5 Days of War (Filmkritik)

Wir schreiben das Jahr 2008. Der anschwellende Konflikt zwischen Georgien und Russland scheint unausweichlich auf einen Krieg hinauszulaufen. Der amerikanische Journalist Thomas Anders (Rupert Friend) reist geneinsam mit seinem Kameramann Sebastian (Richard Coyle) nach Tiflis – der Hauptstadt von Georgien – um über die aktuelle Situation vor Ort zu berichten. Dort angekommen treffen die beiden Männer auf die junge Einheimische Tatia (Emmanuelle Chriqui) , die in Amerika studiert hat und darum die englische Sprache perfekt beherrscht. Gemeinsam machen sich die drei auf, um ihre Familie zu finden und nach interessanten Bildern Ausschau zu halten.

Als die russischen Truppen jedoch über das Land herfallen, geht es längst um mehr als nur mehr authentischen Journalismus, nun geht es ums nackte Überleben. Wie wird der Präsident von Georgien (Andy Garcia) auf diese Angriffe reagieren? Ist ein Krieg unvermeidlich? Und welche Länder werden sich dazu bereiterklären, Georgien bei seinem Kampf um Freiheit und Unabhängigkeit zu unterstützen?

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„Das erste Opfer des Krieges ist die Wahrheit“! Das steht nicht nur auf dem Plakat dieses Filmes, so ist man auch an die ganze Geschichte herangegangen. Nirgends steht „nach einer wahren Begebenheit“ drauf (auch wenn der erzählte Konflikt der beiden Länder nicht erfunden wurde) und auch die Amerikaner spielen sich hier ausnahmsweise mal nicht als die Retter der Menschheit auf. Dies könnte natürlich auch am finnischen Regisseur Renny Harlin liegen der sich durchaus bewusst ist, dass es im Krieg nur Verlierer gibt und auch die sogenannten weiß strahlenden Guten und schwarz funkelnden Bösen längst grau durch die Gegend stapfen.

Harlin kennt man ja vor allem durch seine Actionfilme „Stirb Langsam 2“ mit Bruce Willis, „Cliffhanger“ mit Sylvester Stallone oder etwa „Deep Blue Sea“ und „Tödliche Weihnachten“ mit Samuel L. Jackson. Seit über 30 Jahren die der gute Mann bereits im Geschäft ist, hat er zwar nicht immer gute Ware abgeliefert (siehe „Driven“ oder „Exorzist Der Anfang“), doch augenscheinlich eine ziemliche Erfahrung angesammelt, was das Gestalten von Actionsequenzen in Filmen angeht.

Die wirklich mitreißende Anfangsszene saugt einen förmlich in den Film hinein, ganz ohne extreme Wackelkamera oder zu schnelle Schnitte. Harlin vermittelt hier das eindrucksvoll realistische Gefühl, sich mitten in der Schiesserei zu befinden. Genau wie bei der kurz darauf folgenden Bombadierung einer harmlosen Hochzeitsgesellschaft. Die Wucht der Szenen bläst dich hier förmlich von den Füssen. Den gesamten Film über bleiben visuell die Actionszenen das klare Highlight.

Um wieder mal an die Bestie Mensch erinnert zu werden, damit wir uns alle nicht zu gut vorkommen, ist dieser Film auch gut geeignet. Wie sagt doch einer der Reporter hier so schön plakativ: „Genozid in mehreren Ländern wird toleriert und nichts dagegen unternommen, aber wehe wenn jemand sein Kabelfernsehen verlieren würde, da wäre sofort die Hölle los“. Neben den psychischen Grausamkeiten sind auch Kinder mit abgesprengten Beinen und zahlreiche andere Kriegsverletzungen zu sehen, da einer der Hauptdarsteller hier meistens die Kamer draufhält.

Was zum nächsten angeschnittenen Thema führt. Was will das Fernsehpublikum sehen? Leid? Schmerzen? Das große Gefühlsdrama? Richtig! Wann filme ich nun eine Situation und wann schaue ich dezent weg? Ist das Filmen von Exekutionen und die Weiterleitung des Materials an eine Menschenrechtsorganisation heldenhaft oder hätte man da mehr tun können oder wäre der Versuch einer Rettungsaktion wirklich eine selbstmörderische Aktion gewesen? Fragen werden mehrere aufgeworfen doch gibt der Film hier keine Antworten sondern regt Interessierte eher dazu an, nach Ende des Gesehenen noch heftig weiterzudiskutieren.

In der Hauptrolle liefert der Engländer Rupert Friend eine überzeugende Performance als Amerikaner ab (klingt lustig, ist aber so). Unnahbar, innerlich zerrissen, ängstlich und doch nur auf der Suche nach Liebe, ein ganz normaler Typ wie wir alle eben. Seine Reportagen aus immer gefährlicheren Gebieten lindern die Schmerzen in seiner Seele, bis ein Auftrag mal zu gefährlich sein wird. Der in Georgien könnte so einer sein. Mit seinem von Richard Coyle („Prince of Persia“) angenehm menschlich und sympathisch gespielten Partner hat er eine ziemlich gute Chemie, genau wie mit seinem möglichen Love Interst Emmanuelle Chriqui, als auch in auswegslosen Situationen starken Dame. Heather Graham, Val Kilmer, Andy Garcia und Antje Traue („Pandorum„) sind in Nebenrollen mit dabei und machen allesamt ihre Aufgaben gut.

Was bleibt ist ein toll inszenierter, als Antikriegsfilm getarntes Actionspektakel, dass zwar nicht ohne Schwächen ist (eine unnötige mögliche Liebe für die Hauptprotagonisten, die wie immer bösen Russen als Klischeefeind und der Einsatz von etwas zu pathetischer Musik zum Beispiel), doch eindeutig Pluspunkte dank der fast völligen Abwesenheit von Kitsch und amerikanischem Patriotismus sammeln kann.

5 Days of War bekommt von mir 7/10 niemals ganz die Hoffnung verlierende Empfehlungspunkte.


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