Caprica (Serienkritik)

Die Zukunft in mehreren Jahrzehnten. Auf den zwölf Kolonien herrscht Frieden.
Durch einen Akt von religiösem Terrorismus sterben die Tochter des anerkannten Wissenschaftlers Doktor Daniel Graystone (Eric Stoltz) und Frau und Tochter des Anwalts Joseph Adama (Esai Morales). Graystones Tochter Zoe (Alessandra Torresani) war jedoch ein Computergenie und hat es geschafft, ihre gesamte Persönlichkeit in einer virtuellen Welt in ein pefektes Double von ihr zu übertragen.

Als ihr Vater dahinterkommt, setzt er alles daran seine Tochter wieder „wirklich“ in die Arme schliessen zu können. Er baut Verteidigungscyborgs für die Regierung sogenannte „cybernetic life-form node“ aka Cylons, und Zoes Technologie der viruellen Persönlichkeitsübertragung könnte sowohl zu einem karrieretechnischem als auch zu einem privaten Durchbruch (indem er ihren Geist in einen der Cyborgs verpflanzt) für Doktor Greystone führen.

Fehlt nur noch ein essentielles Gerät der Konkurrenzfirma, dass Adama für ihn illegal beschaffen soll. Als Anreiz wird auch er seine Tochter wieder in den Armen halten können, und dem Beginn einer faszinierenden Zukunft in der man auf gewissem Level sogar den Tod überlisten kann, wird nichts mehr im Wege stehen.

Caprica

Teile der Geschichte kommen euch irgendwie bekannt vor? Nun, das könnte daran liegen, dass Caprica der Pilotfilm einer Spin Off Serie ist und zwar von der aktuell erfolgreich laufenden Battlestar Galactica Serie. Die Handlung spielt 58 Jahre vor dem Fall der 12 Kolonien durch den Aufstand der Cylonen. Der Pilotfilm war übrigens erfolgreich und so kann man sich Ende dieses – Anfang nächstes Jahr auf die erste Staffel freuen.

Eines gleich mal vorweg. Was die Produzenten von Galactica hier geschaffen haben ist kein Klon der Ursprungsserie (auch kein cybernetischer, haha). Hier gibt es (noch) keinen Krieg, alles wirkt zumindestens oberflächlich steril und sauber. Caprica ist ein Familiendrama im SciFi Gewand mit einer Handlung, die die Zukunft der Menschheit völlig verändern wird. Man verlässt sich hier auf starke Charaktere, moralische Dilemmas gepaart mit sozialkritischen Ansätzen und verzichtet fast gänzlich auf jegliche Form von Action.

Die Effekte sind dabei eindeutig besser als in eigenproduzierten Serien des Sci Fi Channels. Der durchwegs orchestrale Score ist ebenfalls ein grosser Pluspunkt des Films, dadurch kann sich hier eine ganz eigenständige Atmosphäre noch leichter entwickeln. Das bunt gemixte Schauspielensamble aus etablierten Gesichtern und talentierten Jungstars liefert durchwegs tolle Performances ab.

Vor allem Eric Stoltz als von seiner Arbeit und der Liebe zu seiner Tochter besessene Wissenschaftler ist völlig überzeugend. Esai Morales als Mann mit Prinzipien, die er bereit ist zu brechen für die Menschen die er liebt(e), ist ein nicht minder zerissener bzw. interessanter Charakter. Sein Charakter ist übrigens der Vater des späteren Admirals William Adama bekannt aus der Galactica Serie, in Caprica ist er aber noch ein kleiner Junge. Eine wirkliche Neuentdeckung für mich ist aber Alessandra Torresani die Zooey Deschanel ziemlich ähnlich sieht. Hat etwas faszinierendes ihrer Figur der Zoe als Mensch/Hologramm auf dem Weg zum Cylon zuzusehen.

Gut fand ich auch die vielen Ideen. Die Ansätze sind natürlich nicht neu aber in ihrer Päsentation und dem Gesamtmix sehr ansprechend dargeboten.

  1. Es gibt z.b. diesen virtuellen Raum für Jugendliche, indem sie sich gegenseitig schlagen, erschiessen, Drogen nehmen oder miteinander schlafen können, alles fühlt sich echt an doch nichts hat Konsequenzen im realen Leben.
  2. Die meisten Menschen auf Caprica glauben an die Götter und beten diese an.
    Doch es gibt eine Glaubensgruppe im Untergrund, die an einen wahren, allmächtigen Gott glauben.
    Dieser Glaubenskonflikt betrifft auch einige der Hauptcharaktere.
  3. Die „Was würde ich tun wenn ich den Menschen den ich liebe verliere“ Frage.
    Kann ich mich selbst ausreichend belügen, dass ich eine perfekte Immitation eines geliebten Menschen mit all ihren Erinnerungen und Erfahrungen wirklich als Ersatz für eine echte (aber verstorbene) Person annehmen kann bzw. will?
    Und wenn diese Person dann weiss dass sie nur die Kopie eines echten Menschen ist und nicht richtig lebt, wie würde sie damit umgehen?

Man bekommt hier also nicht nur als Galactica Fan etwas Backgroundstory geboten.
Wer grosse Geschichten mag, inklusive menschlichen Dramen und wissenschaftlichen Dilemmas, der ist hier ebenso genau richtig. Wer aber viel Action, Laserduelle oder Raumschiffe erwartet, der wird sicherlich entäuscht werden.
Bin auf jeden Fall schon sehr gespannt auf die Serie.

Caprica bekommt von mir 8/10 cylonische Empfehlungspunkte.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.