Final Space – Staffel 2 (Serienkritik)

Alles ging gut. Oder schief. Je nachdem, wie man es sieht. Jedenfalls sind Gary und seine Crew gestrandet. Auf einer Müllhalde. Und die gehört einem alten Bekannten, der natürlich nicht anders kann, als Garys Lage auszunutzen und ihn durch Erpressung dazu zwingt für ihn zu arbeiten.

Dazu kommt, dass „etwas“ im Final Space erwacht ist. Ein Titan, der Gary und seine Crew vor die Aufgabe stellt, ihn aus seinem Gefängnis zu befreien. Dazu brauchen sie ein paar Artefakte. Und wie könnte es anders sein: Sie sind nicht die einzigen, die danach suchen.

Unerwarteterweise wird die Suche danach jedoch weit persönlicher als anzunehmen war, denn auf einmal ist Garys Mutter Teil des großen Ganzen und ihre Rolle ist weit umfangreicher als gedacht. Und diese „Rolle“ geht zurück bis in Garys Kindheit. Wie dieser schmerzhaft feststellen muss …

Es hat ein wenig gedauert, bis ich mich mit Staffel 2 anfreunden konnte. Woran das genau liegt kann ich nicht genau sagen, denn nach Ende der gesamten Staffel kann ich nur festhalten, dass der Irrsinn noch genauso vorhanden ist, wie in der ersten Staffel … er ist nur weiter verstreut und kommt nicht mehr im Sekundentakt.

Dazu kommt, dass es eine ganze Reihe neuer Figuren gibt, an die ich mich erstmal gewöhnen musste. Klar, die Entwicklungen von „Freunden“ hin zu „Feinden“ und die Themen Verrat und wem kann ich vertrauen sind alle durch die Bank nicht neu, aber sie werden hier wieder einmal mit Charakteren gemischt, die super sind und – was ich besonders toll fand – man findet auch ein paar ungewohnte Verknüpfungen zu Geschehnissen aus dem ersten Teil, die dort „so am Rande“ passiert sind.

Ich will nichts spoilern und bleibe deshalb vage: Die Suche nach der in Staffel 1 verschwundenen Person bzw jener Person, die sich geopfert hat, ist in Staffel 2 das große Leitmotiv und Gary wäre nicht Gary, wenn er nicht jedes einzelne Fettnäpfchen am Weg mit Anlauf als Vollbad nehmen würde. Aber auch das Team rundherum wächst einem mit jeder Folge mehr ans Herz und bis zum Staffelende will man niemand mehr missen.

Ein wenig kommt es mir so vor, als ob die grenzwertigen Aussagen/Momente zurückgedreht wurden, was die Staffel im ersten Moment harmloser wirken lässt als die erste. Das wirkt jedoch nur so. Spätestens als eine ganze Crew jede Ecke eines Raumschiffs mit Urin markiert, um Besitzansprüche geltend zu machen, oder bis man sieht, was ein Ball, der nicht aufhört zu springen mit den Knochen eines alten Mannes anrichten kann, oder ein „Dance Off“ in den Weiten eines schlafenden und träumenden Bewusstseins, weiß man – der durchgeknallte Wahnsinn ist noch immer da und ist kein bisschen weniger irre als in Staffel 1.

Persönlich war meine emotionale Bindung in der ersten Staffel stärker (das lag sicher auch daran, dass sie weniger Folgen hatte und sich deshalb vom Erzähltempo her viel flotter anfühlte), aber das ändert nichts an der Tatsache, dasa auch Staffel 2 einfach super ist und ich jede Folge (die ja jeweils nur gut 20 Minuten dauern) genossen habe.

Manche Nebencharaktere der ersten Staffel, so zum Beispiel Tribore oder die künstliche Intelligenz HUE, bekommen in der zweiten Staffel ihren Platz im Scheinwerferlicht mit ein paar doch sehr unerwarteten Momenten. So bekommt zB HUE einen Körper, der ihm als ehemalige alles kontrollierende AI eines Raumschiffts, aber nach anfänglicher Freude tatsächlich eher depressiv macht. Vor allem, da die neue KI im neuen Raumschiff immer wieder darauf hinweist, was sie alles kann und er eben nicht mehr kann. Da gibt es in paar großartige Momente. Und Tribore … nun, der mausert sich zu einer zentralen (und vor allen absolut fähigen) Figur, die bei jedem Auftritt einfach nur ein fettes Grinsen ins Gesicht zaubert. Vor allem die Szene, in welcher er der einzigen Person, die er jemals lieben wird können, seine große Liebe gesteht … die war ein Wahnsinn in ihrem … nun, Wahnsinn.

Soweit ich weiß wurde eine dritte Staffel bereits genehmigt und 2021 ausgestrahlt. Ich kann nicht umhin anzumerken: Ich freu mich drauf.

„Final Space – Staffel 2“ bekommt von mir 7,5 von 10 möglichen, die Anzahl der Charaktere erweiternde, Punkte.


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