Cooties (Filmkritik)

Clint (Elijah Wood) hat einen neuen Job. Eigentlich ist er Autor, aber da der Erfolg (oder die Fertigstellung seines Buches) auf sich warten lässt, ist er eben Lehrer. Lucy (Alison Pill) ist ebenfalls Lehrerin an Clints Schule und die beiden verbindet eine gemeinsame Vergangenheit. Dumm, denn sie ist mit Wade (Rainn Wilson) liiert, dem Sportlehrer und einem Kotzbrocken. Der erste Schultag ist für Clint also alles andere als toll, denn die Offenbarung, dass er Autor ist hilft ihm entgegen seiner Erwartung auch nicht unbedingt dabei Respekt von seinen KollegInnen oder den SchülerInnen zu bekommen.

Aber es kommt noch schlimmer, denn eine seltsame Krankheit, bzw. ein Virus, geht an der Schule um, der die Kinder in menschenfressende Monster verwandelt, die allerdings nur auf Erwachsene losgehen …

cooties-movie

Elijah Wood dürften ja wohl wirklich alle LeserInnen kennen. Sei es aus „Herr der Ringe„, seinen älteren Filmen wie „The Faculty“ (in welchem er ebenfalls an einem Schulkampus gegen Monster kämpfen muss, damals aber noch als Schüler und unter der Regie von Robert Rodriguez und mit einem verdammt genialen Soundtrack) oder als Bösewicht aus „Sin City“, genauso wie Rollen, die er vermutlich nach „Herr der Ringe“ angenommen hat, um sein „netter Junge“-Image loszuwerden á la dem Remake von „Maniac“. Wie vermutlich nicht so viele wissen hat er aber auch eine Filmproduktionsfirma namens Spectrevision gegründet und so auch „Cooties“ produziert.

Der Begriff „Cooties“ geht auf eine fiktive Kinderkrankheit zurück, die zB in den USA oftmals gebraucht wird, um am Pausenhof fangen zu spielen. Wie wir bei uns sagen „Du bist es!“, wenn wir jemanden erwischen, so sagt man dort „You have cooties!“. Oftmals geht es im Sprachgebrauch auch um Abwertung oder lächerlich machen von Dingen, wie zum Beispiel „You have girl-cooties“, wenn zum Beispiel ein kleiner Bub sich in ein Mädchen verschaut hat.

Aus diesem Begriff basteln die Drehbuchschreiber Leigh Whannell (einer der Erfinder von „Saw„) und Ian Brennan (der Mann hinter „Glee“) einen klassischen Zombie-Film, der eben auf einem Schulkampus spielt und die Zombies Kinder sind. Wer also mit (filmischer) Gewalt gegen Kinder ein Problem hat, der oder die sollte um „Cooties“ einen Bogen machen. Der Film ist klar als Horrorkomödie angelegt und funktioniert für die rund ersten zwanzig Minuten auch gut. Die Einführung der Charaktere hat das typische „Highschool-Comedy“-Feeling, ein paar der Szenen mit Elijah Wood (der sich selbst nicht ernst nimmt) funktionieren sehr gut und sind auch lustig, genau wie die Klischees innerhalb der Reihen der LehrerInnen.

Je länger der Film dauert, desto tiefer sinkt allerdings sein Anspruch und desto mehr verliert er an Boden. Die Witze reduzieren sich auf gemeine Sprüche der Lehrer gegen die infizierten Schüler und es kommt immer mehr Fäkalhumor zum Einsatz. Witz und Slapstick in Ehren, aber hier zünden leider relativ wenig Witze und gerade in Richtung Finale verliert der Film immer mehr an Spannung, Überraschung, Humor und Horror. Wobei Horror ohnehin nicht wirklich zum Tragen kommt. Wenn man gut gelaunt ist, so könnte man dem Film vielleicht den Versuch zugute halten, er würde sich bemühen die Balance zwischen Witz und Angst zu finden. Tatsächlich kam es mir beim Ansehen aber so vor als hätte jemand eine solide und potentiell ambivalente, witzige und absurde Idee gehabt, sich dann aber nicht die Zeit genommen das Drehbuch und die Umsetzung gut genug zu durchdenken, um auch wirklich einen sehenswerten Film daraus zu machen.

Die Darstellerriege ist über Zweifel erhaben – so machen Elijah Wood, Alison Pill, Riann Wilson und die anderen (auch die beiden Drehbuchautoren spielen mit) eine gute Figur, haben aber tatsächlich nicht viel, um damit zu arbeiten. Die beiden Regisseure Jonathan Milotz und Cary Murnion, die hier ihren ersten Film abliefern machen daraus was sie können, aber am Ende bleibt das Gefühl zurück einen witzigen Sketch auf einen ganzen Film ausgedehnt zu haben, dem leider viel zu früh die Luft ausgeht. Die eingebaute – vor Klischees triefende – Love-Story berührt tatsächlich überhaupt nicht und selbst die Szenen in denen Charaktere das Leben verlieren, lassen ungewohnt kalt.

Insgesamt erinnert mich „Cooties“ an einen typischen Adam Sandler-Film. Wie bereits erwähnt also eine an sich gute, wenn auch provokante Idee, die mit dem richtigen Drehbuch und dem Mut zu provozieren einen wirklich guten, wenn auch absolut morbiden und abartigen, Film hätte abgeben können, wenn sich nur irgendjemand getraut hätte, zu entscheiden, einen Horrorfilm mit witzigen Momenten zu machen oder eine Komödie mit Horroranteilen. Dieses Zwischending, das sich über weite Strecken wie eine Teenie-Komödie anfühlt und auch so inszeniert ist, passt irgendwie nicht zu dem, was die Story uns mehr oder weniger vermitteln will.

Damit will ich nicht sagen, der Film sei grottenschlecht, aber da wäre wirklich viel mehr drin gewesen als dieses absolut an Höhepunkten arme Durchschnittsfilmchen. Wer einen Lehrer-gegen-Schüler-Film sehen will, der tatsächlich von vorne bis hinten (selbst heute noch) Spaß macht, der/die sollte getrost wieder einmal „The Faculty“ einlegen, der ist um Längen besser.

„Cooties“ bekommt 5,5 von 10 möglichen, die Chance einen echten Kultfilm zu produzierende vertan habende, Punkte.

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