier befindet. Aus der Kugel, dem UFO, steigt ein riesiger Gigant, der nicht zu verletzen ist, der aber alles in seinem Weg, wenn er denn wollte, hinwegfegen könnte. Er wartet nur auf das Kommando …

Ein Remake von einem Kultfilm muss nicht unbedingt frische Ideen mitbringen, keineswegs. Der neue Film muss in erster Linie besser aussehen und er darf auf keinen Fall schlechter sein als das Erstlingswerk, sonst ist es ja ziemlich sinnlos.

Eigentlich könnte ich hier zum Schreiben aufhören, denn „Der Tag, an dem die Erde stillstand“ ist genau die Art von Film, die man erwartet. Grandiose (und teilweise peinlich schlechte) Spezialeffekte und dazu einen Keanu Reeves, der als emotionsloses Alien gecastet wurde (bestes Casting ever!). Das war es dann auch schon.

Ach? Mehr Info erwünscht? Na gut – dann bitte. Ich fasse mich kurz: Jennifer Connelly (die ich interessanterweise in meinem Kopf als positiv abgespeichert hatte, aber nicht mehr wusste, warum) gibt die Alleinerziehende, die sich um ihren Stiefsohn kümmert zwar nicht schlecht, aber wenn man den Sohn länger als zehn Minuten miterlebt, dann fragt man sich unweigerlich, warum sie ihn nicht einfach ins nächstbeste Waisenhaus gebracht hat. Das ist vielleicht ein nerviges Kind. Connelly macht, was sie macht und kämpft mit ihrem Filmsohn genauso wie mit den Dialogen im Drehbuch. Und sie gewinnt nur selten.

Kathy Bates – die eigentlich immer gut ist – kann man hier in den Wind schießen. Sie spielt nicht schlecht und man glaubt ihr die Rolle auch, nur ist die so unsympathisch, dass man sich wünscht, der außerirdische Vernichter würde sie gleich mal einpacken.

John Cleese, der immer(!) super ist, hat einen Miniauftritt, der großartig beginnt, super weitergeht und dramatisch schlecht endet („Convince him by being you.“). Schade. Weil wir gerade bei schade sind: Keanu Reeves. Das perfekte Casting und dann dieses Drehbuch. Da hat jemand wirklich Mist gebaut. So richtig. Keanu wirkt eh immer ein wenig als wäre er nicht von dieser Welt, aber die platten Phrasen, die man ihm später in den Mund legt … nein, das geht gar nicht. Beispiel: „Now I see you have another side!“ Würg.

Vom Drehbuch mag ich jetzt gar nicht anfangen – da sind einfach zu viele peinliche Szenen und Logiklöcher drin. Ich würde es sogar umdrehen – da ist ein wenig Drehbuch um das große Loch, wo die Logik hätte sein sollen. Beispiele? Wie haben die in zwei Stunden die Anlagen auf für den außerirdischen Riesen gebaut? Wieso zerlegt die Todeswolke ein Stadion, aber die Brücke bleibt stehen? Wieso wird ein völlig irrelevanter Mensch wiederbelebt, wenn die Welt eh untergehen soll? Wieso kommt der kleine A***h mit allem durch was er macht und niemand versohlt ihm mal ordentlich den Hintern? Warum führt man einen Atomschlag durch, wenn man weiß, es bringt eh nix? Warum sind in einer Kugel Tintenfische zu sehen (die ist nicht im Ozean)? Warum wird jeder Mist fünf Mal erklärt, obwohl man eh sieht was passiert?
*durchatmen*

Aber die größte Frage ist für mich: Wer verdammt noch mal hat den kleinen Jacob (Jaden Smith) ins Drehbuch geschrieben? Da ist der ja der Kleine aus dem „Babadook“ noch harmlos. Der konnte zumindest nichts dafür. Aber diese Göre da im Film … puh. Hätte sich der Charakter von Connelly mitten im Film zu Keanu umgedreht und gesagt: „Weißt du was? Zerstör die Erde. Mach, dass es endlich aufhört, weil nichts ist schlimmer als DAS!“ und dabei auf Jaden Smith gezeigt, ich hätte es verstanden.

Vielleicht ist es aber genau das: Trotz der Nervigkeit liebt ihn seine Stiefmutter. Und deshalb sieht das Alien: Ach, wir können ja doch auch anders. Würde es nicht den Alien geben, der seit Jahren unter uns lebt und der Keanu GENAU. DAS. AM. ANFANG. DES. FILM. SAGT. Aaaaargh.

Da ist, denke ich, das erste Mal, dass ich bei einem Film einen Urlaut als Zeichen meines Frust nutze. Das sagt ja jetzt doch schon einiges aus.

Was ich nicht verstehe: Wieso Jaden Smith nach diesem Film noch irgendwo eine Rolle bekommen hat. Seine Rolle ist nicht nur nervig, er spielt noch dazu schlecht.

„The Day The Earth Stood Still“ bekommt von mir 4 von 10 möglichen, und diese nur aufgrund der großteils gelungenen Spezialeffekte und Keanu Reeves, Punkte.


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