Good Boy (Filmkritik)

Indy macht sich Sorgen, denn seinem Herrchen geht es nicht gut. Er scheint krank zu sein, verbringt manchmal den ganzen Tag im Krankenhaus und spuckt Blut. Das allein ist ja schon ein Grund, um unsicher zu werden.

Aber das ist nicht alles, denn immer wieder hat Indy das Gefühl, dass hier noch jemand oder besser: noch etwas hier im Haus ist. Immer wieder sieht er Dinge, Schatten, die scheinbar nach seinem Herrchen greifen und die Schatten tauchen immer öfter auf und kommen immer näher …

Es ist erstaunlich, was Autor und Regisseur Ben Leonberg hier mit diesem Film abgeliefert hat, denn – wie der Titel ja andeutet – die Hauptperson aus deren Sicht der Film erzählt wird, ist die des Hundes. Ja, Indy ist der Hund. Vermutlich ist der Name auch eine nette Hommage an Indiana Jones, aber das ist eine andere Story.

Nun, der Film ist scheinbar in einem Zeitraum von knappen drei Jahren gedreht worden und wem die Prämisse, hier einen Film zu sehen, der zu einhundert Prozent aus der Sicht eines Hundes gedreht wurde, zu schräg oder langweilig vorkommt, dem oder der sei gesagt: Nein. Im Gegenteil. Das ist einerseits das einzige Alleinstellungsmerkmal des Films und dazu kommt auch noch, dass – und glaube kaum, dass ich das schreibe – der gute Hund Indy einfach großartig spielt. Ja. Lest den Satz nochmals. Der Hund spielt großartig. Die Mimik und die Bewegungen – wow, sag ich nur.

Wie bereits erwähnt – über einen Zeitraum von drei Jahre gedreht. Da muss man auch den Hut vor dem Regisseur Ben ziehen, denn ich denke, es war nicht einfach all die Szenen mit dem Hund so zu drehen, dass alles passt und sie die Wirkung haben, die sie haben.

Zugegeben, die Story ist so lala und wenn sich am Ende dann abzeichnet, was eigentlich los ist und was Indy da immer wieder sieht, dann ahnt man das schon sehr sehr lange vorher. Auch gibt es ein paar Dinge, die im Film vorkommen, die wohl einfach bewusst als falsche Fährten gelegt wurden und die eigentlich völlig unnötig waren, weil sie im Kern nichts beitragen.

Die Menschen sieht man nur ganz selten und wenn, dann so wenig wie möglich die Gesichter. Ich hätte es auch mutig gefunden, wenn man nicht verstanden hätte, was sie reden, aber das wäre dann wohl das letzte Tüpfelchen auf dem I gewesen, welches das Publikum vermutlich eher abgeschreckt hätte.

Dazu kommt, dass ich mir nicht sicher bin, warum genau Indy ein „Good Boy“ ist, denn tatsächlich – und das ist jetzt ein kleiner Spoiler – er tut nichts, um sein Herrchen zu warnen oder zu retten. Ich kann mich jetzt nicht erinnern ihn mal irgendwann bellen gehört zu haben, so als Warnung oder so. Indy ist eigentlich ein ziemlich … ruhiger Hund. Abwartend. Beobachtend. Also ziemlich anders als die Hunde, die ich kenne. Natürlich: Das kann auch an den Besitzer:innen liegen. Was weiß ich.

Die Kameraarbeit ist super, die Effekte sehen gut aus und – ja, ich wiederhole mich – man sieht Indy einfach gern zu, weil er wirklich eine grandiose Mimik hat. Und die zählt hier einfach als wichtigster Punkt. Egal, ob er nachdenklich wohin blickt, sein Ohr zuckt oder er erschrocken aus dem Schlaf hochschreckt – das ist einfach alles ein Hammer.

Wie man es also dreht und wendet: Ja, der Film ist unerwarteterweise wirklich sehenswert und die Story bzw. deren Auflösung ist mehr oder weniger sekundär, aber das macht hier überhaupt nichts aus. Zu kompliziert hätte es ja eh nicht werden dürfen, denn sonst hätte der Hund wohl nicht mitgespielt. Und noch ein kleiner Spoiler, weil es ja Leute gibt, die völlig durchdrehen, wenn Tieren bzw. Hunden in Filmen etwas passiert: Keine Angst, Indy überlebt den Film.

Alles in allem holt „Good Boy“ so ziemlich alles aus der Prämisse „Hund ist Hauptperson“ raus, was es rauszuholen gibt. Nochmals: Hut ab!

„Good Boy“ bekommt von mir 7 von 10 möglichen, auf jeden Fall eine interessante Einmalsichtung wert seiende, Punkte.


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