Eve (Ana de Armas) musste als kleines Mädchen miterleben, wie ihr Vater, während er sie vor einer mysteriösen Organisation beschützen wollte, ums Leben gekommen ist. Sie tritt daraufhin wie ihr Vater zuvor den Ruska-Roma bei und hat in den letzten zwölf Jahren, die Kunst des Tötens perfektioniert.
Aktuell ist sie jedoch ihrem wahren Lebensziel so nahe wie nie zuvor, denn sie will die Verantwortlichen für ihr tragisches Kindheitserlebnis, zur Strecke bringen. Der Anführer dieser Gruppe, der Mann den sie Kanzler (Gabriel Byrne) nennen, hat jedoch ein Abkommen mit den Ruska-Roma, dass sich beide Organisationen, nicht in die Quere kommen…

Das John Wick Universum abgesehen von den vier erfolgreichen Filmen und den drei Folgen der „The Continental“ Serie noch weiter zu einem Franchise ausbauen zu wollen, ist für Hollywood mehr als nur logisch. Dieses Spin-Off mit weiblicher Protagonistin von Regisseur Len Wiseman (Underworld), hat jedoch 90 Millionen Dollar gekostet und nur circa 137 Millionen, wieder eingespielt und gilt deshalb als Flop.
Aus meiner Sicht, hat er das überhaupt nicht verdient und ich muss kurz drei der möglichen Gründe nennen, da es mir am Herzen liegt. Erstens mal finden so subversivere Titel, nur Nerds cool (wie ich eben), aber die breite Masse weiß nicht, dass ein Film namens Ballerina, ein Action-Abenteuer sein soll, auch wenn John Wick dabei steht (der Name sagt einigen sicher gar nichts). Zweitens gibt es sicher viele Fans, die nur wegen John Wick in einen John Wick Film gehen und hier ist er ja nur ein kurzer Gast.
Das klingt vielleicht lächerlich, aber hier ein sogenanntes „Killer-Argument“: warum hat es all die Jahre kein Spin Off von James Bond gegeben? Richtig, weil da Bond nicht dabei gewesen wäre und keiner hätte es sich angesehen. Drittens und das ist für mich sehr schade, haben die von Disney geschädigten Fans, bei dem Film wohl die Anwendung der „Girl Boss Charakter, der wieder mal eine männliche Figur ersetzen soll“ Methode vermutet. Das Labeling ersetzt dabei wieder mal klar, den Diskurs.
Mittlerweile gehen mir Menschen, die alles wo eine Dame in der Hauptrolle ist als „woke“ bezeichnen gleich stark auf die Nerven wie jene, die diesem Unwort alle Ehre machen. Konkret meine ich damit Szenen, in denen eine zierliche 150 cm große Dame, einen zwei Meter großen Muskelprotz durch die Gegend schleudert. In dieser oder ähnlicher Form nenne ich das auf die letzten Jahre bezogen, ein Disney-Drehbuch.
Um nun endlich zum Film zu kommen: Ballerina könnte man durchaus als anti-woke bezeichnen und ab jetzt folgen auch Spoiler. Wie man schon im Trailer hört, wird Eve immer schwächer sein, als ihre männlichen Gegner, weswegen sie „wie ein Mädchen“ kämpfen soll. In den Kämpfen wird sie dann auch geschlagen und durch die Gegend geschleudert, sie gewinnt dann neben ihrer Kampfkunst und ihrem Willen aber vor allem deswegen, weil sie neben Pistolen und Gewehren, auch sämtliche andere Gegenstände als Waffen einsetzt.
Das ist richtig effektiv, liefert innovative Action-Sequenzen und ist für mich auf eine überraschende Art und Weise erfrischend. Dann wäre da der kurze Kampf Eve gegen Wick. Der ist von Respekt gezeichnet und man sieht in ihren Augen, dass sie weiß, dass sie ihn nicht besiegen kann. Eve fühlt sich eben an wie ein Mensch und der bleibt sie auch, wenn sie hunderte Gegner erledigt, eben gerade auch weil das nicht spurlos an ihr vorüber geht.
Von dem explosiven Rückblick zu Beginn über die Entwicklung von Eve, der Ausführung der Rachestory (altbekannt, fühlt sich hier aber auch nie so an) bis hin zu dem Finale, bei dem Eve im Prinzip gegen so gut wie alle Bewohner eines Dorfes kämpft, von dem ruhigeren Start hin zum überdrehten Wick-Style Finish, das ist stimmig, zu keiner Sekunde fad und nutzt die Settings so wie die Darsteller einfach perfekt aus.
Ana de Armas (Ghosted) als Eve ist eine Mischung aus stahlhart, charismatisch und verführerisch und sie überzeugt nicht nur bei der Action, sondern schaltet blitzschnell auf ihren menschlichen Modus um, wo ihre Augen einfach Wärme ausstrahlen. Sie als Zuschauer nicht unterstützen zu wollen, ist eigentlich unmöglich. Ansonsten erfreuen vor allem die wiederkehrenden Gesichter, neben Keanu Reeves vor allem Ian McShane als Winston.
Das ergibt in Summe einen Actionfilm, der vom SetUp, über die Schauplätze, die Interaktionen, die Martial Arts Sequenzen, die unterschiedlichsten Waffen bis hin zu den Darstellern für mich alles richtig gemacht hat. Das ist „Dauer-Action“, die niemals langweilig wird und ich mir gerne mehrmals ansehen möchte. Schade finde ich nicht, dass es nicht weiter geht (weil es so wie es ist stimmig abgeschlossen ist), sondern warum es nicht weiter geht (siehe oben genannte Gründe).
„Ballerina“ bekommt von mir 8,5/10 sich mit der nötigen Eleganz durch dieses blutige Ballett tanzende Empfehlungspunkte.


