Nomadland (Filmkritik)

Fern (Francis McDormand) hat so gut wie alles verloren. Ihren Mann, ihre Arbeit, ihr Zuhause. Seitdem lebt sie in ihrem Van. Sie fährt herum, verbringt ihren Sommer an Ort A mit einem saisonalen Job und fährt in der nächsten Jahreszeit weiter zum nächsten Ort, nächsten Job und das zieht sich so dahin.

Auf ihrem Weg lernt sie eine Menge Leute kennen, die aus verschiedenen Gründen ebenfalls in ihren Fahrzeugen leben. Sie alle haben sich dafür entschieden. Sie alle haben ihre Gründe. Genauso, wie Fern …

Ja, der Film hat drei Oscars gewonnen und Francis McDormand hat ihn einerseits produziert und andererseits auch die Hauptrolle übernommen. Das Drehbuch und die Regie stammen von Chloé Zhao, die als erste asiatische Frau einen Oscar für die beste Regie bekommen hat.

Ich muss offen sagen, dass Oscars für mich kein Maßstab für die Qualität eines Films darstellen. Dazu habe ich zu viele Oscar-prämierte Filme gesehen, die mich einerseits kalt gelassen haben und die ich andererseits sogar ziemlich schlimm fand (zB La-La-Land). Ist sicher Geschmacksache, ich weiß.

Außerdem ist meine Zeit mit Arthouse-Filmen (und so würde ich Nomadland nennen) schon lange vorbei ist. Ich habe ein paar Jahre lang wirklich fast nur Arthouse-Filme gesehen und irgendwann reichte es mir so richtig. Nennen wir es Übersättigung.

Und Ja, noch was: Meine Frau wollte „Nomandland“ sehen. Nicht ich. Aber was tut man nicht alles für die Liebe. Tatsächlich war ich positiv überrascht. Ich meine, für einen Film, der eigentlich keine Handlung hat, sondern nur eine chronologische Abfolge von Szenen, der quasi keine Schauspieler dabei hat, sondern nur echte Menschen von ihren Problemen erzählen lässt und sie dabei filmt, der wunderschön fotografiert ist, aber im Grunde nur schöne Landschaften und erschöpfte Menschen zeigt, ist er erstaunlich unterhaltsam und spannend.

Sicher, die Spannung kommt zu einem großen Teil (zumindest bei mir) daher, dass ich darauf gewartet habe, dass mal die Handlung beginnt – und ja, ich gebe zu: Es gibt tatsächlich eine Handlung und eine Charakterentwicklung bei Fern. Und die Schauspieler:innen, die im Film sind (Francis McDormand und David Strathairn), spielen wirklich, wirklich gut. Tatsächlich so gut, dass man – wenn man ihre Gesichter nicht kennen würde – nicht wüsste, wer hier wirklich die Person IST, die er oder sie spielt, und wer nur eine Rolle spielt.

Der Film lebt in erster Linie von drei Dingen: Von den wunderschönen Aufnahmen, vor allem der Landschaften. Von Francis McDormand, die in jeder Szene zu sehen ist und die absolut großartig spielt. Und zu guter Letzt, aber am meisten, von der unbekannten, seltsamen Welt und ihren Bewohner:innen, die man so sicher nicht kennt. Swanke, Robert und alle anderen. Ihre Geschichten gehen nahe, da man auch merkt, dass sie echt sind.

Ich kann schwer beurteilen, wie viel Drehbuh oder Regie in diesem Film steckt, weil ich nicht weiß, wie oft man einfach die Kamera hat laufen und Francis McDormand und die anderen Leute reden ließ ohne sie zu unterbrechen, aber macht das einen Unterschied?

Ich würde also „Nomadland“ nicht als „spannend“ bezeichnen, sondern in erster Linie als einen faszinierenden Einblick in eine Parallelwelt, die man so nicht kennt. Hätte ich einen Oscar dafür hergegeben? Nein. Ist es sehenswert? Ja, doch.

„Nomadland“ bekommt von mir 7,5 von 10 möglichen, optisch wundervolle und menschlich berührende, Punkte.


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