Indiana Jones und das Rad des Schicksals aka Indiana Jones and the Dial Of Destiny (Filmkritik)

Indiana Jones (Harrison Ford) ist alt. Er ist müde. Er ist aus der Zeit gefallen. Seine Frau will sich scheiden lassen. Sein Sohn ist tot. Er ist in Pension. Er hat keinen Auftrag mehr.

Da taucht plötzlich seine Patentochter Helena (Phoebe Waller-Bridge) auftaucht und ihn daran erinnert, das er mit ihrem Vater vor vielen Jahren im zweiten Weltkrieg ein Artefakt gefunden hat: Die Wählscheibe des Archimedes. Durch sie kann man angeblich durch die Zeit reisen.

Das ist auch der Grund, weshalb nicht nur Helena hinter ihr her ist, sondern auch ein Nazi namens Dr. Voller (Mads Mikkelsen). Der hat außerdem noch eine Rechnung mit Dr. Jones offen …

Ich finde es ja immer noch spannend, dass man diesen Teil hier als fünften Teil bezeichnet, weil es ja in meiner Welt keinen vierten Teil gegeben hat. Deshalb war ich auch überrascht, also die Rede von seiner Ehefrau und einem Sohn war, weil … ach. Mist. Danke an Lucasfilm, dass ich dazu gezwungen bin, hier offiziell zuzugeben, dass es einen vierten Teil gibt. Und er war … eine Frechheit. Deshalb kann ich hier und jetzt sagen: Ja, es gab einen vierten Teil. Und ja, dieser Teil hier ist besser. Was jetzt nicht schwer ist, wenn man ganz ehrlich ist. Die Liste an Dingen, die im Vorfeld schief gelaufen sind, ist wirklich, wirklich lang.

Aber das bedeutet nicht, dass dieser Teil hier besonders gut ist. Tatsächlich dauert der Film knappe 2 1/2 Stunden und ich an Stelle der Regisseure hätte eine Stunde rausgeschnitten. Es gibt hier einfach viel Material, dass ich in keiner Weise gebraucht hätte.

So beginnt der Film mit knappen 30 Minuten Vorgeschichte, die erzählt was im zweiten Weltkrieg passiert ist. Das ist ein eigener, kleiner Minifilm, der schon mal die Grenzen der Glaubwürdigkeit aus dem Fenster wirft. Vermutlich um den typischen Indy-Action-Charme einzufangen, der die ersten drei Teile so toll gemacht haben. Action, die cool aussieht, Indy, der mehr oder weniger durchstolpert und interessante Lösungen findet, und Musik, die das Indy-Thema ausreizt. Also, leichte, coole Unterhaltung.

Nein. Leider nicht.

Zum einen funktioniert Indys „Glück“ zu oft wie wirklich schlimmer Slapstick und zum anderen wird die Sache zu ernst gespielt. Wirklich ernst. Blut. Tote. Drohungen. Folter. Das kam zwar bei anderen Indys auch vor, aber hier wirkt das alles ernster. Kombiniert mit den Slapstick-Momenten ergibt das eine Kombination, die für mich nicht funktioniert hat.

Und dann sind wir in der Jetzt-Zeit. Und die erste Szene in der wir Indy sehen, läuft wie folgt: Ein offensichtlich alter Mann über 70 sitzt in seinem Unterhemd und Boxer-Shorts vor dem Fernseher. Die Nachbarn drehen Musik auf, woraufhin der alte Mann einen Baseball-Schläger (!) schnappt, bei den Nachbarn anklopft und nett darauf hinweist, dass die Musik leiser gehört.

Ja. Ihr lest richtig. Ich verstehe, dass man – wenn man den Film anhängen will, den man dann ja angehängt hat – man diese Szene braucht. Aber ich hätte keinen Indy-Film gebraucht, der meinen alten Helden als fertiges Wrack zeigt. Ich weiß, der vierte Teil war da schon gut dabei, aber tatsächlich hatte ich mit Indy im letzten Teil das kleinste Problem. Hier … puh. Ja, es wird dann besser, aber bis wir dahin kommen dauert es einfach viel zu lange. Später, als Indy dann im Indy-Modus ist, da wird es dann cool und man hat wirklich einige richtig coole Indy-Momente. Die aber alle wieder abstürzen.

Ich werde nie verstehen, worin der Reiz liegt, meine alten Helden (oder: unsere alten Helden) wieder auf die Leinwand zu bringen, nur um zu zeigen wie sie alle gescheitert und bitter sind. Das war bei Star Wars für mich schon ein Wahnsinn und hier ist es das gleiche. Schade.

Ich hatte mir – als ich gelesen hatte, das James Mangold die Regie übernimmt – ein wenig mehr erwartet. Der Film ist weder besonders gut, noch besonders schlecht an sich. Aber als Indy-Film kann ich ihn nicht ernst nehmen. Tut mir leid. Auch wenn ich das Ende mit Marion Ravenwood (Karen Allen) wundervoll fand. Auch fand ich Marion in den paar Minuten so viel besser und sympathischer als im gesamten vierten Teil (was hat die dort gemacht außer dumm grinsen?). Nur der Film vor dieser Szene. Der war nicht so das meine.

Auch nicht hilfreich fand ich, dass quasi alle netten Charaktere im Film sterben. Zwei Kollegen von Indy (fand ich extrem hart und passte nicht in einen Indy-Film für mich) oder der von Antonio Banderas (in großartiger Spielfreude) gespielte Renaldo, der in den wenigen Minuten Screentime ein absoluter Sympathieträger war und einfach abgeknallt wird.

Nein. Da hat sich zu viel einfach falsch eingefühlt um für mich zu funktionieren. Tut mir leid. Die letzten drei Minuten: Ja, passt. Ein paar Momente dazwischen Okay. Als 2 1/2 Stunden-Film? Nein, sicher nicht.

„Indiana Jones und das Rad des Schicksals“ bekommt von mir 5 von 10 möglichen, großteils aufgrund von Nostalgie positive empfundene, Punkte.


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