Us aka Wir (Filmkritik)

Adelaide (Lupita Nyong’o) macht mit ihrer Familie (Mann + 2 Kinder) einen Strandurlaub, auch wenn sie das gern vermeiden würde, weil sie mit dem Strand eine schlimme Kindheitserinnerung verbindet. Adelaide ging nämlich als Kind bei einem Bummel durch den dort liegenden Vergnügungspark verloren, landete im Spiegelkabinett und was dort passierte hat ihr Leben für immer verändert.

Als sie also Jahre später selbst als Mutter dorthin zurückkehrt macht sie sich Sorgen, denn relativ rasch tauchen nachts Doppelgänger von ihnen auf (die nur sehr schwer reden können und generell ein bisschen komisch sind), die mit Scheren bewaffnet sind und scheinbar das Ziel haben, ihren Platz einzunehmen …

Sagen wir es, wie es ist: Jordan Peele hatte nach „Get Out“ einen Passierschein zu machen was immer er machen wollte und er machte das hier. Das schreibe ich mit ein wenig Bitterkeit, denn „Us“ ist eine mittlere Katastrophe. Das beginnt beim Drehbuch und endet auch beim Drehbuch, denn das ist einfach zu verkopft und nicht gut durchdacht oder zumindest nicht gut genug durchdacht. Peele schafft es mit seinem Team durchaus ein paar sehr beängstigende Bilder zu erzeugen, die sich aufgrund ihrer Komposition und ihrer Ausstattung (die Doppelgänger in ihren roten Anzügen, die goldenen Scheren) absolut ins Hirn brennen und die sogar im Standbild ziemliches Unbehagen auslösen.

Was er auch schafft, ist seine Message rüberzubringen. Er setzt Metpahern sogar so oft ein, dass ich mir irgendwann nur noch dachte „Alter, es genügt. Ich habe es begriffen.“ Und nach gut der Hälfte des Films war ich an dem Punkt angelangt, an dem ich hoffte, dass der Film bald zu Ende sein würde. Nein, war er nicht. Er zog sich noch länger dahin.

Die Message, die der Film vermittelt? Die Unterschicht wird ausgeblendet und war nur so lange interessant, wie man sie ausnutzen konnte. Seitdem ignoriert man sie und sie versuchen ihre „höher gestellten Gegenüber“ zu kopieren. Es wird jedoch der Punkt kommen, an dem sie sich erheben werden und sichtbar sind, in einer Revolution, die dazu dient, ihren Platz an der Sonne einzunehmen. Und wir („us“) haben sie selbst erschaffen. Oder, wer es lokal und im Original mit Wortspiel mag: U.S. hat sie erschaffen. Alles klar? Genau. Und diese Doppeldeutigkeit/Zusammenhänge bzw. die „Zwei Seiten der gleichen Münze, die zusammengehören“-Message wird so oft in euer Hirn gedroschen, dass es einfach nur mehr mühsam ist. Von einer ganzen Reihe anderer Doppeldeutigkeiten und Anspielungen ganz zu schweigen.

Von der Musik angefangen („I Got Five On It“) über den Alexa/Siri-Clon „Ophelia“ (grobe Bedeutung: Hilfe), die alles andere als hilfreich ist („Technik kann uns nicht retten“), die sehr lange/deutliche Einblendung des Films „Der Mann mit den zwei Gehirnen“, der immer weiteren Verfärbung von Adelaides weißer Kleidung hin zu Rot (warum nur? …), unzähligen „Alice in Wunderland“-Anspielungen, der missverstandenen Verehrung von Künstlern der „unteren Kaste“ („I saw god. They knew I was special“) bis hin zu simplen, für die Handlung unnötigen Wortspielen, (Ein Charakter namens Nancy hat einen Doppelgänger namens Syd = Sex Pistols) und der Tatsache, dass manche „Untere“ alle Bewegungen ihrer „oberen Originale“ kopieren (lasst diese Metapher mal sickern) müssen.

Allerdings passiert das alles ohne in sich stimmig zu sein. Das Drehbuch nimmt seine eigenen Regeln nicht ernst. Während in der einen Szene die „Originale“ innerhalb von Sekunden umgebracht werden, wird natürlich mit den „Hauptfiguren“ gespielt und kompliziert herumgedoktert bis sie sich befreien können. Dafür, dass sich „Red“ für „Adelaide“ Zeit nimmt gibt es eine Erklärung, aber der Rest … naja.

Was ich super fand: Der Trailer verrät weit nicht alles. Ursprünglich hat man den Eindruck, dass es um einen Home-Invasion-Thriller geht, in welchem eine Familie von übernatürlichen Doppelgängern verfolgt wird (ein Film, den es schon mehrfach gibt), aber das sind nur die rund ersten 40 Minuten des Films. Danach wird die Perspektive ziemlich stark verändert und man bekommt ein weit größeres/besseres Bild, was da vor sich geht. Das bedeutet leider nicht, dass es dadurch spannender wird. Tragischerweise war für mich das Gegenteil der Fall.

Ich könnte jetzt noch eine ganze Reihe weiterer, nicht stimmiger und für mich störende Faktoren aufzählen, aber ich denke, man versteht, warum ich den Film in erster Linie in die Länge gezogen und anstrengend fand. Sogar der Humor funktioniert maximal die halbe Zeit. Es gibt ein paar wirklich, wirklich peinliche Szenen, die witzig sein sollten und speziell der Vater (gespielt von Winston Duke aus „Black Panther„) ist einfach ein wandelndes Klischee und der Typ ging mir sehr rasch einfach nur mehr auf den Keks.

Warum ich ihn mir trotzdem bis zum Ende angesehen habe? Zum einen dachte ich mir, dass er vielleicht besser wird (wurde er nicht), es einen finalen Twist gibt (gibt es, aber der ist nur eine weitere Metapher) und außerdem – ganz ehrlich – ich war einfach hin und weg von Lupita Nyong’o („Black Panther„, „12 Years A Slave„). Ich fand sie hier dermaßen gut, dass ich es fast nicht glauben konnte. Ich habe fast bis Ende des Films gebraucht, bis mir klar wurde, dass sie tatsächlich Red und Adelaide spielt. Ich meine, ich wusste es und trotzdem konnte ich nicht glauben, dass das die gleiche Schauspielerin ist. Einfach fantastisch. Dazu kommt noch, dass man speziell in diesem Film sieht, was für eine unglaublich schöne Frau sie ist (spielt keine Rolle für die Handlung, aber mir ist das vorher nie so stark aufgefallen).

In Summe: Schade. Die Idee war gut. Aber da hätte man noch ziemlich lange dran feilen müssen. Vielleicht hätte man mehr auf ein gutes, spannendes und in sich stimmiges Drehbuch achten sollen anstatt sich für alles eine Metapher auszudenken.

„Us“ bekommt von mir 4,5 von 10 möglichen, aufgrund der angestrengten Metaphern und Kopfentscheidungen in die Irre laufende, Punkte.


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