Auf immer und ewig – Ever After (Filmkritik)

Frankreich, Anfang des 16. Jahrhunderts: Auguste de Barbarac (Jeroen Krabbé) zieht nach dem Tod seiner Frau ihre gemeinsame Tochter Danielle (Drew Barrymore) alleine groß, bis er Baroness Rodmilla de Ghent (Anjelica Huston) heiratet um seiner Tochter eine Mutterfigur zu geben. Als Auguste kurz nach der Hochzeit verstirbt, übernehmen seine Witwe und ihre beiden Töchter, Marguerite (Megan Dodds) und Jacqueline (Melanie Lynskey) die Leitung des Haushalts und Danielle wird zum Dienstmädchen degradiert. Eines Tages begegnet Danielle durch Zufall Prinz Henry von Frankreich (Dougray Scott), der kurz vor einer arrangierten Hochzeit mit einer spanischen Prinzessin steht. Für beide ist es Liebe auf den ersten Blick, doch das Schicksal legt ihnen einige Steine in den Weg…

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Dieser Film war einer der Ersten die ich auf DVD erworben habe. Als Märchenliebhaberin fiel dieser Film natürlich mehr oder weniger exakt in mein Beuteschema. Dass hier noch dazu die Geschichte von Cinderella (mein Lieblingsmärchen) einen realen Touch und dadurch einen Hauch von Wirklichkeit erhielt, führte dazu, dass ich den Film nun schon an die 10 Mal gesehen habe und jedes Mal aufs Neue von der Liebesgeschichte von Henry und Danielle verzaubert bin.

Regisseur Andy Tennant (Fools Golds, Bounty Hunter) erweckte mit wunderschönen Bildern das Frankreich des 16. Jahrhunderts zum Leben. Tolle Sets und Locations, schöne Kostüme und talentierte Schauspieler versetzen gekonnt in eine andere Zeit. Tennant verzichtet auf jedweden magischen Schnick-Schnack – so wird man keine gute Fee finden, die Tiere in Menschen und Kürbisse in Kutschen verwandelt. Stattdessen erfüllt diese Rolle noch am ehesten Leonardo Da Vinci, der Danielle aber nur einen Schubs in die richtige Richtung gibt, ohne zu viel Einfluss auf die Handlung zu nehmen.

Dougray Scott (Taken 3) ist als Henry zwar der Prince Charming für Danielle, hat aber darüber hinaus einiges mehr zu bieten und ist ein vollständiger Charakter und nicht nur jemand, der am Ende die holde Maid rettet und heiratet. Er ist der Thronfolger Frankreichs (zur Abwechslung nicht irgendein fiktives Land) und hat von seinem Vater die Aufgabe bekommen, sich innerhalb von 3 Tagen eine Frau zu suchen, da er sonst gegen seinen Willen die Prinzessin von Spanien heiraten muss.

Davon gar nicht begeistert büxt er gleich mal aus, nur um von den Palastwachen retour geleitet zu werden. Er ist gelangweilt von seinem Titel, hat Ambitionen und Wünsche und das Gefühl, diese als Kronprinz und zukünftiger König von Frankreich nicht verwirklichen zu können. Scott porträtiert den Wandel des verwöhnten, gelangweilten Prinzen zum engagierten und verliebten Mann mit Tatendrang sehr glaubwürdig und es ist fast zu einfach sich in diesen Charakter zu verlieben.

Drew Barrymore als Danielle /Cinderella (3 Engel für Charlie) wenngleich der Name Cinderella im Film nur einmal kurz erwähnt wird) ist ihrer Märchenvorlage sehr ähnlich. Gutherzig, großzügig und folgsam, aber sie hat auch eine ordentliche Portion Mut und Feuer. Wenn man davon absieht, dass Barrymores britischer Akzent (ja, in Frankreich redet man british english) nicht ganz astrein ist, versinnbildlicht sie Danielle eigentlich perfekt. Danielle braucht nicht unbedingt einen Prinzen der sie rettet (wenngleich diese Option natürlich auch nicht schlecht ist). Sie ist letzten Endes selber in der Lage zu entscheiden, wie ihr Leben weiter verlaufen soll.

Anjelica Huston (Smash) als böse Stiefmutter zu besetzen war ein Geniestreich. Kaum eine andere hätte es geschafft, dieser im Märchen eigentlich recht eindimensionalen Figur, so viele Facetten zu verleihen. Die liebende Ehefrau, hingebungsvolle Mutter, Sklaventreiberin, Intrigantin, Verführerin – all das stellt sie mit Leichtigkeit dar. Man kann gar nicht anders als irgendwie fasziniert und gleichzeitig abgestoßen von dieser scheußlichen Person sein.

Megan Dodds (CSI NY) als die böse Stiefschwester Marguerite schlägt leider sehr nach ihrer Mutter und ist ein wirklich niederträchtiges Geschöpf. Sie will Henry und würde dafür über Leichen gehen. Ganz anders ist da Melanie Lynskey (Two and a Half Men), die Jacqueline spielt. Sie wird anfangs von ihrer Mutter und ihrer Schwester komplett untergebuttert und muss sich von ihrer eigenen Mutter mehr als einmal beleidigen lassen. Sie entwickelt sich im Laufe des Films zu einer eigenständigen Person und bekommt ein eigenes Happy End.

Fazit: Ein märchenhafter Film. „Ever After“ entstand in einer Zeit als Real-Verfilmungen noch nicht die große Mode waren. Tolle Schauspieler, wunderschöne Sets und traumhafte Kostüme – all das kombiniert ergibt eine der besseren Märchenverfilmungen.

Dieser Film bekommt von mir 7,5/10 glücklich bis ans Ende lebende Punkte.


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