Rio 2 (Filmkritik)

Blu (Jesse Eisenberg) und Jewel (Anne Hathaway) verlassen gemeinsam mit ihren drei Kindern das sichere Zuhause in der Großstadt Rio, weil Jewel der Meinung ist, dass die lieben Kleinen lernen sollten, wie richtige Vögel im Amazonas-Regenwald zu leben. Dort fühlt sich der unter Menschen aufgewachsene Blu äußerst unwohl und fremd. Bei Jewels Vater Eduardo (Andy Garcia) hat er ebenfalls keinen leichten Stand.

Als er sich dank mangelnden Orientierungssinns verfliegt und eine verbotene Nuss pflückt, soll dieses Vergehen bestraft werden. Mit von der Partie ist der rachsüchtige Kakadu Nigel (Jemaine Clement). Doch alle diese Probleme treten in den Hintergrund, als Menschen drauf und dran sind, den Lebensraum der vom Aussterben bedrohten Papageien zu zerstören.

Rio 2

Um sich eine ungefähre Vorstellung über den Film machen zu können, reicht es im Wesentlichen aus zu wissen, dass Carlos Saldanha hier der diensthabende Regisseur war. Der hat es mit den Ice Age-Filmen (führte bei Teilen 1-3 Regie bzw Co-Regie) nicht nur geschafft groß und klein zu unterhalten, sondern war auch bei „Rio 2“ am Drehbuch beteiligt. Also raus aus den Minus-Graden und rein in das sonnige Paradies Brasiliens, bzw. um genauer zu sein, in die auch dem Film ihren Namen spendende Stadt Rio de Janeiro.

Wenn schon die berühmte Fox-Fanfare am Start des Films mit Samba-Rhythmen aufgepeppt wird, findet man sich gleich mitten im pulsierenden Getümmel an der Copacabana wieder. Denn in Rio wird Neujahr gefeiert und im doppelten Sinne ein Feuerwerk gezündet.

Der in Rio geborene Regisseur Carlos Saldanha eröffnet den zweiten Teil des Ara-Films mit einer Explosion von Farben und Tönen und erzielt dabei einige erstaunliche 3D-Effekte, wie man sie zum Teil auch schon in „Rio“ gesehen hat. Zugleich wirkt der extrem bunte Frontalangriff auf die Sinne aber auch etwas hektisch, ein Eindruck, der sich im Verlauf des Films immer öfters einstellt – auch in eigentlich ruhigeren Momenten, in denen die Handlung vorangetrieben werden sollte.

Die mit Abstand besten Momente sind die, die für sich allein stehen können: eine Tanz-Nummer, bei der die Choreographie dank der pulsierenden Farben der exotischen Fauna und Flora zu einem wahren Rausch in 3D wird; ein Papagei, der mit einer elektrischen Zahnbürste hantiert; ein Paar Schildkröten, dass einen Zeitlupen-Capoeira Tanz aufführt oder die irre komische Darbietung eines Moskito-Orchesters.

Für mich ein Schwachpunkt ist Blu (Jessie Eisenberg – Now You See Me), denn der hat hier leider nur die Rolle des permanent in Fettnäpfchen tretenden Vollpfostens. Ständig gibt ihm seine Umwelt in fast jeder nur möglichen Form das Gefühl ungenügend zu sein. Es mag ja begrenzt lustig sein, aber bei Blu reiht sich eine Situation an die andere und es scheint als ob jemand beim Schreiben des Drehbuches mit biegen und brechen versucht hat, den Zuschauer daran zu hindern, den blauen Ara für voll zu nehmen. Weder seine eigenen Kinder, noch seine Frau Jewel, noch sein Schwiegervater haben irgendwelchen Respekt vor Blu.

Wieder mit von der Partie ist einer der heimlichen Stars des ersten Teils, Nigel. Er sorgt für einige denkwürdige/Besorgnis erregende Szenen in denen die seltsame Romanze zwischen dem Kakadu Nigel (Jemaine Clement – MIB 3) und der giftigen violetten Kröte Gabi (Kristin Chenoweth – Pushing Daisies) gezeigt wird – der künstlerisch ambitionierte Bösewicht und der unglücklich verliebte Frosch stehlen den Hauptfiguren deutlich die Schau.

Die Annehmlichkeiten der Zivilisation oder der Dschungel? Das ist die entscheidende Frage für Blu und seine Ara-Familie: Sollen sie die artfremden Vorzüge der menschlichen Zivilisation genießen oder lieber den eigenen Instinkten folgen und in ihr ursprüngliches Zu Hause zurückkehren? Mit viel Schmalz und Pathos wird diese Frage abgehandelt und läuft letztlich darauf hinaus, dass sich Blu so einiges von seinem Schwiegervater gefallen lassen muss, der aus Blu, dem Haustier, einen „echten“ Urwaldvogel machen will, der möglichst ohne Bauchtasche und Navi auskommt.

Dann kommt noch die obligatorische Naturschutz-Botschaft und zwar als die Holzfäller anrücken und die Papageien zum Gegenangriff starten. Dies wirkt fast wie eine Szene aus Alfred Hitchcocks Klassiker „Die Vögel“. Doch in all dem Getümmel geht die Natur-Botschaft komplett verloren, da die Macher doch ziemlich übers Ziel hinaus schießen.

Fazit: „Rio 2“ fällt leider nicht in dieselbe Kategorie wie „Drachenzähmen leicht gemacht 2“ und ist somit meines Erachtens keine wirklich gelungene Fortsetzung. Ein schwaches Skript lässt sich auch durch etliche Gesangs- und Tanz-Einlagen nicht retten.

Dieser Film bekommt von mir 4,5/10 nicht vom Aussterben bedrohten Punkten.


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