Gänsehaut-Momente: Mass Effect – Sovereign

Man kann der „Mass Effect„-Reihe viel vorwerfen – „Rollenspiel light“, man kann den Ausgang der gesamten Story nicht ändern (ich bin immer noch der Meinung: In diesem Fall ist der Weg das Ziel), die Rollenspiel-Anteile wurden Stück für Stück zurückgefahren, der Bau des „Human Reapers“ ergibt keinen Sinn und wird auch nicht näher erklärt (glaube ich) und was auch sonst noch so kommen mag.

Was man dem ersten Teil aber nicht vorwerfen kann ist ein Mangel an ikonischen Momenten und einen schlecht inszenierten Gegenspieler. So denkt man eine Zeitlang, man würde Sarien Arterius bekämpfen, einen abtrünnigen „Spectre“ (Weltraum-James-Bond mit der Lizenz zum Töten) – zumindest bis man ihn zum ersten Mal tatsächlich trifft.

Die Verfolgungsjagd von Sarien führt uns durch diverse Welten auf verschiene Planeten und immer wieder tauchten etwas namens „Sovereign“ auf von dem man zuerst denkt, es würde sich dabei um den Namen von Sarens Raumschiff handelt. Ein Ding, das aussieht wie ein großes Insekt und irgendwie eklig. Trotz Metall und ohne Schleim wirkt das Teil aber auf seine ganze eigene Art bedrohlich.

Jetzt folgen SPOILER.

Nach dem ersten Zusammentreffen mit Saren erzählt er von den „Reapern“ und seiner Motivation. Denn die „Reaper“ kommen. Sie werden alles Leben vernichten und niemand kann sie stoppen. Nur sich mit ihnen zu verbünden kann zu einem Teil das Überleben sichern. Als Sklave. Als Halb-Maschine. Aber immerhin am Leben.

Klar, dass Shepard das anders sieht und je nachdem, wie vorgegangen wurde, pustet man Saren im Finale den Kopf von den Schultern, oder er nimmt sich selbst das Leben als er endlich kapiert, dass sein Gehirn gewaschen wurde und er nur eine Puppe war. Eine Puppe von Sovereign, mit der/dem man bereits Kontakt hatte. Ein Gespräch über ein Interkom welches zwar verdammt viel „Exposition“ liefert, aber gleichzeitig auch verdammt gut belegt, wie die „Reaper“ den Rest des Universums sehen.

Mit einem Wort: Unnötig.

Problem bei der Sache ist, dass a) niemand glaubt, dass es sie gibt und b) es laut Sovereign verdammt viele von ihnen gibt. Denn Sovereign ist nur der Wegbereiter. Der Schlüssel zum Tor, welche die Raumstation Citadel darstellt und – wie man herausfindet – im Grunde nichts anderes darstellt als eine Falle der Reaper. Alle Alienrassen haben ihren Sitz auf der Citadel und die Geschicke des Universums werden von dort gelenkt. Also sowas wie die UNO (wenn die noch irgendwas auf der Welt lenken würde).

Und genau dasi st die Falle. Denn die Citadel ist da Tor, welches die anderen Reaper rasch nachholen kann. Und die Sovereign ist der Schlüssel. Und sie/er hat vor, dieses Tor zu öffnen, koste es was es wolle.

Nach der Schlacht gegen den/die Sovereign hat man eine Idee davon, was passieren wird, wenn es mehr von diesen Dingern gibt, denn allein diesen einen Reaper zu stoppen bringt unzählige Verluste und die gesamte Raumflotte versagt fast dabei.

Wenn da noch mehr davon kommen … dann Gute Nacht.

Sovereign ist weit mehr als nur ein Raumschiff. Weit mehr als nur ein Bösewicht. Und weit mehr als nur ein Finalkampf.

Sovereign ist die Demonstration dessen, was da auf uns zukommt. Es ist der Inbegriff der Angst, denn im Gefecht mit ihm/ihr (das grandios inszeniert ist) erkennt man rasch das wahre Ausmaß der Bedrohung. Die Erkenntnis ist einfach: Wir haben keine Chance. Nicht den Hauch einer Chance.

Zu diesem Zeitpunkt weiß man bereits, dass Mass Effect eine Trilogie werden wird und – oh, Mann, was hat man da sofort Lust auf mehr. Die Art und Weise, wie das Finale vonstatten geht, wie schwer es ist ihn/sie zu besiegen und wie knapp alles ausgeht … ich muss heute noch schlucken, wenn ich an das Ende von „Mass Effect 2“ denke, welches eine ganze Flotte von Reapern zeigt, die in Richtung Erde aufbrechen, denn ich weiß – dank dem Kampf gegen Sovereign – was passieren wird.

Alle Völker des Universums müssen zusammenhalten, um auch nur den Hauch einer Chance zu haben.
Und uns läuft die Zeit davon, um sie davon zu überzeugen.
Was für ein (Alb)Traum.


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