Speak (Filmkritik)

Melinda Sordino (Kirsten Stewart) kommt nach den Sommerferien zurück in die Schule. Alle meiden sie. Sie wird beschimpft. Sie wird verspottet und niemand kann sich so recht mit ihr anfreunden. Sie trifft mehrere Mädchen, die sie als ihre ehemaligen Freundinnen bezeichnet, aber sie wird eigentlich nur angefeindet. Die Leute schauen sie böse an und grunzen ihr hinterher.

Also beschließt Melinda, der Welt mit Schweigen zu begegnen. Sie lässt die anderen reden, zieht sich zurück, wird immer unscheinbarer. Grund für die Anfeindungen ist eine Party am Ende des letzten Schuljahres. Die Party war illegal und Melinda hat die Polizei gerufen, wodurch viele, viele SchülerInnen Probleme bekommen haben.

Was die anderen aber nicht wissen: Melinda wurde auf dieser Feier von einem Schulkollegen vergewaltigt. Aus Panik und in Schock hat sie die Polizei gerufen, bekam dann aber Angst und ist geflohen. Und nun kann sie sich niemanden anvertrauen. Sie schafft es nicht, darüber zu sprechen.

Aber dann beginnt ihre ehemals beste Freundin mit ihrem Vergewaltiger auf Dates zu gehen und Melinda muss sich die Frage stellen, ob es nicht – wenn schon nicht um ihretwillen, dann um ihrer Freundin Willen – besser wäre, doch etwas zu sagen …

Ja, da ist Kirsten Stewart in einer frühen Rolle. Der Film wurde 2004 gedreht, also lange vor dem ganzen „Twilight„-Mist und man kann von „Twilight“ halten was man will (mich juckt es genau gar nicht), so muss man dennoch festhalten, dass es für Kirsten Stewart schauspielerisch (das kann man schon in den Trailern sehen) ein großer Schritt nach unten war. Herausforderung: Tendenz Null.

Da ist es umso spannender einen Film wie „Speak“ zu sehen, der ein verdammt ernstes Thema behandelt, auf einem erfolgreichen Buch basiert und von einer Frau (Jessica Sharzer) mit Gefühl verfilmt wurde. Da kann ja so gut wie gar nichts schiefgehen. Und wie (fast) immer, wenn ich eine Kritik mit diesen Worten beginne, kann man sich darauf einstellen, dass einiges schief ging.

Zuerst mal vorweg: Kirsten Stewart spielt super. Ihre Melinda auf der Party – ein witziges, fröhliches Mädchen – glaubt man ihr genauso, wie man ihr die spätere Melinda – ruhig, zurückhaltend, wenig sprechend – glaubt. Diese beiden sehr unterschiedlichen Pole spielt sie problemlos.

Auch Charaktergesicht Steve Zahn, der ihren Kunstlehrer Mr. Freeman, spielt macht seine Sache toll – generell ist der Cast eigentlich wirklich gut getroffen. Was ich allerdings anmerken muss: Der Film war für mich nur auf Deutsch verfügbar, was bedeutet, ich musste mit der deutschen Tonspur vorlieb nehmen und – Himmel hilf! Ich weiß nicht, welche Stimmung der englische Film verbreitet, theoretisch könnte er in Richtung „Virgin Suicides“ gehen, aber hier – das fühlte sich wie ein zweiter Teil von „Clueless“ an. Echt jetzt.

Das muss man sich mal vorstellen: Ein Film über die emotionalen Nachbeben einer Vergewaltigung und darüber den Kraft und den Willen zu finden, darüber zu sprechen und endlich den Mund aufzumachen und der Film fühlt sich locker und unbeschwert wie „Clueless“ an. Das muss man erst mal schaffen. Nur … warum sollte man das wollen? Eben. Sollte man nicht.

Und das ist das große Manko an dem Film (wie gesagt: Ich kann nicht für die englische Version sprechen), aber wenn ich jetzt zB nur an das Finale denke, in welchem der Vergewaltiger ein paar Drohungen von sich gibt. Da kam mir glatt das Lachen aus. Sowas von lächerlich hab ich schon lange nicht mehr gehört.

Zu keiner Zeit fühlt man die Schwere, die Melinda umgibt. Den Kampf in ihr bekommt man so gut wie gar nicht mit und immer wieder macht sie dazwischen Witze (wenn auch sehr sarkastisch). Die Aufgabe, die sie von ihrem Kunstlehrer am Anfang des Jahres bekommt (die sich als schicksalshaft herausstellt) – nun, die heilt sie natürlich. Sie zieht die Aufgabe einen Baum zu zeichnen. Uuuuh. Schicksal. Denn natürlich spielt ein Baum eine große Rolle in der ganzen Sache. Die Auflösung was es dann eben mit diesem Baum auf sich hat ist genauso aufs Auge gedrückt wie die Namen der handelnden Personen: „Sordino“ bedeutet „stumm“. Ihr Kunstlehrer, der sie befreit, heißt: „Freeman“. Und so weiter. Erinnerungen an „Club der toten Dichter“ kommen hoch, gehen aber gleich wieder unter, weil der eine Film emotional mitreißt und der andere kaltlässt. Welcher welcher ist könnt ihr euch denken, nehme ich an.

Schade. Netter Versuch. Gute Schauspieler, doofes Drehbuch und die. völlig. falsche. Stimmung. für einen Film mit dieser Thematik. Fühlt sich an wie „Not Another Teen Movie“. Wirklich schade. Andererseits – vielleicht für Mädchen im Alter von 14 Jahren passend. Nur der Schluss mit dem Vergewaltiger, der war – egal wie man es dreht und wendet – peinlich und so richtig ein Griff ins Klo.

„Speak“ bekommt 5 von 10 möglichen, mehr als er ist sein wollende, Punkte.


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