Ein kleiner Neustart schadet doch nie? Maya (Madelaine Petsch) und ihr Freund Ryan (Froy Gutierrez) wagen ihn auf jeden Fall und sind deshalb mit ihrem Auto zu einem Job-Interview unterwegs und feiern dabei gleichzeitig ihren Jahrestag. Leider werden sie auf Grund eines Defektes dazu gezwungen, eine Nacht in einem Airbnb in Oregon zu verbringen.
Was eine romantische Nacht in der Einöde sein könnte, wird schon bald zu einem Kampf um Leben und Tod, als drei maskierte Figuren auftauchen. Die sind zusätzlich auch noch bewaffnet und haben scheinbar nur ein Hobby und das ist Jagd auf Menschen zu machen…

So, ihr kennt das von mir ja schon, aber zu Beginn muss ich nun etwas ausholen. The Strangers stammt aus dem Jahr 2008 und lebt vor allem von der spannenden Atmosphäre. Zehn Jahre später folgte mit anderen Darstellern und neuem Regisseur der viel brutalere The Strangers: Prey at Night, den manche viel schwächer finden und andere wiederum mittlerweile als Kult feiern. Danach wurde es wieder ruhig um das Franchise, bis eine neue Trilogie angekündigt wurde.
Chapter 1 kam 2024, im folgenden Jahr Chapter 2 und Anfang 2026 nun Chapter 3. Regie dabei führt Renny Harlin (The Bricklayer), was auf Grund seiner letzten, sehr mittelmäßigen Filme, bei Fans nicht gerade Freudenschreie hervor brachte. Es folgten erste Reviews und die Teile in Summe wurden von einigen Kritikern – oder nennen wir es lieber „dem Internet“ – als die schlechteste Trilogie aller Zeit bezeichnet.
Abgesehen von diesem Vorwissen, sollte man zu meiner Herangehensweise, noch drei entscheidende Dinge wissen. Erstens sind Slasher bei mir ein sehr beliebtes Subgenre. Zweitens habe ich die früheren beiden Strangers-Teile nicht gesehen. Drittens habe ich mir – und es sollte ja ursprünglich auch nachträglich einen Supercut geben, also alle drei Filme als ein langes Solo-Erlebnis, was auf Grund all des Hasses, so wohl nicht mehr passieren wird – alle drei Teile (nicht an einem Tag) angesehen, bevor ich meine Reviews dazu geschrieben habe.
Das verändert meine Sichtweise auf das große Ganze und Vergleiche mit dem Original, kann ich wie ihr ja eben gelesen habt, auch keine liefern. Was mich zum Film selbst bringt, der es wohl dennoch am Schwersten von allen drei Chaptern hat, da er im Prinzip eine Neuauflage des Erstlings ist. Was für mich das Unangenehmste dabei ist, ist die reine Zufälligkeit der Aktionen. „Warum macht ihr das“ mit „weil ihr hier seid“ zu beantworten, zeigt wie unheimlich willkürlich Gewalt-Verbrechen an sich sein können.
Ein ausgeklügeltes Rache-Motiv zu haben ist eine Sache, aber es dem Zufall zu überlassen und ohne Ausnahme jeden zu jagen, der sich in einem bestimmten Haus einnistet, dieser Nihilismus, der ohne viel Sadismus dafür mit reichlich Empathielosigkeit auskommt, hat eindeutig etwas irritierendes an sich. Was die Reaktionen der beiden Opfer betrifft, da finde ich den Wechsel schön zwischen überlegt handeln, weil sie nachdenken konnten und dumme Entscheidungen treffen, weil sie die Panik übermannt hat.
Der Bodycount bleibt gering, die Brutalität hält sich in Grenzen und das Finale – ab jetzt sind Spoiler nötig – ich mag, dass sich die Strangers nicht mit ihnen spielen. Die geben ihnen Zeit noch kurze letzte Worte zu wechseln und stechen dann jeweils einmal mit dem Messer zu. Sollte das Jemand überleben weil die Rettung bald genug kommt, dann geht das Spiel einfach weiter, siehe Teil 2. Das ist kein Höhepunkt oder PayOff, aber es passt sehr gut zu diesen seltsamen Maskentypen (sozusagen ausbluten lassen statt sofort zu töten).
Ich werde im zweiten Teil noch weiter darauf eingehen, aber es zeichnet sich hier schon ab, das ist eine Madelaine Petsch (Polaroid) Show. Wie natürlich sie ihre Normalität spielt und ihre Angst, mit der sie völlig überfordert ist, ich hatte dabei immer das Gefühl, dass der Terror in ihren Augen echt ist und sie ihn nicht verdient hat. Tut sie auch nicht, ist nämlich random und so. Alleinstehend ist dieser Film weder innovativ noch extrem spannend oder brutal. Das Ende fühlt sich sehr offen an – Maya lebt, aber die Killer sind ihr auf den Fersen.
Was ihn für die Trilogie wichtig macht, ist der Schnitt für Maya, das Ende der Normalität für sie. Hier ist sie ein Opfer, doch erste Anzeichen zu ihrem Wandel zur Kämpferin, wurden bereits gesät. Für alle Hater da draußen: natürlich ist es bei so etwas wie den Strangers nicht mein Anspruch, den Film zu verteidigen – langweilig, da passiert zu wenig, keine Erklärungen – ich verstehe die Kritik aber gerade was Slasher betrifft gibt es so viel Material, dass ganzheitlich schlechter ist als das hier, aber egal, man muss eben nicht alle Leute verstehen, schon gar nicht Masken tragende Fremde.
„The Strangers: Chapter 1“ bekommt von mir 5/10, die Idylle der Kleinstadt als Spielwiese für Menschenjagd nutzende Empfehlungspunkte.


