Kung Fu Hustle (Filmkritik)

Shanghai, 1940. Eigentlich kontrollieren Gangster die Stadt. Vor allem die „Axt-Gang“ ist groß im Rennen. Möchtegern-Gangster Sing (Stephen Chew) wäre gern Teil dieser Gang, aber so richtig bekommt er es nicht hin. Als er sich eines Tages im Armenviertel als ein Mitglied der Gang ausgibt, die Bewohner:innen dort aber überhaupt nicht so reagieren, wie er gedacht hat, ruft er nach Verstärkung. Die wird aber aufgemischt, denn in diesem Viertel ist die Dichte an Kung Fu Meister:innen unglaublich hoch.

Aber nicht nur das, auch Sing wird gefangen genommen, denn immerhin hat er sich als Mitglied der „Axt-Gang“ ausgegeben und das kann man ja so nicht auf sich sitzen lassen. Aber auch der Schmach über die verlorene Schlacht sitzt tief, also holt sich der Anführer der Axt-Gang Verstärkung und versammelt mehrere „böse“ Kung-Fu-Meister um sich, welche denen im Viertel das Fürchten lehren sollen.

Und dann geht so richtig die Post ab.

Ich habe lange Zeit einen Bogen um „Kung-Fu-Hustle“ gemacht, was aber in erster Linie daran lag, dass ich ihn mit „Enter The Fist“ verwechselt hatte. Ihr wisst schon, der Film, der mit der Szene in welcher ein Kung-Fu-Meister auf der Weide mit einer Kuh einen Kampf hat. Aber das ist eben ein anderer Film. Dieser hier ist nämlich einerseits weit weniger schräg als der gerade erwähnte Film und zeitgleich noch viel schräger.

Stephen Chew, der das Drehbuch geschrieben hat, die Regie führte und auch noch gleich der Hauptdarsteller ist, hat hier ganze Arbeit geleistet un 2004 einen wahren Kultfilm erschaffen. Auch im Jahr 2022 ist dieser immer noch sehenswert, denn die Effekte sind entweder immer noch top oder so übertrieben comicartig, dass sie schon 2004 schlecht und witzig wirkten. Da gibt es sogar eine Roadrunner-mäßige Verfolgungsjagd. Irre.

Die Story ist natürlich in erster Linie Mittel zum Zweck und wir alle wissen, wie sie ausgeht, aber einerseits sind die Kampfszenen einfach ein Wahnsinn mit genialer Choreografie und andererseits haben sich die Macher:innen wohl gedacht, dass man jedweden Realitätsanspruch über Bord werfen muss, wenn man einen Kung-Fu-Film macht und wenn man schon dabei ist, dann kann man auch gleich den ganzen Weg gehen.

So werden hier Menschen durch Wände geworfen, in den Boden eingeschlagen, ein Kung-Fu-Schrei zerbricht Möbel (und Menschen), ein Hackbrett wird zur magischen Waffe, welche Schwerter und Todesgeister veschießt, die Bösen holen den ultimativen Killer, welcher eine Figur ist, die man gesehen haben muss, damit man sie glaubt (Stichwort: Kröte. Ekliger Kerl) und wenn dann das Finale da ist, dann glaubt man, nicht richtig gesehen oder gehört zu haben. Erneutes Stichwort: Die Hand des Buddah.

Rund um die Kämpfe gibt es Dialog wie zu besten Bud Spencer und Terrence Hill-Zeiten, Slapstick (ich fand eine Szene, die mit einer Schlange im Gesicht endet brüllend komisch) und dramatisch-kitschiges Drama. Also genau das, was man von einem guten Kung-Fu-Film erwarten kann.

Der Humor ist gewöhnungsbedürftig und wenn ihr denkt, ihr würdet hier einen normalen Kung-Fu-Film sehen, dann werdet ihr entweder völlig von den Socken sein, wie schräg und cool der Film ist oder ihr werdet ihn hassen.

Was mir – neben all dem Irrsinn, der coole Choreografie und dem Humor – gut gefallen hat, ist auch die Tatsache, dass man sich neben all der Action auch Zeit nimmt und sich auf andere Figuren fokussiert als den Helden. Das macht Spaß, das bringt Abwechslung – auch in die Kämpfe – und ist außerdem sympathisch.

Alles in allem kann ich „Kung Fu Hustle“ allen Fans von schräger Action, die platten, aber gut eingesetzten Humor zu schätzen wissen, wärmstens empfehlen. Und nochmals: Die Action ist extrem cool geworden.

„Kung Fu Hustle“ bekommt von mir 8 von 10 möglichen, seinen Wahnsinn genießende, Punkte.


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