Wrath of Man – Cash Truck (Filmkritik)

Wenn man sein Geld damit verdient, dass man als Fahrer/Beifahrer in einem Geldtransporter arbeitet, dann lebt man sehr gefährlich. Für H (Jason Statham) kein Grund, den Job nicht anzunehmen. Zusammen mit dem erfahrenen Bullet (Holt McCallany) liefert er stetig seine wertvolle Fracht ab und schon bald ist es so weit und sie werden zum ersten Mal überfallen.

Doch H kann die Angreifer überwältigen und tötet dabei jeden einzelnen Mann. H ist offensichtlich nicht (nur) der, der er vorgibt zu sein und er hat sehr persönliche Gründe, warum er exakt diesen Job angenommen hat. Schlecht für all Jene, die ihm in die Quere kommen, denn die teilen das selbe Schicksal wie die, hinter denen er her ist…

„Wrath of Man“ ist auch bekannt als Cash Truck, was ebenfalls der Name eines französischen Filmes aus dem Jahr 2004 ist, auf dem diese aktuelle Version lose basiert. Guy Ritchie (Sherlock Holmes, Codename UNCLE) hat dafür das Drehbuch geschrieben und am Regiestuhl Platz genommen und arbeitet hier nach einer 16 jährigen Pause, wieder mit Jason Statham zusammen. Der wiederum hat sich zuletzt ja mehr (Hobbs and Shaw) und weniger (Meg) unterhaltsamen Bombast gewidmet, doch sein neues Projekt, geht wieder etwas back to the roots.

Im Grunde ist dies ein Rachethriller verpackt im Action-Gewand, mit den Eigenschaften eines Crime-Dramas als verbindenden Rahmen. Selten hat man Statham dabei so ernst und fokussiert wie hier gesehen. Sein H ist kein netter Mensch und er ist nicht hier, um Gefangene zu nehmen. Er hat jedoch durchaus seine eigenen Werte, rettet Leute in Not und tötet nicht wahllos, doch zum Feind solltest du ihn dir nicht machen, wenn dir dein Leben lieb ist.

Wer er wirklich ist und warum er tut was er eben tut, das wird durch Rückblenden etwas wie ein Twist angelegt, doch es fühlt sich beim Betrachten ganz natürlich an, genau wie ein Puzzle, zu dem man immer mehr Teile hinzufügt. Wie er seine Gegner beseitigt bzw. wie die Action funktioniert, kann man dabei auf zwei Arten beschreiben. Erstens mal ist der für Statham typische Martial Arts Teil extrem herunter geschraubt, so dass er quasi nicht existent ist.

Fast alle Konflikte werden mit Schusswaffen gelöst, mit großteils sehr gezielten und effizienten Schüssen. Das wiederum unterstützt den Charakter der Szenen, die wie aufgeladen mit kinetischer Energie wirken und niemals in eine generische Richtung gehen oder gar langweilig werden. Das hat schon durchaus auch Oldschool-Charakter, doch dann kommt die zweite Seite hinzu, wo Ritchie auch Kameraeinstellungen und Bewegungen wählt, die sehr modern wirken und ein „mitten drin“ Gefühl vermitteln.

Also irgendwie setzt Ritchie wieder auf die zum Beginn seiner Karriere etablierten Stärken, doch er wirft auch ein paar neue Zutaten in den Mix. Mehr als bei den meisten Filmen in letzter Zeit hatte ich dabei das Gefühl, dass man beim Betrachten auf die Story an sich fokussiert ist und weniger auf die Charaktere, was ich nur als ein positives Statement auf die vorhandene Spannung bezogen betrachten kann.

Neben dem unheimlichen präzisen, effizienten und mit stoischer Kontrolle agierenden Statham, ist es hier dann vor allem Scott Eastwood (Diablo), der mich positiv überrascht hat. Nicht dass Stathams H nicht auch plötzlich zuschlägt, doch Eastwoods Jan ist eine tickende Zeitbombe, ein Egomane, der ohne Moral oder Loyalitäten, nur seine eigene Bereicherung im Auge hat. Als Gegenpol zu diesen beiden ernsten Herren, ist es dann schön wieder mal Josh Hartnett (Bunraku) zu sehen, der hier perfekt den nach außen coolen Feigling mit großer Klappe spielt.

Insgesamt also ein sehr gelungener Thriller, der eine beklemmende, ständig bedrohlich wirkende Atmosphäre etabliert und gekonnt „wer ist der Verräter“ Krimi-Spannung mit stylisher Action im James Bond Stil kombiniert und das Ganze von Schauspielern tragen lässt, die vor Charisma strotzen und sich in bester Spiellaune befinden. Konsequent und ohne Schnitzer kann man somit behaupten, dass Statham und Ritchie noch immer ein starkes Team sind (wofür auch ihr nächster, sich bereits in der Post-Produktion befindender Film spricht).

„Wrath of Man“ bekommt von mir 8/10 zu keiner Sekunde eine andere Möglichkeit als Rache als Antwort erwägende Empfehlungspunkte.


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