Mindhunter – Staffel 1 (Serienkritik)

1977 ist Verhaltensforschung bei Kriminellen noch ziemliches Neuland. Doch Holden Ford (Jonathan Groff) und Bill Tench (Holt McCallany), ermitteln langsam aber sicher, was Verbrecher zu Verbrechern macht. Auf halben Weg stößt Dr. Wendy Carr (Anna Torv) zu ihnen…

„Mindhunter“ – nicht gerade ein kreativer Titel für eine Serie. Sofort vermutete ich hinter diesem Titel eine weitere, wenig innovative Serie wie „Criminal Minds“. Doch da der Stempel Netflix drauf steht, bin ich gleich mal neugierig geworden. Und ich bin sehr positiv überrascht von dieser Serie.

„Mindhunter“ beschäftigt sich mit verhaltensanalytischem Denken von Serienmördern, sogenanntem Profiling. 1977 steckte diese Praxis noch in den Kinderschuhen und wurde von einer Hand voll Personen mühsam entwickelt. „Mindhunter“ basiert auf der wahren Geschichte eben dieser Entwicklung und wie diese von statten ging. Das Wort basiert impliziert gleich mal, dass man davon ausgehen muss, dass der größte Teil der Serie auf Fiktion und nicht auf Fakt basiert.

Was allerdings nichts daran ändert, dass die Serie verdammt gut und spannend ist. Nicht spannend in dem Sinn, dass man die Ermittler dabei beobachtet ständig Serienmörder zu jagen. Natürlich sind Serienmörder Teil der Serie, doch „Mindhunter“ konzentriert sich zum Teil darauf, einen Einblick in das Leben dieser Kriminellen zu geben. Es wird die Frage gestellt, was macht einen Mörder zu einem Mörder. Wurden sie so geboren, oder wurden sie von ihrer Umwelt zu dem gemacht, was sie sind?

Jonathan Groff wird den meisten unter uns wohl am ehestens als Synchronstimme von Kristoff in „Frozen“ bekannt sein. Ursprünglich ist Groff ein sehr erfolgreicher Theater-Schauspieler. Als Holden Ford wirkt er oft sehr kalt und emotionslos, als ob er von der Welt keine Ahnung hätte bzw sich nicht wirklich darum schert, was sie von ihm persönlich halten. Wirklich wichtig ist ihm seine Arbeit. Man sieht, wie er immer besser darin wird, Serienmörder zu verstehen und baut sogar eine „professionelle“ Freundschaft mit Edmund Kemper auf, dem sogenannten Co-Ed-Killer.

Doch seine Arbeit sorgt dafür, dass er immer abgebrühter wird und nicht davor zurück scheut zu unkonventionellen Mitteln zu greifen, um das von ihm gewünschte Ergebnis zu produzieren. Doch so aufmerksam er in seinem professionellen Umfeld ist, so blind ist er in einem alltäglichen Leben. So fragt er seine Freundin während dem Sex sie tatsächlich einen Orgasmus hatte, oder nur vorgetäuscht hätte. Die Figur von Ford basiert auf dem realen FBI Agenten John E. Douglas.

Holt McCallany (Monster Trucks) spielt Bill Tench, den Partner von Ford. Der Mann hat ordentlich Charisma. Er liebt es Ford so richtig Kontra zu geben und tut teilweise anscheinend nichts lieber, als anderer Meinung zu sein als er. Doch wenn die beiden auf einer Wellenlänge sind, ist es faszinierend, ihnen beim Arbeiten zuzusehen. Wenn ihre Gedankengänge ineinandergreifen hat man tatsächlich das Gefühl, als würden 2 hochintelligente Menschen zum selben Schluss kommen.

Von Bill erfährt man lange nichts Persönliches. Erst nach und nach erfährt man, dass er verheiratet ist und einen Adoptiv-Sohn hat, der (meiner Meinung nach) wie ein klassischer Autist wirkt. Tench leidet darunter, dass sein Sohn nicht „normal“ ist und flüchtet sich daher schon mal auf den Golfplatz anstatt Zeit mit seinem Sohn zu verbringen. Tench basiert auf dem Leben des realen FBI-Agenten Robert R. Ressler.

Ich freute mich sehr, als ich herausfand, dass Anna Torv hier Wendy Carr spielt, muss jedoch sagen, dass ich ein wenig enttäuscht bin. Sie ist brillant, lesbisch, sehr professionell, aber ansonsten erfährt man nicht sehr viel über diese faszinierende Frau, was gleichzeitig bedeutet, dass Torv nicht viel zu tun bekommt, was ich persönlich sehr schade finde, da ich seit „Fringe“ ein großer Fan von ihr bin. Carr basiert auf Dr. Ann Wolbert Burgess, eine Frau, deren Lebenslauf wohl einen ganzen (sehr interessanten) Spielfilm füllen könnte.

Der Schwachpunkt der Serie ist meiner Meinung nach, dass sie keinen wirklichen Höhepunkt hat. Die Ermittlung am Ende der Staffel wirkt für mich nicht brisant genug, um wirklich Spannung aufkommen zu lassen. Ja, am Anfang eines Interviews sind Schimpfwörter gefallen, aber nichts Außergewöhnliches.

Fazit: Ich habe die Serie in einem Rutsch gesehen, was schon mal für sich eine Aussage ist. Wer an dem Thema Serienmörder und der Entwicklung von Profiling interessiert ist, wird hier sehr gut unterhalten werden. Das Setting, die Kostüme, Autos und das überall präsente Rauchen sorgen für ein für das Jahr 1977 authentisch wirkendes Flair.

Diese Serie bekommt von mir 8,5/10 sich verdächtig verhaltenden Punkten.


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