Rockn Rolla (Filmkritik)

In der londoner Unterwelt führt kein Weg an Lenny Cole (Tom Wilkinson) vorbei.
Er weiß genau wen er bestechen muss um zu bekommen was er will und er zieht dabei gekonnt überall seine Fäden im Hintergrund. Gerade macht ihm jedoch ein sieben Millionen Euro schwerer Deal mit dem steinreichen Russen Uri Omovich (Karel Roden) zu schaffen. Uri hat Lenny nämlich während der Vertragsverhandlungen sein Glücksgemälde geborgt, und dieses Bild wurde von Lennys Stiefsohn und Rockstar Johnny Quid (Toby Kebbell) gestohlen, obwohl Johnny doch angeblich tot ist. Uri hat in der Zwischenzeit seine eigenen Probleme, da die von für die Beschaffung des Geldes verantwortliche, geschäftstüchtige Dame (Thandie Newton) eine Gruppe von Kleinverbrechern namens „The WIld Bunch“ (unter ihnen auch Gerard Butler) angeheuert hat, um selber an das Geld heranzukommen.

Rockn-Rolla

Mit RocknRolla kehrt das einstige, englische Regiewunderkind Guy Ritchie neun Jahre nach Snatch wieder zu dem Genre zurück, dass er am besten beherrscht – dem Gangsterfilm. Nach dem Totaldesaster mit seinem Film Swept Away, in dem auch seine Exfrau Madonna dabei war (ich kann Madonna echt nicht leiden), hatte ich ja schon meine Zweifel ob er jemals wieder erfolgreich zurückkehren würde. Erfreulicherweise ist RocknRolla einer der besten Guy Ritchie Filme geworden, was aber noch nichts über die Qualitäten des Film an sich aussagt. Dafür, dass er damals Jason Statham entdeckt hat, werden wir Mister Ritchie aber natürlich ewig dankbar sein.

Wie so oft in Ritchie Filmen findet man hier viel Stil, coole Sprüche, Gewalt die Spass machen soll und mehr oder weniger smarte Sprüche am laufenden Band. Ich will ja nicht behaupten schlecht unterhalten worden zu sein, aber irgendetwas fehlt hier, man könnte es auch als Substanz bezeichnen. Passend zum im Film dauernd Drogen konsumierenden Charakter des Johnny Quid, wirkt der ganze Film wie ein einziger Trip, aber einer der schlechteren Sorte. Man wird zwar high beim Betrachten, doch wenn der Film vorbei ist bleibt genau nichts hängen bis auf ein oder zwei coole Kameratricks bzw. schräge Situationen. Spannung kommt auch nicht wirklich auf, das liegt auch daran, dass man die meisten Personen zwar nicht hasst, aber auch nicht wirklich gerne hat.

Gerard Butler als der Anführer des Wild Bunch namens One Two sammelt noch am meisten Sympathiepunkte bei mir, was aber weniger an seiner Rolle als an dem Schauspieler selbst liegt. Spätestens nach 300 muss man ihn einfach gerne haben.
Die restlichen Darsteller sind allesamt gut und übercool in ihrem Auftreten, Tom Wilkinson ist dabei herrlich überheblich, und Mark Strong als seine rechte Hand Archie (er fungiert auch als Erzähler der Geschichte) liefert einen angenehm stoischen Gegenpart dazu ab.

Die Optik ist einwandfrei, schnelle Schnitte, interessante Farbtöne und teilweise ungewöhnlichere Kameraeinstellungen geben dem Film die eigenständige Guy Ritchie Grundstimmung, die wir all die Jahre vermisst haben. Auch schrägen Humor findet man (wenn auch zu wenig für meinen Geschmack). Dass der Film die Erwartungen des Trailers bei mir nicht erfüllen konnte liegt im Endeffekt auch daran, dass der Film zwar die Regeln dehnt, sie aber nie bricht, da es ja viel wichtiger ist beim dehnen der Regeln wirklich lässig auszusehen. Ein handwerklich spitze gemachter, europäischer Gangsterfilm der einmal gut zu unterhalten weiß, ist aber trotzdem dabei herausgekommen.

Am Ende noch ein kleines Zitat zur Abschreckung für allzu geizige Menschen.
Lenny: „That´s the thing about greed. It´s blind and it doesn´t know when to stop.“

RocknRolla bekommt von mir 6/10 Style über alles stellende Empfehlungspunkte.


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