Dreamland (Filmkritik)

Eugene (Finn Cole) träumt von einem Leben voller Abenteuer. Nur spielt es da nicht. Irgendwie am Rande der Zivilisation in Amerkias Texas liest er immer wieder Abenteuerromane und sehnt sich nach „mehr“. Aber mehr gibt es nicht. Es gibt die Farm. Und das war es soweit. Nur die Berichte über Allision Wells (Margot Robbie), eine gesuchte Bankräuberin, die auf ihrer Flucht angeblich ein Kind erschossen hat, bringen ein wenig Spannung in sein Leben.

Als dann eines Tages just diese Allison verletzt im Schuppen der Farm auftaucht und sie Hilfe braucht, ist er hin und her gerissen zwischen ihrer Anziehungskraft bzw. Verführungskünsten und dem auf sie ausgesetzten Kopfgeld.

Was die Sache nicht einfacher macht: Eugenes Familie ist Teil der Polizei.

„Dreamland“ ist das erste Drehbuch für einen Langspielfilm von Nicolaas Zwart und der zweite Langspielfilm von Regisseur Miles Joris-Peyrafitte. Warum ich das erwähne? Weil es beeindruckend ist, wie leichtfüßig der Film erzählt wird und wie scheinbar mühelos hier eine spannende Atmosphäre aufgebaut wird. Die Bilder, die in Dreamland auf den Bildschirm gezaubert werden sind wirklich schön eingefangen und gerade die Szene in welcher ein Sandsturm über die Farm hinwegfegt ist wirklich eindringlich geraten und man kann die Naturgewalt fast körperlich spüren. Allein der Anblick, der sich nähernden Sturmfront lässt einem fast den Atem stocken. Umso verwunderlicher, dass dies nicht Teil des Finales ist, sondern mitten im Film vorkommt. Das Finale ist nämlich (klarerweise) emotionaler Natur und erzählt von Flucht und Liebe.

Gerade der familiäre Twist mit George Evans (gespielt von Travis Fimmel) hat mir sehr gut gefallen, da dieser für Recht und Ordnung einsteht, versucht Eugene zu erziehen und ihn so mehr oder weniger immer weiter von sich wegschiebt, bis es am Ende eine Entscheidung geben muss. Wie die ausgeht, ist irgendwie klar. Aber was mir gut gefallen hat, ist die Rolle, die George dabei spielt. Dabei meine ich weniger die vorhersehbare emotionale Entscheidung, als viel mehr die kleinen Gesten, die nicht groß kommentiert werden müssen. Am Ende ist es halt doch die Liebe innerhalb einer Familie, die Gewicht hat und vielleicht mehr Wert ist als die Buchstaben des Gesetzes.

Natürlich endet die Sache nicht mit Sonnenschein und Eiscreme. Natürlich endet der Film ganz genauso, wie so ein Film per definition enden muss. Deshalb habe ich oben auch erwähnt, dass Nicolaas Zwart hier sien ersten Langspielfilmdrehbuch verfasst hat, denn er hält sich ganz klar an die Formel für diese Art Film.

Das soll heißen: „Dreamland“ macht nichts neu. Das sage ich über fast jeden Film, ich weiß, das ändert aber nichts daran, dass es wahr ist. Hier sind es die kleinen Nuancen, die mir gut gefallen haben, wie zB eben die Rolle von George am Ende. Oder die Art und Weise, wie es das Drehbuch versteht den Charakter von Margot Robbies Allision eine ganze Weile lang sehr zwielichtig erscheinen zu lassen und es tatsächlich bis kurz vor dem Ende nicht klar ist, ob sie in Eugene nun einen dummen Jungen sieht, den sie ausnutzen kann, oder ob sie ihm wirklich näher kommt. Vor allem eine (zu lang geratene) Szene in der Dusche fand ich neu und erfrischend, wenn auch primär in der Art, wie sie gezeigt wird und weniger in dem was währenddessen passiert.

Margot Robbie als Allison ist eine kleine Naturgewalt und sie spielt wirklich beeindruckend souverän. Finn Cole glaubt man seine Zerissenheit und auch seine letztliche Entscheidung. Das Spiel mit den Rückblenden zu Allisons letzten Überfall fand ich auch passend, weil es auch von der Optik den Film auflockert und vor allem mit einem weiteren Überfall später im Film gut den Unterschied zwischen Eugenes Abenteuerträumen und der Realität aufzeigt.

Alles in allem ein starker Film, der nichts Neues erzählt, dies aber unterhaltsam und gut gefilmt macht.

„Dreamland“ bekommt 6,5 von 10 möglichen, sich in der staubigen Hitze von Texas bzw. unter seinen Obstplantagen entscheiden müssende, Punkte.


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