I Am the Pretty Thing That Lives in the House (Filmkritik)

Lily (Ruth Wilson) ist eine Hospiz-Krankenschwester, die gerade in das alte Haus der Autorin Iris Blum (Paula Prentiss) eingezogen ist, um diese in ihrer letzten Lebensphase, in allen nötigen Bereichen zu unterstützen. Schon in der ersten Nacht fallen ihre komische Geräusche auf, doch sie denkt sich nichts dabei und verrichtet weiter ihre Arbeit.

Monate später, Lily hat sich mittlerweile daran gewöhnt von Iris immer als Polly angesprochen zu werden, erfährt sie, dass diesen Namen die Hauptfigur in einem von Lily´s Büchern mit dem Namen „The Lady in the Walls“ trägt. Die Geschichte darin besagt, dass Polly (Lucy Boynton) genau in dem Haus in dem sie sich befinden, gestorben ist, dieses aber nie verlassen hat bzw. es konnte und noch einiges zu erzählen hat.

Bei seinem erst zweiten Film als Regisseur, hat Osgood Perkins einiges gleich gemacht wie bei seinem Erstlingswerk „The Blackcoat´s Daughter„. Wieder ist es eine kanadisch-amerikanische Koproduktion, das Drehbuch stammt von ihm, sein Bruder Elvis ist für die Musik zuständig und Lucy Boynton spielt ebenso wieder mit. Auch die elegische Erzählweise hat er beibehalten und das Fehlen eines echten „Payoff“-Moments am Ende, als des Höhepunkts zum Finale der Geschichte, ist hier sogar noch stärker spürbar.

Leider sind wie so oft im Leben, Übergänge fließend. In diesem Fall meine ich den von unheimlich hin zu langweilig. Ich persönlich brauche nicht ständig Action, schnelle Schnitte oder laute Musik um einen Horror-Film gut zu finden, es kommt darauf an, was man gerade sehen möchte. Es gibt eben zuviel, aber auch zu wenig. Die Trostlosigkeit, die ich von Perkins nun bereits kenne, herrscht über dem Geschehen und die Story plätschert so dahin. Ein Film kann mich ruhig mit einem traurigen, unangenehmen Gefühl zurück lassen, aber doch dann bitte weil mir die Figuren/Themen nicht egal waren, nicht weil ich nicht in die Handlung hineingesaugt wurde.

Was schade ist, denn Perkins hat es wirklich drauf, richtig gruselige Momente zu schaffen. Einer meiner Lieblingsmomente ist als Lily telefoniert, man zunächst im Stock über ihr Schritte hört und sich dann hinter ihr die Telefonschnur immer weiter spannt, ohne dass sie es bemerkt. Auch die geisterhaften Erscheinungen mit den überlagerten Bildern von Polly und die Zooms in dunkle Räume, verfehlen ihre Wirkung nicht. Allein für sich stehend funktionieren diese Szenen sehr gut, doch bringen sie die Handlung scheinbar nicht weiter.

Ein kurzes Gedankenspiel, dass ich während dem Film hatte: Was wäre, wenn ein Geist sich dir mitteilen will, damit du zum Beispiel seinen Körper findest oder den Täter erwischt, du aber ein zu großer Angsthase bist, um der Sache nach zu gehen? Hier könnt ihr dieses Szenario miterleben. Das ist dann vielleicht eine realistische menschliche Reaktion, aber nicht unbedingt eine spannende, eher schon eine frustrierende. Dass man da als Geist zu direkteren Mitteln greifen muss, ist irgendwie logisch und was dann passiert, werde ich hier nicht spoilern, aber ich bin fast versucht der Auflösung, einen gewissen Zynismus zu unterstellen.

Ruth Wilson (Lone Ranger) spielt Lily sehr menschlich, ebenso neugierig, doch irgendwie eben ziemlich schüchtern. Um Dinge die ihr Angst machen – eben auch die Romane ihrer Klientin – macht sie im Normalfall einen großen Bogen oder verdrängt seltsame Erlebnisse. Als Heldin des Filmes kann man sie auch deshalb kaum bezeichnen, weil sie einfach viel zu passiv ist. Man will aber durchaus nicht, dass ihr was Schlimmes passiert. Dass sie ihr Schicksal gleich in ihrem ersten inneren Monolog zu Beginn ausspricht, nenne ich hier einfach mal „Spannungs-Killer“.

Paula Prentiss (Die Frauen von Stepford) ist ja eine Freundin der Familie Perkins, daher ist sie nach Jahren der Leinwandabstinenz, nun als Iris zurück gekehrt. Sie wirkt verloren und verwirrt, mit einer klaren Fixierung auf Polly. Die wird von Lucy Boynton (Don´t Knock Twice) in Rückblicken als kleiner Lichtschein in dieser sehr dunklen Story gespielt, was sich innerhalb dieser Welt (auch ohne die Tatsache zu kennen, dass sie nun ein Geist ist) als klares Todesurteil erweist.

Eine minimalistische, nur in einem Haus spielende Geschichte, eine Atmosphäre, die von den gelungenen Gruselmomenten zehrt und Darsteller, die ihre Sache gut machen, jedoch laut Drehbuch gar nicht versuchen sollten, sonderlich lebendig zu wirken. Es gibt hier einige Szenen, die ich so gerne in einem mir mehr entsprechenden Film gesehen hätte, einem bei dem ich am Ende nicht das Gefühl habe, dass er nirgendwo hin führt. Schlecht an sich ist schon was anderes, ich kenne jetzt aber Niemanden, dem ich den Film klar empfehlen würde.

„I Am the Pretty Thing That Lives in the House“ bekommt von mir 5/10 sich in der eigenen Prämisse verlierende Empfehlungspunkte.


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