Plastic – Someone Always Pays (Filmkritik)

Die vier englischen Studenten Sam (Ed Speleers), Fordy (Will Poulter), Yatesey (Alfie Allen) und Rafa (Sebastian De Souza) verdienen ihr Geld durch Kreditkartenbetrug und andere kleine Gaunereien und können sich so ein schönes Leben leisten. Eines ihrer letzten Opfer ist der Buchhalter des skrupellosen Gangsterbosses Marcel (Thomas Kretschmann).

Der setzt Sam und Co ein Ultimatum und verlangt zwei Millionen Pfund innerhalb von zwei Wochen, oder sie müssen sich die Radieschen von unten ansehen. Mit der Hilfe von Frankie (Emma Rigby), die bei einem Kreditkarteninstitut arbeitet, versuchen die vier im sonnigen Miami die Reichen und Schönen auszunehmen. Doch die Zeit läuft ihnen davon und deswegen planen sie bereits kurze Zeit später, den ultimativen Diamantenraub.

Plastic+Movie

Filme die, wie dieser auf einer wahren Begebenheit beruhen, haben es nicht immer einfach. Denn die wenigsten Geschichten sind, zumindest ohne dass der Drehbuchautor in irgendeiner Form nachhilft, von sich aus spannend genug. Daher sind dementsprechende Filme meist nur von wahren Begebenheiten inspiriert.

Welche Richtung man an dieser Stelle einschlagen wollte, lässt sich nur schwer sagen. Einerseits hat der Film einige Wendungen und auch ein Ende, das wohl unter anderen Umständen nicht ihren Weg ins Drehbuch gefunden hätten. Andererseits wirken einige Elemente (vor allem die Charaktere) so, als hätte man sie direkt von einer Vorlage wie „The Italian Job“ oder der Ocean’s Trilogie kopiert.

Da hätten wir Sam (Ed Speleers – „Eragon“) den charmanten Anführer, Fordy (Will Poulter – „We’re the Millers) den Techniker und Planer, Yatesey (Alfie Allen – „The Other Boleyn Girl„) dessen Aufgabe es ist, Zwietracht zu säen und Frankie (Emma Rigby – „Der Medicus„), die vor allem die Aufgabe hat gut auszusehen. Doch ganz so einfach ist es hier auch wieder nicht.

Die Schauspieler selbst sind, was ihre Rollen betrifft, gut gewählt und machen einen erstklassigen Job. Vor allem wenn man bedenkt, wie Ed Speleers oder Will Poulter angefangen haben und in welchen Rollen sie sonst zu sehen sind, lässt sich durchaus feststellen, dass sie ihren Beruf prinzipiell beherrschen, auch wenn sie in absehbarer Zeit keine namhaften Preise gewinnen werden.

Emma Rigby hier rein auf ihr Aussehen zu reduzieren, wäre ebenfalls unfair. Das Problem ist nur, dass die Charaktere, wie die Geschichte auch, dermaßen beliebig wirken. Wie bereits erwähnt wirken sie (und zwar durch die Bank) als hätte man eine Vorlage kopiert, was schon alleine deswegen nicht funktionieren will, weil die meisten Schauspieler zu jung wirken für die Rolle, die sie hier anscheinend spielen sollen.

Was die Geschichte betrifft, hat man sich scheinbar nicht viel einfallen lassen und so kennt man bereits im Vorhinein alle wesentlichen Wendungen. (Achtung Spoiler!) Beim Ende allerdings war man dann doch irgendwie konsequent und hat unter anderem dafür gesorgt, dass Sam und Frankie (wie im echten Leben auch?) hier am Ende nicht zusammen finden.

Wenn man schon den gesamten Film nach einem bekannten Konzept ausrichtet, warum dann nicht bis zum Schluss? „Plastic“ hatte ein Budget von drei Millionen Pfund und ich denke es war von Anfang an klar, das Abstriche gemacht werden mussten. Allerdings hat es anscheinend nicht einmal für Dreharbeiten in Miami (oder einer Gegend die so ähnlich aussieht) gereicht und der Film schafft es nicht glaubhaft zu vermitteln, dass sich Sam und Co dort aufhalten.

Erwähnenswert ist möglicherweise noch, dass der Film nur durch mittelmäßig schöne Bilder besticht, die zu allem Überfluss mit einer unsäglichen Wackeloptik kombiniert werden, wenn es etwas actionreicher zur Sache geht.

Alles in allem ist „Plastic“ ein Film der zeigt, dass es nicht ausreicht nur ein bereits bekanntes Konzept irgendwie und lieblos zu kopieren. Während Regisseur Julian Gilbey mit „A Lonely Place to Die“ überzeugen konnte, scheint er hier ein Thema erwischt zu haben, dass ihm offensichtlich nicht liegt.

Der Film „Plastic“ bekommt daher 4/10 sich auf der Jagd nach Diamanten verlierende Empfehlungspunkte.


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