Good Dick (Filmkritik)

Eine etwas eigentümlich wirkende junge Dame (Marianna Palka) kommt jeden Tag in eine Videothek und borgt sich dort Erotikfilme aus. Einer der vier in der Videothek arbeitenden Jungs (Jason Ritter) findet sie faszinierend und besucht sie mittels der im seinem Verleihsystem befindlichen Adresse zu Hause. Die Frau reagiert anfänglich ängstlich und zurückweisend auf seine Besuche, doch langsam nähern sich die beiden an und er darf sogar bei ihr auf der Couch übernachten. Bald besucht er sie schon täglich und sie sehen sich gemeinsam nicht gerade jugendfreie Filme an und gehen dann einfach schlafen.
Die ersten Probleme treten auf, als er ihren Lebenstil kritisiert, da sie nie außer Haus geht, keinen Job hat und nur vom Geld ihres Vaters lebt. Außerdem möchte er gerne eine „normalere“ Beziehung mit ihr, aber das wird er wohl nie bekommen, oder vielleicht doch?

Good-Dick

Good Dick ist ein Liebesfilm, gemischt mit Drama und Komödie und lief 2008 auf dem Sundance Filmfestival. Marianna Palka hat hier das Drehbuch verfasst, Regie geführt und die namenlose Hauptfigur gespielt. Jason Ritter, ihr Freund im wahren Leben, übernahm die Rolle ihres nicht abzuwimmelnden, ebenfalls namenlosen Verehrers.

Gleich mal vorweg, der Titel lässt auf einen etwas anderen Film schliessen, doch über Sex wird zwar viel geredet, es geht aber nicht darum auch etwas von dem gesprochenen zu zeigen. Ich mag ja Liebesfilme bzw. Komödien eigentlich nicht sehr, doch diese zwei schrägen Personen in diesem Film sind weitaus erfrischender als die meisten Paare, die ich jemals auf der Leinwand gesehen habe. Marianna Palka spielt die psychisch gestörte Frau wirklich toll, sie schwankt zwischen kindlichem Gekreische und ziemlich erwachsenen, verletzenden Sprüchen hin und her, weiß sich aber nicht anders zu helfen, da sie mit der gesamten Außenwelt völlig überlastet ist. In der Nacht kann sie nicht gut schlafen, und die Momente in denen sie sich beim Anschauen der ausgeborgten Erotikfilme selbstbefriedigt, können über die Sinnlosigkeit ihres Daseins auch nicht hinwegtrösten.

Jason Ritter als liebenswerter Loser, der in seinem Auto schläft, einen schlecht bezahlten Job hat, mit seinen drei einzigen Freunden und Arbeitskollegen über die unerträgliche Leichtigkeit des Seins philosophiert und dabei trotzdem immer optimistich und lebensbejahend bleibt, liefert einen großartigen Gegenpart zu ihr ab. Er lügt anfänglich wie gedruckt um seiner Liebe näherzukommen, doch das verzeiht man ihm als Zuseher sofort, wenn man sieht wie gut er ihre nicht gerade netten Worte wegstecken kann.
„Du bist ekelhaft“ oder „ich kann dich nicht leiden“ sind eben nicht gerade die Sätze, die man von seiner Angebeteten gerne hören möchte.

Dass Good Dick so authentisch wirkt, liegt wohl auch daran, dass das Filmpaar auch in Wirklichkeit ein Paar ist. Marianna Palkas Regiedebut ist somit eine runde Geschichte geworden, nicht immer leicht anzusehen, doch als Belohnung für schwierigere Szenen gibt es auch des öfteren etwas zu lachen, einfach nur weil die Gesamtsituation insgesamt so herrlich skurril wirkt. Wer also einen etwas anderen Liebesfilm sehen möchte, mit einigen schrägen Momenten und nicht weniger seltsamen Menschen, der sollte bei diesem Dick zugreifen (sorry aber das musste jetzt wirklich sein).

Am Ende noch ein kleines Zitat gegen das ich spontan kein Gegenargument weiß (zum Glück hatte noch nie eine Frau so ein Gespräch mit mir).
„When have you ever seen a dick that looked nice or smelled nice?“

Good Dick bekommt von mir 6,5/10 sich dessen nicht bewusst seiende aber trotzdem liebesbedürftige Empfehlungspunkte.


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