Hesher (Filmkritik)

T.J. (Devin Brochu) ist ein sehr trauriger und wütender Junge. Nach dem Unfalltod seiner Mutter, flüchtet sich sein Vater (Rainn Wilson) mittels häufiger Tabletteneinnahme aus dem Alltag und ist so gut wie nie für seinen Sohn da. Auch seine Großmutter ist mit der Gesamtsituation überfordert. Bei einer seiner einsamen Radtouren, schießt T.J. aus Wut mit einem Stein ein Fenster eines baufälligen Hauses ein. Unerwartet stürmt ein Typ namens Hesher (Joseph Gordon-Levitt) aus dem Gebäude heraus und zeigt sich nicht besonders erfreut über die Aktion des Jungen.

Hesher nistet sich fortan als einer von T.J.´s neuen Freunden bei ihm zu Hause ein. Nach anfänglichen Schwierigkeiten könnte es Hesher hier doch echt schaffen, diese Familie wieder näher zusammen zu bringen, es sei denn es geht zuvor die gesamte Einrichtung zu Bruch oder Hesher verspürt wieder den starken Drang, etwas anzünden zu müssen.

Hesher

Dies ist der erste abendfüllende Spielfilm von Autor, Produzent, Cutter und Regisseur Spencer Susser. Ebenfalls als Produzent fungierte Natalie Portman (Black Swan), die auch in einer kleinen aber feinen Nebenrolle zu sehen ist. Was nun dabei rausgekommen ist, ist ein schräger, trauriger aber auch skurriler Film, der vor allem dank der tollen Performances der Hauptdarsteller und der völlig ohne erhobenen Moralfinger agierenden Erzählweise so gut funktioniert, wie er es eben tut.

Ein Typ der Anarchie als Lebensprinzip gewählt hat und somit klarerweise in den Leben anderer Menschen oft nur Chaos zurücklässt. Er nimmt sich was er will, erzählt was er will wann er es will und muss hin und wieder auch mal gewalttätig werden, was aber immer nur die Schuld der Anderen ist und fast immer aus seiner Sicht gerechtfertigt ist. Er redet mit einem eigentlich sich noch im Kindesalter befindenden Jungen über Sex, benützt neben ihm wenig charmante Schimpfwörter und ist auch bei seinen Drohungen nicht gerade zimperlich.

Klingt nach einem totalen Arschloch werdet ihr nun sagen? Stimmt irgendwie auch, aber dann eben doch wieder nicht – zumindestens nicht nur. Seine Intentionen sind ja grundsätzlich nie schlecht, seine Aktionen sind aber meistens völliger Schwachsinn, über den sich andere Menschen furchtbar ärgern müssen. Wie aus Heshers Chaosaktionen völlig unbeabsichtigt etwas Positives entstehen kann und Leute sich nach der durch große Trauer ausgelösten Lethargie weiterentwickeln können, um das geht es eigentlich in diesem Film.

Joseph Gordon-Levitt (Killshot, G.I. Joe, Uncertainty, Inception) beweist wieder, wie mutig er oft in der Wahl seiner Rollen ist und wie sehr er sich dann auch in die Charaktere hineinsteigert. Als Hesher versprüht er schon einen ganz eigenen Charm, ohne auch nur ein Wort sprechen zu müssen. Sein Verhalten ist zwar nur selten nachvollziehbar, dafür hat er dieses gewisse Etwas was verhindert, dass man einfach nur wütend auf ihn ist und ihn nicht mehr sehen will. Besonders seine betrunkene Rede bei einer Beerdigung fand ich wirklich gut, weil es einfach unglaublich lange dauert bis man erkennt, auf was er eigentlich hinaus will. Eine interessante Figur spitze gespielt von einem nicht minder interessanten Schauspieler.

Der noch ziemlich junge Devin Brochu hat ebenfalls echt Talent, aus dem könnte später mal ein wirklich guter Charakterdarsteller werden. Besonders in seinen verzweifelt-wütenden Szenen wirkt sein Spiel ziemlich intensiv. Rainn Wilson (Super) darf zwar nicht viel mehr machen als herumzuliegen und traurig auszusehen, das macht er aber ausgezeichnet. Natalie Portman zeigt hier Mut zur Hässlichkeit als Mauerblümchen, dass voller Selbstzweifel und sonstigen Unsicherheiten durchs Leben wackelt und dabei nicht gerade selten auf die Nase fällt. Schön auch ihre Freundschaft zu T.J., der sich verliebt hat in sie, was Hesher natürlich völlig unpassend kommentiert.

Insgesamt ist dies erfrischenderweise ein Film, der anders ist aber nie gezwungen oder zu gewollt wirkt. Gerade als man sich denkt, der guten Grundstory geht schön langsam die Luft aus, ist der ganze Spass auch schon vorbei. Unbedingt sehenswert also auf Grund der darstellerischen Leistungen aber auch zu empfehlen für Leute, die auf der Suche nach einem moralisch ambivalenten Erlebnis sind.

Hesher bekommt von mir 7/10 auf die Welt wütende Empfehlungspunkte.


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