Final Space – Staffel 1 (Serienkritik)

Gary Goodspeed (Olan Rogers) befindet sich auf einem Raumschiff. Er ist allein. Einzig der Roboter KVN (gesprochen: Kevin) leistet ihm Gesellschaft und soll dafür sorgen, dass er in der Isolation nicht durchdreht. Mit dabei (aber technisch betrachtet nicht an Bord) ist die Künstliche Intelligenz HUE, die das Schiff kontrolliert. Der Grund für Garys Isolation ist eine Haftstrafe, die er an Bord des Gefangenenraumschiffs absitzt, von dem er – entgegen seiner festen Überzeugung – nicht der Kapitän ist, sonder der einzige Häftling.

Eines Tages jedoch taucht ein fliegender, grüner Batzen Schleim bei ihm auf und Gary tauft ihn auf den Namen „Mooncake“ und beschließt, nun einen neuen Freund zu haben. Leider ist Mooncake jedoch keine gewöhnliche Lebensform, sondern wird vom Lord Commander gejagt, da dieser denkt, Mooncake sei für seine Pläne der Herrschaft über Raum und Zeit essentiell …

Auf „Final Space“ bin ich durch eine Empfehlung aufmerksam geworden und ich dachte mir, einmal reinschauen kann nicht schaden. Und nach zwei Folgen war ich im „Final Space“-Rausch. Was soll ich sagen? Selten eine Serie gesehen, deren Protagonisten so irre sind und gleichzeitig so liebenswürdig. Da kommen Szenen vor, die man so mit Sicherheit in keiner anderen Serie (Live-Action oder animiert) gesehen hat.

Das beginnt damit, dass Gary sich die Haut eines Aliens überzieht, um sich in eine Anlage zu schmuggeln und durch einen dummen Zufall genau bei der Familie landet von deren Mutter er sich die Haut übergezogen hat. Stichwort Trauma, irgendwer?

Allein die Konstellation der Charaktere ist das alles überwiegende Moment, denn eine solche Bande von Vollidioten, die trotzdem alle irgendwie großartig und liebenswert sind, nun … da fallen einem Parallelen zu „Firefly“ ein, ganz ehrlich. Der Humor ist herrlich grenzdebil, was zu einem großen Teil an der Hauptfigur Gary liegt. Tatsächlich strunzdumm, aber loyal und zu seinem Wort stehend. Wer sonst rettet einen Kopfgeldjäger der ihn eigentlich töten wollte, vor dem gefährlichsten Wesen des Universums, weil man kurz davor ein (ein bisschen erzwungenes) Freundschaftsversprechen gegeben hat? Das liest sich jetzt vielleicht seltsam, aber die Aktionen der Charaktere, ihre Mimik, ihre Antworten und vor allem die absolute Ernsthaftigkeit mit welcher die irrsten Dialge geführt werden – das sollte man gesehen haben.

Optisch hat man sich rasch an den Animationsstil gewöhnt und dann gefällt er auch sehr gut. Interessant finde ich, dass die Optik die Serie viel kinderfreundlicher aussehen lässt als seine Charaktere oder in Summe die ganze Geschichte überhaupt ist. Denn auch vor harten und brutalen Momenten macht man hier nicht halt und gerade gegen Ende der Staffel war ich ein paar Mal wirklich sprachlos, weil Dinge passiert sind, die man sich aufgrund der Handlung vielleicht dachte, sie würden kommen – ich hätte aber nicht damit gerechnet, dass sie das durchziehen.

Ein ganz großes Lob muss an die Synchronsprecher*innen gehen, denn ohne deren quasi perfektes Timing würde die Serie nicht funktionieren. Aber das tut sie. Es ist wohl diese Art von Serie, die man aufgrund des grenzdebilen Humors und generellen Wahnsinns entweder liebt oder hasst, aber wer sich auch nur ein wenig für (im positiven Sinne) Wahnsinn erwärmen kann und kein Problem (oder sogar Freude) mit Sci-Fi hat, der oder die darf hier nicht wegsehen.

„Final Space“ ist quasi das „Archer“ der Weltraumserien. Und wer „Archer“ nicht kennt, der oder die sollte das schleunigst nachholen.

Die Erzählstruktur hat einen überspannenden Handlungsbogen, der damit beginnt, dass Gary in einem Raumanzug durch die Trümmer seines Raumschiffs treibt und ihm die Stimme von HUE vorrechnet, wie lange er (Minuten) noch zu leben hat. Dann wird in Rückblicken erzählt, wie es bis hierhin hat kommen können.

Noch ein paar Worte zum Humor bzw. den schrägen Figuren und Momenten. Als Beispiel, worauf ihr euch einstellen könnt: Gary ist deshalb im Gefängnis, weil er sich auf den allerersten Blick in eine Frau verliebt hat, bemerkt, dass sie in einem Sonderprogramm der Raumfahrt arbeitet (dem Infinity Corps), einen Kollegen von ihr ko schlägt, ihm seine Uniform stiehlt – um dann in der Bar neben ihr Platz zu nehmen und ein Gesprächsthema/einen Gesprächsstarter zu haben. Geht natürlich schief und der Gute landet eben im Gefängnis nachdem er (unbeabsichtigt) 92 Raumschiffe (und ein mexikanisches Restaurant) zerstört hat. Von dort aus sendet er jeden Tag seiner (jahrelangen) Gefangenschaft Nachrichten an seine Liebste (die nicht mal mehr weiß, dass sie ihn überhaupt jemals getroffen hat). Das klingt nach Stalking und nach einem Perversling, wenn man das so liest und wenn man genauer darüber nachdenkt. Sieht man das allerdings in der Serie, dann kann man nicht anders, als Gary zu mögen, weil man einfach merkt, dass er eben genau das nicht ist, sondern im Gegenteil ist er ein grundpositiver Naivling, der einfach viel zu sehr an die Einfachheit des Lebens und die Reinheit von Gefühlen glaubt. Was auch im späteren Verlauf der Geschichte seine große Stärke werden wird.

Lange Rede, kurzer Sinn: Ansehen, weil großartig.

„Final Space – Staffel 1“ bekommt von mir 8 von 10 möglichen, endlich wieder eine gute, durchgedrehte Sci-Fi-Serie bekommende, Punkte.


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