Savages (Filmkritik)

Chon (Taylor Kitsch) und Ben (Aaron Taylor-Johnson) sind die besten Freunde und leben in Kalifornien. Die beiden betreiben eine kleine Marihuana-Plantage, und da ihr Stoff qualitativ der Beste ist, haben sie eine treue Schar von Abnehmern. Das Geschäft läuft gut, doch als die beiden ein Angebot der mexikanischen Mafia ausschlagen, entführt die kurzerhand die gemeinsame Freundin O (Blake Lively) und stellt den Jungs ein Ultimatum. Die setzen alles daran O zu befreien – wenn es sein muss auch mit Gewalt.

Savages

Man mag es glauben oder auch nicht, aber Savages basiert auf dem gleichnamigen Roman des Schriftstellers Don Winslow aus dem Jahre 2010. Nur zwei Jahre später kam der Film unter der Regie von Oliver Stone dann schon in die Kinos. Beide waren gemeinsam mit Shane Salerno am Drehbuch beteiligt, der z.B. auch schon für Hawaii Five-0 kreativ tätig war. Oliver Stone braucht man nicht großartig vorstellen. Der gute Herr ist seit 40 Jahren im Geschäft und weiß was er tut.

Bei diesem Film lässt sich ohne weiteres seine Handschrift erkennen. Optisch sind vor allem Regie bzw.  Schnitt erstklassig gelungen und die eigentliche Inszenierung ist Old-School in Perfektion. Das funktioniert sogar soweit dass, obwohl man die Grundhandlung des Filmes in einem Atemzug erklären kann, der Film nie auch nur im Ansatz langatmig oder gar langweilig wirkt. Etwas das heraussticht ist, wie der Film (sogar für Stone-Verhältnisse) das Extrem sucht und mit zum Teil verstörenden Bildern schockiert.

Das beginnt schon einmal damit, dass der Einstieg mehr nackte Haut zeigt wie so mancher Soft-Porno-Streifen – sich hier aber (leider) vor allem auf die männlichen Hauptdarsteller beschränkt. Dann müssen dem Thema entsprechend einige Leute sterben, was hautnahe und zum Teil mit einem makabren Humor inszeniert wurde. Alles in Allem wirkt das Konzept aber stimmig und obwohl einige Handlungselemente im Nachhinein als Lückenfüller dienen, hat man beim Sehen des Films nie das Gefühl es wäre so – eher im Gegenteil habe ich schon lange keinen Film mehr gesehen, der so „wenig“ Handlung dermaßen gut nutzt.

Die Charaktere, und da gibt es einige, werden in einem Ausmaß und genau dann vorgestellt, wie es am Besten passt. Interessant ist dass neben Chon, Ben und O auch die Vertreter der Mexikaner relativ oft zu sehen sind und die Geschichte daher von beiden Seiten erzählt wird. Dadurch entsteht nie ein quasi gesichtsloses Feindbild, sondern man gibt beiden Seiten eine gewisse menschliche Seite. Klar ins Schwarze getroffen hat man auch bei der Besetzung der einzelnen Rollen.

Keiner der Charaktere sticht besonders heraus, denn stattdessen hat man es geschafft, einen bunten Haufen schriller Charaktere zu inszenieren. Taylor Kitsch hat es zu seinem Leidwesen geschafft, mit „John Carter“ und „Battleship“ in gleich zwei Filmen mit einem Budget über 200 Millionen Dollar mitzuspielen, die beide an den Kinokassen untergingen.

Als Chon spielt er zwar wieder eine Rolle, die seinen alten irgendwie ähnlich zu sein scheint, sich aber dennoch in ihren Fassetten von seinen bisherigen unterscheidet.  Chon war in Afganistan, aber nicht etwa um seinem Land zu dienen, sondern um Samen von Cannabis-Pflanzen für die heimische Zucht zu organisieren. Dennoch hat er einige schlimme Dinge gesehen, was Kitsch glaubhaft jeden Moment des Films vermitteln kann.

Aaron Taylor-Johnson kennt man spätestens seit „Kick Ass„. In seiner Rolle als Ben ist er das genaue Gegenteil seines Freundes. Er mag Pflanzen sowie Menschen und versucht die Welt ein wenig besser zu machen. Taylor-Johnson passt ausgezeichnet in die Rolle und vermittelt diese Einstellung ohne auch nur einen Moment irgendwie als Hippie zu wirken.

Auch wenn Blake Lively eine nicht unwichtige Rolle in „Green Lantern“ hatte, ist sie vermutlich noch bekannter auf Grund ihrer Dauerrolle in „Gossip Girl“. Als O hat sie in zwei Männern einen perfekten gefunden und lebt damit den unausgesprochenen Traum so mancher Frau. Sie wirkt sympathisch und aus diesem Grund versteht der Zuschauer auch sehr schnell, warum sie zeitnahe aus den Fängen der Mexikaner befreit werden muss.

Benicio Del Toro (The Wolfman) dürfte man als Lado nicht so schnell vergessen. Wenn dieser anfängt mit seinen Mitarbeitern den Garten neu zu gestalten hat man in der Regel ein Problem, denn dann verschwinden in der Regel die Hausbewohner. Interessant ist an dieser Stelle, dass die Rolle mit einer gewaltigen Portion schwarzen Humors inszeniert wurde, was auch für einige komisch makabre Momente sorgt.

Salma Hayek (Der gestiefelte Kater) als Kartell-Chefin Elena stellt unter Beweis, dass auch die bösen Jungs (und Mädels) nur Menschen mit Familie sind. John Travolta als korrupter DEA Agent Dennis scheint sichtlich seinen Spaß gehabt zu haben, auch wenn ihn diese Rolle nur wenig gefordert haben dürfte.

Alles in allem ist Savages ein gelungener Film der positiv zu überraschen weiß und vor allem ohne größere Schwächen auskommt.

Der Film bekommt daher von mir 8,5/10 befreiende Empfehlungspunkte.


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