Eine offene Rechnung – The Debt (Filmkritik)

Im Jahre 1965 werden die drei Mossad Agenten Rachel Singer (Jessica Chastain), David Peretz (Sam Worthington) und Stefan Gold (Marton Csokas) nach Ost-Berlin geschickt, um den Nazi-Kriegsverbrecher Dieter Vogel (Jesper Christensen) – auch bekannt unter dem Namen „Chirurg von Birkenau“ – zu entführen, damit ihm in Israel der Prozess gemacht werden kann.

Gute 30 Jahre später, wir schreiben inzwischen das Jahr 1997, werden die drei als Helden gefeiert. Als Rachels Tochter jedoch ein Buch über die Heldentaten des Trios veröffentlichen will, werden die drei von ihrer Vergangenheit wieder eingeholt – denn in Wirklichkeit war alles ein wenig anders.

The Debt Film

Hinter der Kamera stand dieses Mal der für untypisches Genrekino bekannte John Madden. Seine Werke sind relativ unbekannt, obwohl er schon in einer Vielzahl von Filmen seine Visionen verwirklichen konnte, wobei man wohl am ehesten von seinem Film „Shakespeare in Love“ gehört hat. Sein aktuellstes Werk ist eine Neuinterpretation eines bereits 2007 erschienenen, gleichnamigen Filmes.

„Eine offene Rechnung“ war trotz eines relativ geringen Budgets von 20 Millionen Dollar nur mäßig erfolgreich, konnte aber mit einem bisherigen Einspielergebnis von ca. 45 Millionen zumindest seine Produktionskosten leicht wieder einspielen. Als Fan eines gut gemachten Genre-Films war ich etwas enttäuscht, dass der Film an den heimischen Kino-Kassen vollkommen unterging. Jetzt hatte ich endlich die Gelegenheit ihn nachzuholen und habe es keinen Moment bereut.

Wenn amerikanische Filmschaffende beschließen ein bereits funktionierendes Konzept neu umzusetzen, hinterlässt das oft einen faden Beigeschmack. In diesem Fall merkt man es aber nie – was den Verantwortlichen hoch anzurechnen ist. Von den Schauspielern abgesehen, hat man hier nie das Gefühl, einer amerikanischen Hochglanzproduktion zu sehen, wie im Original handelt der Film von drei Mossad-Agenten, die von ihrer Vergangenheit eingeholt werden.

Dadurch fehlt dem Film der sonst übliche und kaum erträgliche amerikanische Patriotismus – und auch die potentielle Möglichkeit der Identifikation für das amerikanische Publikum. Gerade das aber macht den Film so sehenswert. Der Film selbst gliedert sich in drei Akte. Im ersten Akt gilt es durch eine präzise geplante Operation Dieter Vogel zu entführen – dieser Teil des Filmes ist actionreich und vor allem spannend inszeniert.

Im zweiten Akt gilt es Dieter Vogel festzuhalten. Der weiß jedoch, was für ein Schicksal ihn erwartet und versucht seine drei Gegenspieler nach allen Regeln der Kunst psychisch zu manipulieren. Dabei legt Vogel eine bösartige Gerissenheit an den Tag, wie man sie sonst nur von Hannibal Lecter aus „Das Schweigen der Lämmer“ kennt. Meine Hochachtung an dieser Stelle an den Dänen Jesper Christensen, der seiner Rolle als Vogel eine unglaubliche Präsenz verleiht.

Der dritte Akt spielt gute 30 Jahre später, teilt sich aber fließend auf den gesamten Film auf. Hier wird gezeigt, wie die Agenten mit den Ereignissen der Vergangenheit fertig geworden sind bzw. wie sie damit umgehen. Was den Film so empfehlenswert macht, ist die Art wie die drei Elemente kombiniert werden. Nicht nur das, wird er durch seine außergewöhnliche Erzählweise auch zum größten Teil unvorhersehbar für den Zuschauer und daher noch einmal ein Stück weit spannender.

Jessica Chastain (The Help) wirkt als Rachel Singer unglaublich verletzlich und doch mutig und stark. Der Einsatz, bei dem es gilt Vogel gefangen zu nehmen, ist ihr erster und gerade die erste Kontaktaufnahme wird zur psychischen Zerreißprobe. Sam Worthington wird nach Action-Krachern wie „Kampf der Titanen“ immer sympathischer. In seiner Rolle als David Peretz ist er der ruhige in der Runde (um nicht zu sagen unnahbar), man merkt jedoch spürbar wie seine Fassade bröckelt wenn es um Vogel oder Rachel geht.

Marton Csokas durfte in „xXx“ sehr eindrucksvoll den Bösewicht geben. Auch wenn er hier auf der Seite „der Guten“ zu finden ist, scheint ihm die Rolle des Schlitzohrs bestens zu stehen. Anbei möchte ich noch einmal festhalten, dass Jesper Christensen eine Performance und Präsenz an den Tag legt, die kaum zu überbieten ist – manchmal wirkt es sogar so, als würde er seinen Kollegen die Show stehlen.

30 Jahre später muss man festhalten, dass man dem Film nur bedingt abnimmt, dass es sich hier um dieselben, wenn auch gealterten Personen handelt. Während das bei Helen Mirren als Rachel Singer noch relativ gut funktioniert wirken Tom Wilkinson als Stefan Gold und Ciarán Hinds als David Peretz etwas deplatziert – wenn auch nur optisch. Gerade Helen Mirren ist wie immer großartig und auch ihre männlichen Kollegen machen ihre Sache wie immer sehr gut.

„Eine offene Rechnung“ schafft es unvermutet verschiedene Elemente unter einen Hut zu bekommen.

Der Film ist daher eine klare Empfehlung und bekommt von mir 9/10 Empfehlungspunkte.


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