Stone Cold Fox (Filmkritik)

Irgendwann in den 80er Jahren. Fox (Kiernan Shipka) ist nach ständigen Streitereien mit ihrer Mutter von zu Hause weggelaufen. Sie lebt mehr oder weniger auf der Straße vor sich hin, bis Goldie (Krysten Ritter) auf sie aufmerksam wird und sie unter ihrer Fittiche nimmt.

In ihrer Kommune befinden sich noch vier weitere verlorene Seelen und obwohl Goldie für Fox zur ersten großen Liebe wird ist ihr dennoch klar, dass sie unter dem Regime einer Frau, die ihr Geld mit Drogengeschäften verdient, auf die Dauer nicht glücklich sein wird…

Nach diversen Rollen innerhalb des Filmgeschäftes (u.a. Szenenbildnerin, Artdirektorin) und der Regie bei einigen Kurzfilmen, ist dies das Spielfilmdebüt von Sophie Tabet, bei dem auch die Story und das Drehbuch von ihr stammen und sie als Produzentin fungiert hat. Um es gleich vorweg zu nehmen: man bekommt hier in Summe einen „mixed bag“, denn manche Filme mixen Tragik und Humor sehr gekonnt, doch hier funktionieren sie eher nebeneinander, wie zwei unterschiedliche Welten.

Man kann das auch vom 80er Jahre Setting ableiten, dass für die Handlung nicht wirklich wichtig ist. Es geht viel mehr darum, eine bestimmte Stimmung einzufangen, also das Style over Substance Prinzip. Als Vergleich nehme ich kurz Boy Kills World her, der völlig über der Normalität funktioniert, die emotionalen Szenen, ihn aber in der Realität verankert haben und sich echt angefühlt haben. Hier sind sie eher wie ein Fremdkörper gestaltet, die man hinter sich lassen möchte.

Da es sich um eine Trauma handelt und man dieses ja nicht verdrängen sondern verarbeiten und dann mit dem Leben weiter machen sollte, könnte das auch von Tabet durchaus gewollt sein, aber gespürt hab ich es nicht. Was sich jedoch wie eine echte Bedrohung anfühlt, ist neben einem korrupten Cop klar die Sektendynamik und wie sich eine starke Persönlichkeit zur Lösung aller Probleme stilisieren kann, obwohl sie nur eine Puppenspielerin ist, die deinen Faden jederzeit durchtrennen kann.

Sehr gut haben für mich die schrulligen Nebenfiguren funktioniert (obwohl einige verschenkt sind), wobei Mishel Prada (The Continental) als Combat Nurse Frankie mit „Posttraumatischer Belastungsstörung“, klar ein Highlight darstellt. Sie und ihr Actionfilme liebenden „Bruder“ und die mit ihnen verbundene Trainingssequenz, mit Wurfsternen und Nunchakus, das macht einfach Laune. Was dabei völlig verloren geht, ist das Gefühl Fox müsste sich beeilen, weil sie ja gesucht wird und gleichzeitig Jemanden retten will.

Das macht die Szene an sich nicht weniger unterhaltsam, soll nur ein weiterer Hinweis darauf sein, dass hier nicht alles zusammen passt. Karen Fukuhara (Suicide Squad) so richtig gar nichts zu tun zu geben und Jamie Chung (The Misfits) kaum etwas, ist dabei eher noch eine echte Schande. Dafür darf Krysten Ritter (Jessica Jones) schön manisch, manipulativ und machthungrig agieren und Kiefer Sutherland (The Contractor) dominiert als eiskalter Dirty Cop sämtliche seiner Momente.

Kiernan Shipka (Red One) ist wie so oft lakonisch unterwegs (ich glaube langsam, sie ist einfach so), ihre eigene Energie als Fox, wie sie immer weiter macht ohne Perspektive oder besondere Fähigkeiten und dennoch ständig die richtigen Leute findet, die ihr helfen, das ist schon spannend so. Sie ist der Charakter, der zwischen drinnen sein und Metaebene wechselt und dass das wiederum funktioniert, liegt zum großen Teil an Shipkas lässig unterkühlter Power.

Auch auf Grund des Finales, bei dem doch überraschenderweise Unerwartetes ans Tageslicht kommt und den letzten Szenen, habe ich den Film als Ganzes gerne gesehen. Wäre man hier die reine Unterhaltungsschiene gefahren, ohne dem Versuch Tiefe zu erzeugen, mir hätte es wohl noch besser gefallen. Allein wegen der Optik, der Eigenheiten und den „eigenständig seltsamen“ Nebenfiguren, kann man aber auf jeden Fall einen Blick riskieren.

„Stone Cold Fox“ bekommt von mir 6/10 um Jemanden retten zu können, nicht immer auch anwesend sein müssende Empfehlungspunkte.


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