Alphas (Serienkritik)

Doktor Lee Rosen (David Strathairn) leitet ein ganz spezielles Einsatzteam. Er ist sowohl der Therapeut als auch der Anführer einer Truppe von sogenannten „Alphas“. Alphas sind Menschen mit erweiterten Fähigkeiten bedingt durch Abweichungen ihrer Gehrinstruktur. Genau wie bei normalen Menschen entscheiden sich einige Alphas dazu ihre Kräfte nur für sich einzusetzen ohne Rücksicht auf Verluste. Diese fehlgeleiteten Personen versuchen Rosen und sein Team aufzuspüren und entweder auf den rechten Weg zu bringen, oder sie in eine speziell eingerichtete Klinik zu überführen. Kein leichtes Unterfangen, da die Schützlinge des Doktors eigentlich schon mit ihren eigenen Leben überfordert sind.

Alphas

„Alphas“ ist die neueste Serie des amerikanischen SYFY-Channels und wird dort direkt nach der bereits dritten Staffel der Hitserie „Warehouse 13“ ausgestrahlt. Was hier sofort auffällt, ist die Ähnlichkeit zu einer uns allen wohl nur zu gut bekannten Grundgeschichte, nämlich den Abenteuern von Charles Xavier und seinen X- Men. Ein Professor/Doktor kämpft für ein friedliches Miteinander von Menschen und Mutanten/Alphas, doch die finstere Bruderschaft der Mutanten/ eine zunächst nur angedeutete Gruppe von bösen Alphas und die skeptisch paranoide Regierung macht ihm dabei immer wieder einen den Frieden gefährdenden Strich durch die Rechnung.

Soweit so gut, dass dieses Konzept hervorragend funktionieren kann, das wissen wir ja bereits. Kommen wir nun zu einem am Erfolg nicht unwesentlich beteiligten Part – den Charakteren. Gary Bell ist ein an Autismus leidender junger Mann, der die Fähigkeit der Transduktion besitzt was bedeutet, dass er elektromagnetische Wellenlängen bzw. Frequenzen sehen kann. Fernsehprogramme, Handygespräche oder SMS und Bilder von Überwachungskameras erscheinen so bei Bedarf vor seinem inneren Auge.

Die Synästhesie ist Rachel Pirzads Spezialität, was sie optisch bei der Anwendung ihrer Talente wie eine „Ein Frau CSI Armee“ erscheinen lässt, da sie durch ihre erweiterten Sinne um vieles mehr wahrnehmen kann, als jeder andere Mensch. Konzentriert sie sich aber voll auf einen Sinn, dann fallen ihre übrigen für kurze Zeit aus. Als Konsequenz ihres „Defekts“ wird sie von ihren Eltern noch immer wie ein Kind behandelt und sie wollen sie endlich verheiraten. Bill Harken ist ein ehemaliger FBI Agent der übermenschliche Stärke erlangen kann, wenn sein natürlicher Fluchtreflex einsetzt und das Adrenalin durch seine Venen pumpt. Privat leidet er an ständigen Wutausbrüchen und der großen Liebe zu häufigem Alkoholkonsum.

Nina Theroux ist eine Meisterin der Hyper-Induktion, sie beeinflusst durch dirkten Augenkontakt die Willenskraft anderer und bringt sie so dazu genau das zu tun, was sie von ihnen will. Durch mangelndes Vertrauen und der Angst vor ihren Kräften hat sich ihre Familie völlig von ihr entfernt. Sie lebt das lockere Leben, tut was sie will und ist dabei doch innerlich ein völlig einsamer Mensch. Bleibt nur noch Cameron Hicks, der als Exscharfschütze durch seine geschärften Sinne das perfekte Ziel besitzt und so bei unmöglichen Schüssen trotzdem ins Schwarze trifft. Wird er jedoch nervös oder plagen ihn Selbstzweifel, dann trifft er überhaupt nicht mehr. Privat leidet er seit der Trennung von seiner Frau vor allem daran, dass er seinen Sohn viel zu selten zu sehen bekommt.

Zusammengehalten wird diese labile Gruppe von Lee Rosen, der als erfahrener, weiser, unter falschen Entscheidungen in der Vergangenheit leidender Doktor auftritt und dabei vor allem eines ist, menschlich in einer echt sympathischen Art und Weise. David Strathairn spielt diesen bei den Damen gar nicht schlecht ankommenden, teilweise etwas skurril erscheinenden Typen sehr charmant und mit ausreichend Größe, dass man ihm die Kontrolle seiner Leute zu jedem Zeitpunkt zutraut. Die restlichen Darsteller kannte ich zuvor nicht wirklich, doch auch sie machen ihre Sache souverän, natürlich werden sie mit der Zeit (wie die meisten anderen Serien beweisen) auch noch um einiges besser werden.

Die Effekte sehen stylish und modern aus und nur ansatzweise kommen billigere Sequenzen vor, die etwas an den Trashfaktor anderer SYFY-Filme erinnern, an sich aber bewegt man sich hier auf dem eingangs schon erwähnten „Warehouse 13“ Niveau. Die Geschichte ist also bekannt aber gut und meiner Meinung nach noch nicht ausgelutscht, die Charaktere interessant weil sie obwohl sie Alphas sind, mit ihren Problemen nur allzu menschlich erscheinen, die gesamte Optik und Dynamik ist mitreissend und die spannenden Einsätze haben das Zeug dazu, mit einer mehrere Folgen bzw. Staffeln überspannenden Verschwörung für langanhaltende gute Unterhaltung zu sorgen.

Ich bin auf jeden Fall gespannt, wohin sich diese Action/Drama/SciFi Serie hinentwickelt und hoffe, dass sie nicht schon wieder nach ein paar Folgen eingestellt wird. Immerhin gibt es noch einiges zu erzählen: Wer sind die Drahtzieher hinter Rosens Team? Was führt die Regierung im Schilde? Was für Pläne verfolgt die Gruppe der bösen Alphas (wenn es die denn wirklich gibt) und wie kam Rosen eigentlich zu seiner Aufgabe?

Alphas bekommt von mir 8/10 den X-Men nacheifernde Empfehlungspunkte.


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