Best of Worst Case: Dead Sea (2014 Filmkritik)

Alle 30 Jahre taucht das Untier auf. Alle 30 Jahre will es ein Opfer. Ein einheimisches Opfer. Vor Jahren war der Saids‘ Vater das Opfer. Und das hat er nie vergessen, denn Said (James Duvall) weiß, dass er selbst irgendwann dran sein wird. Jahre später ist der Zeitpunkt gekommen. Im See verschwindet alles (tierische) Leben und es wird klar, dass das Untier erneut da ist, um sich sein Opfer zu holen.

Zur gleichen Zeit kehrt Victoria (Alexis Iacono) in ihre Heimatstadt zurück, die sie vor zwanzig Jahren verlassen hat. Genau zur richtigen Zeit, denn niemand würde sie vermissen, wenn das Monster sie zufällig erwischen würde …

dead-sea-movie

Ich könnte jetzt schreiben, dass „Dead Sea“ der schlechteste Film ist, den ich je gesehen habe, aber das stimmt nicht. Auch könnte ich damit beginnen all die Dinge aufzuzählen, die der Film schlichtweg falsch macht. Ich könnte auch wie viele User auf der IMDB zu einem Film, der mir nicht gefiel schreiben: ALLES schlecht. Soooo schlecht. Verdammt schlecht. So richtig schlecht.

Aber das stimmt alles nicht.

„Dead Sea“ hat nur ein paar kleinere Probleme, die allerdings den Filmgenuss im Ganzen dann doch sehr stark schmälern. Zum einen geht es darum, dass der Film als „Monsterfilm“ verkauft wird, aber das Monster eigentlich nicht wirklich vorkommt. Ein paar verwackelte Aufnahmen und immer wieder mal kurze Zwischenschnitte auf „Zähne“ und das war es dann auch schon. Wer also ein Monster sehen will: Abstand von diesem Film hier halten.

Das zweite ist das inkonsistente und ziemlich unzusammenhängende Drehbuch. Da werden Szenen wild und ohne großen Kontext zusammengewürfelt, nur damit so etwas wie Stimmung aufkommt. Diese Stimmung geht dann aber sehr rasch flöten, weil die „mystische Frage“ danach, was diese eine Szene nun aussagen sollte rasch abgelöst wird von „eigentlich völlig egal, weil eh später niemand mehr darauf Bezug nimmt“. Weder die Handlung noch die Figuren. So gibt es zB relativ am Anfang eine Szene, die Said im Kriegseinsatz zeigt. Der – sehr unsympathische – Kerl begeht zwei Kriegsverbrechen und ein Mann gibt ihm die Prophezeiung, dass „der Schatten des Todes ihm folgt“. Wieso der das weiß? Keine Ahnung. Vielleicht weil er Moslem ist. Wird nie erklärt. Hauptsache kryptisch halt.

Dazu kommen die beiden weiblichen Hauptfiguren. Victoria kommt nach Hause. Wir erfahren von Familienproblemen und gegen Ende gibt es ein Gespräch mit ihrem Vater, das sicher emotional sein soll, aber leider ist es nur peinlich. Die zweite, weibliche Hauptfigur (die stilsicher durch eine Party auf einem Boot eingeführt wird, auf welchem viele Bikini-Girls herumhüpfen und keiner der anwesenden Männer bis drei zählen kann) ist absolut irrelevant für den Film. Sicher, Devanny Pinn sieht sexy aus und kann (soweit man das in diesem Film irgendwie mitbekommt) sogar ein wenig schauspielen, aber ihr Part in dem Film ist absolut unnötig. Ihr Schicksal juckt niemanden. Was macht diese Figur in diesem Film?

Das ist schade, denn ein paar der Szenen sind dann doch sehr intensiv gelungen. Also. Hm. Eigentlich konkret nur eine einzige Szene, nämlich jene als Said Victoria mit einer Waffe bedroht und ihr als richtiger Psycho erklärt, was er sich schon immer gedacht hat. Das war ein wirklich starker (abstossender) Moment, den Alexis Iacono und James Duvall auch verdammt intensiv rüberbringen. Was für mich beweist, dass die SchauspielerInnen eigentlich spielen könnten und der Regisseur einen guten, intensiven Film zusammenbringen könnte, wenn er sich nur mal entschließen würde, einen dementsprechenden Film zu machen.

Fast hat man den Eindruck, als hätte Drehbuchautor und Regisseur Brandon Slagle („THe Black Dahlia Haunting“) ein paar Filme bzw. deren Grundideen zu einem zusammengemixt.

  • In Film A spielt Victoria, ihre Heimkunft, das Zerwürfnis mit ihrem Vater vor dem Hintergrund der Opferung für die Bestie und ihr (und sein) Kampf gegen die Pläne von Said die erste Geige. Das Drama! Der Horror! Der Ex will sie an seiner statt opfern! Der Vater, von dem sie dachte, er hasse sie, liebt sie in Wahrheit und war froh, dass sie geflohen ist, damit sie nicht geopfert werden kann! Der Ex, der sie nur deshalb zur Freundin hatte, um sie in falscher Sicherheit zu wiegen und zum rechten Zeitpunkt an seiner statt opfern zu können! Oh, was sich da für Abgründe auftun. /sarcasm off.
  • Der Film B handelt von der sexy und intelligenten Frau names Aurelia Servus (wir wissen, dass sie intelligent ist, weil sie die einzige auf dem Partyschiff ist, die nicht Party feiert, sondern herumhängt, Fotos macht und einem dummen Kerl erklärt, was Latein ist), die dummerweise in einem Kleinstadtkaff landet, wo sie einem Untier geopfert werden soll. Als hätte es das noch nie gegeben.
  • Vielleicht kann man auch noch Film C dazu mischen: Der junge Irak-Kriegs-Held Said (Verbrecher!) kämpft mit dem Verlust seines Vaters, der sich damals geopfert hat und aufgrund dieser Psychose hat er im Krieg viele Kriegsverbrechen begangen. Als seine Ex ins Dorf zurückkehrt, merkt er, was er für ein schlechter Mensch war, will Wiedergutmachung und opfert sich an ihrer statt (kommt im Film so nicht vor).

All das wären mögliche Filme gewesen, die innerhalb dieser Rahmenhandlung hätten stattfinden können. Und jede einzelne Variation davon wäre besser gewesen, als das, was hier rausgekommen ist. Denn so entscheidet sich der Regisseur nie, welche Geschichte er nun erzählen will, wirft einen wilden Mix aus Szenen durch die Gegend und vergißt dabei, dass er einen Monsterfilm machen wollte. Schade. So kommt der Film nicht einmal richtig in Fahrt.

„Dead Sea“ bekommt von mir 3 von 10 möglichen, weil ein paar doch sehr gut gespielte Szenen zustande bringende, Punkte.

Best of Worst Case-Urteil (Trashfaktor: Drehbuch):
Ein wirrer Mix aus diversen Filmideen, die noch viel mehr Feinschliff oder eine Entscheidung des Regisseurs gebraucht hätten, um zu einem halbwegs brauchbaren Film zusammengeschnitten werden zu können. So leider eine banale Story mit einem (kurzen) Szene-Höhepunkt. Der Rest ist leider völlig belanglos.

Fazit: Sinnfrei. Schade drum.

[amazon template=multinational&asin=B00PQ7E6A2,B00PQ7E59O]


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.