Another Earth (Filmkritik)

In jener Nacht, in der unerwartet eine zweite Erde – ein genaues Spiegelbild unserer Welt – am Himmel auftaucht, verursacht Rhoda (Brit Marling) einen Autounfall. Sie überlebt, aber im Auto gegenüber saß eine jungen Familie. Frau, Mann, Kind. Nur der Mann überlebt. Rhoda kommt ins Gefängnis. Jahre später ist sie wieder frei. Ihre ehemals geplante Laufbahn (Studium) ist Geschichte, sie schlägt sich mit Nebenjobs durch. Eines Tages beschließt sie, sich ihrem Fehler zu stellen und besucht John, dessen Familie sie auf dem Gewissen hat. Aber sie bringt es nicht übers Herz, ihm zu erzählen, wer sie ist – aber sie kann ihn überzeugen, dass er sie als Putzfrau anstellt.

Gleichzeitig stellt sich heraus, dass auf der „zweiten Erde“, die Entwicklung parallel zu dieser Erde verlaufen ist. Bis zu jenem Abend, an dem die beiden Erden sich gegenseitig entdeckt haben. Da hat die parallele Entwicklung sich verzweigt. An jenem Abend, an dem Rhoda Johns Auto gerammt hat …

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Mike Cahill. Ein Name, den ich mir merken werde. Er hat das Drehbuch gemeinsam mit der Hauptdarstellerin Brit Marling („Sound Of My Voice“) geschrieben und bei „Another Earth“ auch die Regie geführt. Seine einzige Arbeit vorher war eine Dokumentation mit dem Titel „Boxers And Ballerinas“. Was er aber mit „Another Earth“ gemacht hat, das kann ich nur mit großem Respekt begutachten. Die Regie ist routiniert und das Drehbuch kompakt, ohne eine Szene zu viel. Action kommt so gut wie überhaupt nicht vor, aber die emotionalen Szenen zwischen den Charakteren sind dafür sehr mitreissend und vor allem – es sind Charaktere, die einem nicht egal sind.

Das liegt am sehr sensiblen Drehbuch, das die Entwicklung und das Leben von Rhoda nach dem Unfall sehr gut einfängt. Auch die Sehnsucht, die sie nach der anderen Erde, der Möglichkeit eines anderen Lebens ohne den Unfall und seine Folgen hat, ist sehr gut eingefangen. Auch die stillen Momente, die sie mit John lassen die Zuseher mitfühlen. Die sich langsam entwickelnden (natürlich keineswegs unerwarteten) Emotionen und Gefühle zwischen den beiden sind, obwohl man sie bereits mehrmals ähnlich in anderen Filmen gesehen hat, keineswegs langweilig, sondern sehr intensiv. Wenig Sprache, viel bedeutende (kleine) Gesten, denen der Film auch gebührend Raum gibt. Berührend.

Das wiederum liegt an den wirklich super gecasteten Schauspielern. Allen voran Brit Marling, die Rhoda nicht spielt, sondern die Rhoda ist. Verwundet, vom Leben geschlagen, doch immer am Ball bleibend und nie aufgebend. Zufrieden, aber mit der Sehnsucht nach mehr, wissend, dass dies nicht geschehen kann. An ihrer Seite ist William Mapother (Ethan aus „Lost“) als John zu finden, der ebenfalls grandios spielt. Allein die Szene der Annäherung der beiden beim „Wii“-Spiel ist super anzusehen. Auch er spielt den zerbrochenen Mann, der nach und nach wieder zu sich selbst findet, wirklich, wirklich gut.

Es ist schwer zu beschreiben, was „Another Earth“ für ein Film ist. Er handelt von Reue, von Traumata, von Hoffnung, von Tod, von Liebe, von Hass, von Schuld, von Sühne, von der unendlichen Option auf Hoffnung, Veränderung und es ist eine in Bildern eingefangene Frage danach, was uns einzigartig macht und wie kurze Momente unser Leben verändern können.

Ich möchte ohnehin nicht zu viel verraten, denn am besten man sieht sich den Film ohne Erwartungshaltung an und lässt sich einfach darauf ein. Nur eine Frage, die ich stellen möchte: Wenn ihr euch selbst treffen könntet, was würdet ihr euch sagen?

„Another Earth“ bekommt von mir 8 von 10 möglichen, sehnsüchtig auf ein anderes Leben spekulierende, Punkten.

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