The Gunman (Filmkritik)

Nach einem von ihm durchgeführten Attentat in der demokratischen Republik Kongo, muss Jim Terrier (Sean Penn) das Land verlassen. Auch den Kontakt zu seiner großen Liebe Annie (Jasmine Trinca), verliert er auf diese Weise. Acht Jahre später arbeitet er noch immer daran, frühere Taten wieder gut zu machen, als ihn in Form von drei Killern, die Vergangenheit einholt.

Er beginnt damit sein früheres Team zu kontaktieren, da er daran glaubt, dass auch sie in Gefahr sind. Dabei bemerkt er, dass sein Exkollege Felix (Javier Bardem) mittlerweile mit Annie verheiratet ist und anscheinend mehr weiß, als er zunächst zugeben möchte. Der Kampf ums Überleben hat jedenfalls gerade erst begonnen und es verschwimmen immer mehr die Grenzen, wer nun genau der Jäger und wer der Gejagte ist.

The Gunman

Dies ist der neueste Film des französischen Action-Regisseurs Pierre Morel (Taken, From Paris with Love), der sich bei seinem aktuellen Projekt, der Verfilmung des Romans „The Prone Gunman“ von Jean-Patrick Manchette verschrieben hat. Star Sean Penn war auch am Drehbuch beteiligt, hat körperlich einiges getan für diese Rolle und wird auch gekonnt in Szene gesetzt. Rein vom Einspielergebnis dieser Produktion – 40 Millionen Dollar Kosten und nur ungefähr ein Viertel davon wieder eingespielt – kann man aber schon erkennen, dass der Versuch auf den Erfolgs-Zug der „Actionopas“ der Marke Liam Neeson aufzuspringen, misslungen ist.

Es gibt ja einige Filme, die haben das gewisse Etwas, da stimmt die Spannung, die Atmosphäre und das Schauspiel, da passt alles zusammen. Dann gibt es wiederum andere Werke, bei denen irgendwie was fehlt, die Sache nie richtig in die Gänge kommt und der Funke nicht überspringen will. Leider ist genau das bei Gunman der Fall. Da verkommt übrigens sogar die schizophrene Tatsache, nämlich dass Penn oft öffentlich gegen Waffen wettert und ja einen gewissen künstlerischen Anspruch bei seinen Filmen hat und dann trotzdem hier als Sniper dabei ist, zur Nebensache.

Morel hätte ja bis jetzt in seiner Karriere einiges an Erfahrung, was das Inszenieren von Action betrifft, gesammelt. Das kommt hier aber kaum zur Geltung. Eine dynamisch inszenierte kurze Schießerei in einem Landhaus etwa zur Hälfte des Filmes und ein wuchtig knackiger Messerkampf am Ende. Das waren die einzigen Momente, die an die von ihm gewohnte Qualität heran kommen. Dafür darf Penn aber in offensichtlich eigens deswegen geschriebenen Szenen, gleich mehrmals seinen trainierten Oberkörper zeigen. Leicht selbstverliebt das Ganze, hat er doch auch am Drehbuch mitgeschrieben.

Aber egal, dann ist dies eben eher ein Drama, gewürzt mit leichten Action-Momenten. Wenn dem aber so wäre, dann dürften die Figuren nicht ganz so beliebig sein und großteils zu überzeichneten Karikaturen verkommen. Besonders Sean Penn (Fair Game) selbst als Schütze mit traurig gequältem Dackelblick, schafft es nie echte Sympathie für ihn zu wecken. Sein Dilemma wirkt irgendwie selbst gewählt und seine Reue nehme ich ihm einfach nicht ab. Nur Javier Bardem (Skyfall) als Felix ist noch schlimmer, denn er tut eigentlich nichts, als auf Penn´s Filmdame Annie scharf zu sein und ist dabei unheimlich widerlich und im Selbstmitleid verfangen.

Annie wird von der Italienerin Jasmine Trinca (Saint Laurent) verkörpert, die eigentlich das einzig darstellerische Highlight ist, da ihre Figur auf eine unverbrauchte und natürliche Art eine klare Leidenschaft in ihren Augen trägt, egal ob es nun um ihre Arbeit oder ihr Privatleben geht. Idris Elba (Pacific Rim, Legacy) in seiner Minirolle als Interpol Agent geht völlig unter und auch Ray Winstone (London Boulevard) als Penn´s vertrauter Freund, kann seiner Nebenfigur, kein echtes Leben einhauchen, was aber sicherlich nicht an seinem Können liegt.

Ansonsten wird noch – meistens wenig zielführend – sehr viel geredet und verschiedenste Locations, werden bereist und von der Kamera sehr schön eingefangen. Nett anzusehende Langeweile also, gepaart mit teilweise doch sehr plötzlichen Charakter-Entwicklungs-Momenten, die man so einfach nicht ernst nehmen kann. Es ist schon echt schade, denn wirklich von allen hier Beteiligten, die ich bereits vorher kannte, habe ich in der Vergangenheit, schon bessere Arbeiten gesehen. Da kann der Roman, den ich nie gelesen habe, eigentlich nur besser sein.

Insgesamt daher ein technisch fein gemachter Film, der sonst aber auf beinahe allen Ebenen nicht überzeugen kann und eindeutig ein besseres Drehbuch verdient hätte. Penn funktioniert nicht richtig als armer harter Hund und Regisseur Morel scheint nicht gewusst zu haben, was er da denn nun genau für einen Film macht. Trinca rettet was geht, was bleibt ist aber ein durchwachsener Film, den ich in dieser Form höchstens Fans des titelspendenden Helden empfehlen kann, die ihren Star lieben, egal was er treibt.

„The Gunman“ bekommt von mir 4,5/10 sich auf dem Weg ins Glück selbst ins Bein schiessende Empfehlungspunkte.


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